Vielleicht kennen Sie Guido Wilhelm ja auch nicht. Er ist Wirtschaftsjournalist und veröffentlicht Texte und Kommentare auf „Markt und Mittelstand“. Sein Kommentar (mit geschichtlichem Hintergrund!) zur Zuckersteuer findet sich gerade mehrfach online – und ich verspreche Ihnen, Sie werden ihn mit Vergnügen lesen. (Sofern Sie weder in der Bundesregierung noch im Management gesetzlicher Krankenkassen arbeiten). In The European finden Sie den Text am 12.08.2026.
https://www.theeuropean.de/politik/bundesregierung-plant-zuckersteuer-im-schnellverfahren
Nachrichten aus dem Gesundheitswesen
In Deutschland klagen 28 Medizinstudenten gegen die Landarztquote, allein 17 davon in NRW. Die Gründe und Einwände sind natürlich verschieden. Sie richten sich zum Beispiel gegen die Höhe der Vertragsstrafe, gegen die Hausarztverpflichtung etc. Hier eine Linkliste:
Das Deutsche Ärzteblatt berichtet am Montag, 10.08.2026:
https://www.aerzteblatt.de/news/28-medizinstudierende-klagen-gegen-landarztquoten-9193abd7-595f-4d89-a483-446482750455
Der Hartmannbund berichtet am 11.08.2026:
https://www.hartmannbund.de/berufspolitik/news/28-medizinstudierende-klagen-gegen-landarztquote/
Berichte aus NRW:
WDR, 10.08.2026:
https://www1.wdr.de/politik/politik-in-nrw/klagen-gegen-landarztquote-100.html
Der dpa-Bericht in der Borkener Zeitung, 10.08.2026:
https://www.borkenerzeitung.de/welt/in-ausland/politik-inland/Landarztquote-beschaeftigt-NRW-Gericht-17-Klagen-abhaengig-782894.html
Sie wollen in den Urlaub? Vielleicht auch noch ans Meer? Vorsicht Falle! Wenn an dem einen Strand gerade die Killerbakterien ausgebrochen sind, begegnen Sie an einem anderen den Killerquallen. Hier ist der Name ja Programm: Qualen wird die Begegnung mit der Killerqualle hervorrufen. Die Rede ist von der Portugiesischen Galeere. Die tatsächlich nur selten tötet. In jedem Fall aber bei Berührung quält.
Bei Killerviren – und das ist schon eigenartig – ist die Nachrichtenlage ganz anders. Googeln Sie mal spaßeshalber alle drei: Killerviren, Killerbakterien und Killerquallen. Bei den Killerviren werden Sie, schneller als Sie lesen können, zeitlich zurückgebeamt. Zu den Coronaviren. Sie erhalten haufenweise Texte, verknüpfen damit haufenweise Erinnerung – und erhalten, Google sei Dank, kaum Infos über die in der Suchleiste von Ihnen angeforderten „Killerviren“. Es muss sich da um ein Tabuwort handeln, aber in den Suchmaschinen sind die richtigen Zusammenhänge offenbar richtig hinterlegt. Kurz: Die Killerviren haben vor Jahren Ihren Urlaub verhindert. Derzeit sind sie medial weniger aktiv. Dahinter kann nichts weiter stecken als die Rücksichtnahme auf all diejenigen, die sich an die coronaren Schrecken noch erinnern. Also: Zurück in die Gegenwart. Halt, noch nicht ganz: Die Killeralge – zumindest im Mittelmeer scheint sie der Vergangenheit anzugehören. Und trotz Klimawandel und Hitzewelle: Aktuelle Nachrichten über das Wesen und Treiben von Killeralgen sind im weltweiten Meer der Medien gerade schwer aufzutreiben.
