„Hört auf die Hausfrauen-Ehe zu belohnen!“ – so die Überschrift zu einem Kommentar in der ZEIT, die dem Geist der Zeit gewiss entspricht, aber die eine gewisse Geistlosigkeit nicht ganz verhehlen kann. Das Erste, was ich höre, ist blanker Neid. Blanker Neid auf die Hausfrau, die zuhause mit ihrem Staubtuch wedelt, fröhlich Radio hört und mitsingt – und ihr freies und unabhängiges Leben inklusive einer kostenlosen Krankenkasse genießt. Das Zweite, was ich höre, ist: Heirateten sich einmal zwei Hausfrauen … Nein, das ist albern. Aber nur zum Spaß: Lassen Sie sich das Wort Hausfrauen-Ehe einmal richtig durch den Kopf gehen: Wer hat denn da wen geheiratet und warum? Richtig, die Hausfrau, die arbeitsscheu ist, hat sich einen Mann gesucht.
Ja, wo laufen sie denn? Ja, wo leben wir denn? Die Hausfrauen offenbar im Schlaraffenland. Auf jeden Fall dort, wo die Zwei-Arbeiter/innen-Ehe nicht stattfindet. Der Kommentar in der ZEIT liegt hinter Bezahlschranke – und an dieser Stelle bin ich zum Bezahlen tatsächlich nicht bereit. Zumal ich meine Krankenkasse selbst zahle. Falls Sie reinschauen wollen, der Kommentar ist vom 24. März und hier zu finden:
https://www.zeit.de/wirtschaft/2026-03/mitversicherung-ehepartner-gesetzliche-krankenversicherung-reform
Nun ist das hier an dieser Stelle mein zweiter Einwurf zur Debatte. Und im Gegensatz zu meinem gestrigen Kommentar: Mir geht der Hut hoch. Und da wo nicht nur die ZEIT auf Stil und Anstand pfeift, springe ich dann gern mal persönlich in den Ring. Ja, was glaubt Ihr denn, Ihr Journalisten und -innen, ihr Debattierenden und Diffamierenden, was glaubt Ihr, warum die Hausfrau zu Hause bleibt? Es ist ja eine maßlose Unterstellung, die da unausgesprochen durch’s WWW und durch den Blätterwald wabert.
Die Hausfrau bleibt zuhause, weil nicht jeder eine Oma und einen Opa um die Ecke hat, die jederzeit und nach Belieben einspringen können, wenn der Kindergarten mal wieder geschlossen hat, weil die Kindergartenplatzgarantie so recht nicht zum Personalangebot passt. Zum Beispiel.
Oder sie bleibt zuhause weil Mutter, Schwiegermutter, Vater und oder Schwiegervater versorgt werden müssen, weil sie nicht ins Heim sollen – und bei den tatsächlichen Kosten wohl oft auch gar nicht können.
Die Hausfrau bleibt zuhause, weil das Familienunternehmen gleichen Namens diese und jene und welche Unterstützung im Alltag braucht, die deswegen nicht in Arbeitsverträge zu packen sind, weil sie beide Bereiche betreffen: Familie und Unternehmen. Ich rede gar nicht von Schwarzarbeit. Ich rede von den alltäglichen Zuarbeiten. Ein Unternehmer, der mehr als zehn Stunden täglich arbeitet, kann nicht auch noch einkaufen gehen, Wohnung putzen, Kinder zur Kita bringen, essen kochen.
Die Hausfrau ist Hausfrau, weil sie sich, warum auch immer, aber auf jeden Fall für andere Mitglieder dieser Gesellschaft zurückgestellt hat. Weil die Arbeit des Mannes im Vordergrund steht.
Ja, das ist gerade alles vollkommen unschick. Aus der Zeit gefallen, sozusagen. Und ich schwöre Ihnen: Gerne würden die meisten Hausfrauen sich beruflich selbst verwirklichen. Doch die Bedingungen: Sie sind einfach nicht so.
Zurück zu denen, die da neiden: Diese schreibenden Neider wissen ganz genau, warum die Hausfrau Hausfrau bleibt. Denn sie, die Neider, sind es, die ständig im Stau stehen, wenn die Kinder abgeholt werden müssen, denen ein plötzlicher Termin beruflicher Art die Einladung oder den Elternabend vermasselt. Sie sind es, die abends mit zwei quengelnden Kindern an jeder Hand im Supermarkt stehen und am liebsten selbst losheulen würden. Denn zuhause wartet der Herd, auch wenn’s wieder nur die Pizza wird, die Spülmaschine, die Waschmaschine – ja, der ganze Haushalt. Nennen wir ihn an dieser Stelle herrenlos. Und das ist ja nur das Pragmatische: Eigentlich würden auch diese Leute gerne abends mit den Kindern in Ruhe über die Erlebnisse des Tages reden, einen Blick über die Hausaufgaben werfen, beim Zubettgehen das gute Buch vorlesen. Eigentlich würden sie gerne all das tun, was sie glauben, dass die Hausfrau es sich einfach so nimmt.
Nein, so ganz einfach ist das nicht: Führen Sie mal einen Familienhaushalt mit nur einem Verdiener. Das wird knapp. Und wenn das schon knapp ist, dann gucken sie mal, was die Hausfrau dereinst an Rente bekommen wird. Das wird noch knapper. Und sehen Sie, schon sind wir im Kreis gelaufen: Soll sie doch arbeiten gehen, die Hausfrau. Oder?
Ja, aber wenn wir alle arbeiten gehen, wer macht dann die ganze soziale Arbeit? Vom Ehrenamt und vom Verein, von Kirche und Dorf habe ich ja noch nicht einmal geredet.
Wir müssen aufhören, die Menschen als Individuen zu betrachten. Menschen verwirklichen sich in Gruppen – und wenn sie die Möglichkeit hätten, sich die unbezahlte und bezahlte Arbeit so aufzuteilen, dass alle Beteiligten damit klarkommen, wäre das super.
Wir müssen diese Menschen, die da die unbezahlte Arbeit macht, gar nicht Hausfrauen nennen. Das kann gerne auch ein Mann erledigen. Wir müssen aber der Tatsache Rechnung tragen, dass irgendjemand diese Arbeit machen muss – und nicht jede dieser Arbeit in den Arbeitsmarkt ausgelagert werden kann. Das wird unbezahlbar und unmenschlich.
Was die Krankenkassenbeiträge für Hausfrauen und Hausmänner betrifft: Ja, vielleicht ist Deutschland da einzigartig. Aber: Ist das schlimm?