Zieht es Sie nach Australien? An die Küste Floridas? Dann sind Sie längst informiert. Hier werden Ihnen unter Umständen Haie gefährlich, wenn Sie zu weit rausschwimmen, segeln oder surfen. Das Erstaunliche: Über Killerhaie schreibt hier niemand. Und wenn Sie tatsächlich einem Mörderhai in die Augen sehen und sich fürchten, prüfen Sie genau: Wahrscheinlich sitzen Sie gerade im Kino – und schauen einen Film an, der auch in die Vergangenheit gehört. Nein, wir leben in einer Zeit, die das Leben und das Wesen auch der Tiere achtet. Der Killerhai ist also nur noch literarisch oder cineastisch – und das ist gut so. Im Meer und in den Medien begegnen Sie allenfalls einem Mega-Hai.
Und das Mittelmeer? Haifrei ist das auch nicht. Das können Sie in der Berliner Zeitung nachlesen. Rechtzeitig zur Urlaubssaison, am 05.07.2026:
https://www.berliner-zeitung.de/article/hai-sichtungen-im-mittelmeer-diese-regionen-gelten-als-hotspots-2338833
Aber wir können uns der Gefahr auch unter Wasser nähern, wenn wir die österreichische Kronen Zeitung vom 11.08.2026 lesen. In der Toskana taucht ein Bub, fünf Jahre alt, unter Wasser – und blickt einem Hai in die Augen. In der Überschrift war von einem Riesen-Hai die Rede gewesen. Nachdem die Begegnung Kind und Hai, ein Unterwasseraugenblick, geschildert ist, erfahren wir: Der Riesen-Hai war ein toter Hai. Ein Glück für den Jungen. Aber Sie sehen: Selbst ohne mörderische Attribute droht Ihnen vom Hai auch in Europa Ungemach.
https://www.krone.at/90014205848
Attribute hin oder her: Wir Daheimgebliebenen werden ständig damit konfrontiert, wie tödlich so ein Urlaub enden kann. Doch: Seien Sie gewarnt. Die Killer lauern nämlich überall. Auch zuhause. Wenngleich zu vermuten ist, dass das Killerkommando vielleicht nicht gerade auf Sie angesetzt ist. Der Killer-App könnten Sie aber durchaus zum Opfer fallen. Der Duden erklärt sie als eine Applikation, die einer neuen Technologie zum Durchbruch verhilft. Das geschieht durch zahlreiche Käufer oder Nutzer – und kein Zweifel: Das sind tatsächlich dann wohl Sie und ich.
Das alles ist Ihnen zu wenig tierisch? Wie wäre es mit ein paar Insekten? Killerbienen zum Beispiel. Nein, die sind hier ja nicht heimisch. Die Tigermücke fängt an, sich bei uns einzuleben, muss sich aber die tötenden Attribute erst noch erarbeiten. Die Killerschnecken – nein, damit mache ich mich lächerlich. Haben Sie in diesem Jahr ohne Regen irgendwo eine größere Anzahl von Schnecken gesehen? Der Salat ist im Frühjahr ganz andere Tode gestorben. Und jetzt im Sommer: Die Schnecke ist es nicht, die das Leben und Werden des Gemüses bedroht.
Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet heute über Immobilienspekulationen der KV Westfalen-Lippe. Aber auch andere KVen und Krankenassen sollen auf diese Weise Versichertengelder verloren haben. Der Artikel ist vom 06.08.2026, die Papierausgabe und das E-Paper bringen ihn am 07.08.2026:
https://www.ksta.de/wirtschaft/immobiliendeals-kv-westfalen-lippe-soll-millionen-mit-riskanten-investments-verloren-haben-1342025
Das Deutsche Ärzteblatt bringt es auf den Punkt. Wenngleich wahrscheinlich unbewusst: „Mit Carsten Linnemann zieht Ende Juli ein neuer Minister in das Bundesgesundheitsministerium ein“, beginnt Rebecca Beerheide ihren Artikel in der Ausgabe 16/2026.
https://www.aerzteblatt.de/archiv/neuer-gesundheitsminister-start-auf-der-dauerbaustelle-gesundheitswesen-3be7691c-7ac2-4ebd-a056-3579c31020c7
Freudsche Fehlleistung oder Lapsus mentis? Was sich beim Einstieg in einen Artikel zum Wechsel zwischen Warken und Linnemann liest, als hätte da jemand nicht sauber nachgedacht, ist in Wirklichkeit vielleicht ein Vorschlag? Denn in dem – tatsächlich lesenswerten – Artikel wird eines klar: Da wartet viel Arbeit. Und wenn Carsten Linnemann zusammen mit dem neuen Minister ins Bundesgesundheitsministerium einzöge, dann könnten da ja zwei Menschen diese Arbeit tun.
Beerheide listet auf, was alles getan werden muss. Sie kümmert sich sozusagen textlich um den Abschied von Warken und um die künftige Arbeit von Linnemann. Als Leser haben Sie also schnell alles auf einen Blick. Auch das positive Engagement, das Warken in die Frauengesundheit gelegt hat. Ich selbst hätte da ja eher an die kostenlose Mitversicherung gedacht, die es für nicht arbeitende Frauen ab 2028 nicht mehr gibt, wenn sie nicht Kinder unter 12 Jahren oder Angehörige ab Pflegegrad 2 betreuen. Das Gleiche gilt natürlich auch für Männer, die mitversichert sind. Aber bestimmt ist es ein entscheidender Fortschritt für die Frauengesundheit, wenn die nicht arbeitende und nicht betreuende Frau sich aus dieser gesundheitsbelastenden Lage befreit und wieder arbeiten geht. Realiter dann wohl auch, um die Zusatzkosten für die Mitversicherung, die nun vom Gehalt ihres Ehepartners abgehen würden, zu vermeiden. (Wobei: Wer hat gesagt, dass da zuhause keinerlei Arbeit erledigt werden müsste).
Also ja: Wir geben Frau Beerheide recht. Frau Warken hat sich markant für die Frauengesundheit eingesetzt. Und sie weist in Beerheides Artikel darauf hin, dass sie mit „Carsten“ – also dem Mann, der mit dem neuen Minister zusammen ins Ministerium einzieht – schon gesprochen habe, dass er dieses Thema weiter voranbringe. Hier schwächelt die Autorin textlich tatsächlich noch einmal. Dem Leser ist nicht ganz klar, wann und wo Warken das gesagt hat. Vermutlich in ihrer Abschiedsrede, dort hatte Beerheide mit dem Zitieren begonnen. Danach wird’s textlich nochmal haarig. Wir sind inhaltlich dabei, dass „Carsten“ (und sein Doppel-Ich) das Thema Frauengesundheit voranbringen wird. Beerheide schreibt: „Ein Zeichen, das besonders unter den vielen Frauenverbänden im Gesundheitswesen sicher positiv wahrgenommen wird.“ Jetzt bleibt dem Leser nur das Stutzen. Wer sagt diesen Satz? Grammatikalisch Beerheide selbst. Journalistisch ist eine solche Bemerkung eher Sache eines Kommentares. Realistisch ist es sogar nicht wirklich wahrscheinlich. Oder sehen Sie die vielen Frauenverbände im Gesundheitswesen jubeln, weil sich endlich ein Mann ihrer Themen annimmt?
Also – das Fazit liegt auf der Hand. Es wäre bestimmt gut, wenn zwei Menschen Warkens Aufgaben übernähmen. Denn es sind viele Aufgaben. Bestimmt wäre es auch gut, wenn der zweite Mensch eine Frau wäre. Aber leider ist das alles Fantasie. Ausgehend von einer sprachlichen Unsauberkeit.
Ganz bestimmt ist es aber trotzdem gut, wenn Sie den Artikel im Deutschen Ärzteblatt lesen. Er bietet Hintergrundinformationen, die Sie vielleicht so gar nicht auf dem Schirm hatten, bündelt Warkens Taten während dieser kurzen Etappe, die ja nicht viel mehr als ein Jahr dauerte. Verweist auf den Berg, der nun Linnemann zu Füßen liegt – und auch darauf, dass Linnemann selbst sich das Gesundheitsministerium vor einer ganzen Weile eben nicht zugetraut hätte. Dazu gibt’s Kästen und Listen, die Infos bündeln. Sie haben also die Lage zum Wechsel noch einmal auf einen Blick. Das ist gut so. Auch für die vielen Frauenverbände im Gesundheitswesen.
Diesen Ticker fülle ich mit Nachrichten über Krankenhäuser seit April 2024. Nicht oft sind es gute Nachrichten. Jetzt, im Juli 2026, warnt die Deutsche Krankenkhausgesellschaft vor einem Krankenhaussterben. "Ein Drittel der Krankenhäuser der Kliniken droht zu verschwinden", zitiert die "Weltt" in ihrer überschrift am 14.07.2026. Dieser Ticker wird wohl auch in Zukunft eher die schlechten Nachrichten sammeln.
05.082026:
Das Evangelische Krankenhaus Köln Kalk stellt zum 1. August seine Geburtshilfe ein. Die Infos dazu auf der Webseite des Krankenhauses, ohne Datum:
https://www.evkk.de/clinic/geburtshilfe/
Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet am 05.08.2026 auf Papier und im E-Paper.
In Kempen ist die Geburtsstation seit Anfang Juli geschlossen. Wie es weitergeht, darüber berichtet die Rheinische Post am 02.08.2026 hinter Bezahlschranke:
https://rp-online.de/nrw/staedte/kempen/nach-wegfall-der-geburtshilfe-im-hospital-kempener-jugendamt-plant-fruehe-hilfen-um_aid-152466381
04.08.2026:
Das Krankenhaus in Brake wird im Herbst geschlossen. Die HNA berichet am 04.08.2026:
https://www.hna.de/niedersachsen/fuer-immer-krankenhaus-in-niedersachsen-schliesst-nach-146-jahren-94420672.html
Das Ketteler-Krankenhaus in Offenbach wird nach abgeschlossener Insolvenz vom Roten Kreuz weiterbetrieben. Die FAZ berichtet am 03.08.2026 hinter Bezahlschranke:
https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region-und-hessen/ketteler-krankenhaus-in-offenbach-insolvenzverfahren-offiziell-beendet-accg-201090196.html
In Borwede im Landkreis Diepholz wird ein neues Krankenhaus gebaut - und aufgrund der derzeitigen und vergangenen Sommerhitze fragt die Kreiszeitung nach der Klimatisierung. Das Zauberwort heißt: Verdunstungskühlung. Der Artikel ist vom 04.08.2026:
https://www.kreiszeitung.de/lokales/diepholz/diepholz-ort28581/patientenzimmer-im-neuen-krankenhaus-werden-klimatisiert-94427108.html
Die Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) – nachrichtlich umgibt sie eine Wolke aus Hoffnung und Skepsis. Sie könnten eine Lösung sein für Strukturen, in denen es an Ärzten mangelt. Sie können dem Bedürfnis angehender Ärzte nach geregelter Arbeitszeit und möglichst wenig Bürokratie gerecht werden. Dann wieder gab es eine Phase der Skepsis: MVZ-Gründungen, in denen das Gewinn-Interesse ganz vorne stand, sorgten für eine schlechte Presse. Und jetzt: Nachrichten von Insolvenzen machen die Runde. Und gleichzeitig gelten die MVZ in vielen Regionen als Lösungsmöglichkeit für Strukturen, in denen es an Ärzten mangelt.
05.08.2026:
In Kaan, Kreis Siegen-Wittgenstein, schließt Ende September das MVZ. Die Kaaner protestieren. Bericht im WDR, 29.07.2026:
https://www1.wdr.de/nrw/sauerland-siegerland/kreis-siegen-wittgenstein/schliessung-mvz-kaan-marienborn-100.html
Die Unterschriftenliste auf openpetition.de:
https://www.openpetition.de/petition/online/erhalt-des-mvz-74-in-kaan-marienborn-sichern-schliessung-der-hausarztpraxis-stoppen
In Bad Windsheim wird die Errichtung eines MVZ diskutiert. Doch es fehlt das Geld. Hinter Bezahlschranke berichtet die Fränkische Landeszeitung am 05.08.2026:
https://wta.flz.de/mvz-in-bad-windsheim-trotz-einer-hohen-notwendigkeit-bleibt-das-projekt-ungewiss/cnt-id-ps-61b76a5f-76f6-42f5-b853-e8aa2033c975
In Brake bewerben sich zwei Kliniken um den Betrieb eines MVZ. Die Infos liegen bei der NWZ am 03.08.2026 hinter Bezahlschranke:
https://www.nwzonline.de/wesermarsch/ein-mvz-zwei-bewerber-wer-macht-das-rennen-in-brake_a_4,3,1356640265.html
Über die Arbeit und den Alltag im MVZ Osthessen am Klinikum Fulda berichten die Osthessen-News am 25.07.2026:
https://osthessen-news.de/n11797129/mvz-osthessen-oft-der-lueckenbuesser-und-dafuer-unberechtigt-in-der-kritik.html
1500 Tote werden in der Demokratischen Republik Kongo gezählt seit Ausbruch des Ebola-Virus. Die Nachrichten sprechen von einem sich sehr schnell verbreitenden Virus. Die Suche nach einem Impfstoff ist bislang offenbar vor allem eines: eine Suche. Hier eine kleine Sammlung von Nachrichten. Ich habe bei der Auswahl vor allem darauf geachtet, dass sie unterschiedliche Schwerpunkte in der Berichterstattung gesetzt haben.
Die aktuelle Lage in der Tagesschau, 30.07.2026:
https://www.tagesschau.de/ausland/afrika/kongo-ebola-ausbruch-100.html
Der Tagesspiegel hat am 30.07.2026 das Tagebuch eines Arztes veröffentlicht, der sechs Wochen im Kongo war:
https://www.tagesspiegel.de/gesundheit/tagebuch-aus-dem-ebola-einsatz-dieser-arzt-kampfte-gegen-eine-der-todlichsten-seuchen-der-welt-15867172.html
Über die Suche nach dem besten Impfstoff, einen geeigneten Kandidaten und über eine Förderung in Höhe von 8,5 Millionen Euro berichtet die tz am 31.07.2026:
https://www.tz.de/wissen/rennen-um-impfstoff-gegen-neue-ebola-variante-erhaelt-finanzspritze-von-millionen-dollar-zr-94422844.html
t-online bringt Zahlenvergleiche, die die schnelle Verbreitung dieses Ebola-Virusses belegen. 29.07.2026:
https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_101366304/ebola-ausser-kontrolle-zahl-der-faelle-steigt-rasant.html
Die Kölner Medizin-Bibliothek ist Bibliothek des Jahres 2026. Den Preis – 20 000 Euro – verleiht der Deutsche Bibliotheksverband. Die ZB MED, deren Ursprünge bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreichen, hatte als klassische Bibliothek begonnen, laut Wikipedia beherbergt sie 1,7 Millionen Bücher und Zeitschriftenbände – und sie sammelt heute Forschungsdaten aus Medizin und den sogenannten Lebenswissenschaften.
Die Nachricht über den Preis finden Sie am 30.07.2026 im Kölner Stadt-Anzeiger:
https://www.ksta.de/koeln/bibliothek-des-jahres-2026-zb-med-koeln-ausgezeichnet-1336573
Infos über die ZB MED bei Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/ZB_MED_%E2%80%93_Informationszentrum_Lebenswissenschaften
Webseite:
https://www.zbmed.de/
Die „Lebenswissenschaften“ firmieren bei Wikipedia unter dem Begriff „Biowissenschaften“. Der Begriff umfasst Medizin, Biomedizin, Pharmazie, Biochemie, Chemie, Molekularbiologie, Biophysik, Bioinformatik, Humanbiologie, aber auch Agrartechnologie, Ernährungswissenschaften und Lebensmittelforschung usw. Der Begriff „Lebenswissenschaften“ kommt eher aus der Industrie und dem Marketing, englisch Life Science, – und wird daher im Deutschen oft durch den Begriff „Biowissenschaften“ ersetzt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Biowissenschaften
Hier ein kurzer historischer Abriss der Geschichte des ZB MED:
Nicht allen macht die Hitze zu schaffen. Bakterien zum Beispiel. Sie vermehren sich explosiv. So auch die Vibrionen in Salz- und Brackgewässern. Ab 20 Grad Celsius Wassertemperatur tummeln sie sich immer zahlreicher. In Deutschland sind in diesem Jahr, so berichtet das RKI, schon zwei Menschen an einer Vibrionen-Infektion gestorben. Das ist eine ungewöhnlich hohe Zahl – und auch die Zahl der Infektionen liegt höher als gewöhnlich. Die gute Nachricht: Ist die Ursache erkannt und bekannt, lässt sich so eine Infektion gut heilen.
Ausgehend vom RKI-Bericht haben sich natürlich viele Medien des Themas angenommen. Hier eine kleine Zusammenstellung:
Die Nachricht am 29.07.2026 in der Tagesschau:
https://www.tagesschau.de/wissen/gesundheit/tote-nach-vibrionen-infektion-100.html
Die Bild nutzt am 28.07.2026 bildlich die ganze Bandbreite, die das Thema ermöglicht. Das Titelfoto: ein Meer von Sonnenschirmen und ein Heer von Badegästen am Strand von Binz auf Rügen. Wenig später: eine Elektronenmikroskopaufnahme von Vibrio mimicus. Verwandt mit dem Cholera-Erreger. Dieser Hinweis steht direkt unter dem Bild, das die Bezeichnung haarig mindestens auf einer Ebene verdient. Genauso ist unser Bild von der Bild. Aber ja, wir wollen das Grauen im Bild ja auch auf dem Bildschirm sehen. Und die Infos in der Bild sind allesamt sachlich und sinnvoll. Also genau die Infos, die man braucht, wenn man gerade zum Beispiel in einem Ostseebad Urlaub macht. Und ein Bonbon gibt’s noch dazu: den Link zum Vibrionen-Viewer des European Centre for Disease Prevention and Control.
https://www.bild.de/news/inland/vibrionen-in-der-ostsee-drei-berliner-infiziert-einer-tot-6a68d3341ff9bc89d881209f
hier die Abkürzung zur Vibrio-Karte:
https://vibrio-viewer.ecdc.europa.eu/
Aber auch der „Spiegel“ badet gerne in flachen Gewässern. Es sind nur zwei Paar Füße, die auf dem Foto durch flaches, also ganz flaches, Ostseegewässer laufen. Aber aus der Überschrift wissen wir schon vom Vibrionen-Toten, und aus der Unterzeile die Gründe, die der „Spiegel“ nach vorne setzt: „Fleischzersetzende Bakterien breiten sich durch den Klimawandel und Überdüngung stärker aus. Jetzt meldet Berlin den ersten registrierten Todesfall.“ Der Bericht ist nach diesem Suggestiv-Spiel mit dem Grauen aber durchaus sachlich. 28.07.2026:
https://www.spiegel.de/panorama/justiz/ostsee-mensch-stirbt-an-vibrionen-infektion-a-22ec277b-89f9-4a95-b248-bf023b44f451
ntv arbeitet am 29.07.2026 ebenfalls mit einem Vibrionen-Foto vom Elektronenmikroskop. Das Vibrio vulnificus macht aber einen wesentlich samtigeren Eindruck, als das Foto der Vibrionen in der Bild. Der Text verweist auf weitere Artikel zum Thema – und gibt Tipps zum richtigen Verhalten. 29.07.2026:
https://www.n-tv.de/wissen/Zweiter-Mensch-stirbt-nach-Vibrionen-Infektion-id31135590.html
Die Pharmazeutische Zeitung redet von Einflussnahme, das RND (Redaktionsnetzwerk Deutschland) nimmt die Bezeichnung „Lex Fischer“ gleich in die Überschrift. Es geht – mal wieder – ums Kiffen. Unausgesprochen. Ausgesprochen geht es darum, dass in Apotheken keine Blüten des Cannabis verkauft werden. Jetzt muss nämlich, weil der Gesetzentwurf vor der Abstimmung schnell noch mal geändert worden war, Cannabis als zugelassenes Fertigarzneimittel verabreicht werden, das einen sechsmonatigen Therapieversuch vorweisen kann. Und ja, das können die wenigsten. Vertanical kann das. Ihr Gründer und Gesellschafter: Clemens Fischer.
Die Nachricht finden Sie in der Pharmazeutischen Zeitung – allerdings ohne den Vorwurf einer „Lex Fischer“ und ohne Namensnennungen von Pharmafirmen. Der Vorwurf der Einflussnahme ist jedoch gleich in der Überschrift ausgesprochen, 27.07.2026.
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/vorwurf-der-einflussnahme-bei-cannabis-regelung-167049/
Der Text vom RND geht in der Berichterstattung weiter, fragt danach, ob eben eine „Lex Fischer“ geschaffen worden sei. Sucht danach, wer außer dem Biopharmaunternehmen noch von dem Gesetz profitiert und fragt, ob das Sparpotenzial überhaupt gegeben ist. Auch der Hanfverband kommt zu Wort. Und klar: Der vermutet, dass Fischers Parteispenden auch eine Rolle gespielt haben. Dieser Artikel lotet also die Grenzen (und ihre Überschreitungen) deutlich gründlicher aus, liegt allerdings hinter Bezahlschranke, 26.07.2026:
https://www.rnd.de/politik/lex-fischer-foerdert-die-koalition-gezielt-einen-bestimmten-pharmahersteller-KHSXLAET5RC35OCQVHJ5RXBN5I.html
Wer den Kölner Stadt-Anzeiger im Abo hat, kann den RND-Artikel von Tim Szent-Ivanyi auch heute, 27.07.2026, auf der Seite 6 finden, sowohl auf Papier als auch im E-Paper.
https://epages.ksta.de/epaper/KS-20260727-20260727.2-kc?page=6
Einfacher geht’s im Pressreader über die Sächsische Zeitung, 27.07.2026:
https://www.pressreader.com/foryou?popupArticleId=281565182548670
Nein, ganz so weit ist es noch nicht.
Leicht kann man bei diesem Artikel in „Apotheke adhoc“ überlesen, dass es sich um den satirischen Wochenrückblick handelt. Und selbst, wenn Sie das auf Anhieb wahrgenommen haben: Die Grenze zwischen wirklichem Leben (und wirklichem Unsinn) und satirischer Überhöhung ist hier fließend. Sollte Sie aber am Ende dieses Artikels Ihre Beine gedanklich in der Apotheke in einen Eimer mit Eiswasser eintauchen, dann haben Sie definitiv den Einstieg verpasst, an dem der Autor mit Ihnen in Schilda einen Kurzbesuch macht. Also: Viel Vergnügen beim Lesen – und hoffentlich bleiben Ihnen die kalten Füße erspart. Der Artikel über die Kompressionsstrümpfe (oder Sparstrümpfe?) und ihre Ausmessung in Apotheken ist vom 25.07.2026:
https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/apothekenpraxis/100-prozent-serie-neue-vorgaben-fuer-kompressionsstruempfe/#
Bestimmt hat es sich der eine oder andere schon gedacht. Die Regierung spielt „Reise nach Jerusalem“ – und Nina Warken wird dabei auf dem Stuhl im Kanzleramt Platz nehmen. Man könnte als Bild fürs Stühlerücken vielleicht auch die Rochade aus dem Schachspiel bemühen – doch dürften dann König und Turm sich noch nicht bewegt haben. Und nein, Nina Warken gebührt im Schachspiel ganz eindeutig die Position der Dame. Wer der König im Spiel ist, muss ich Ihnen nicht verraten. Natürlich der Kanzler Friedrich Merz. Springer ist Carsten Linnemann, er soll ins Gesundheitsministerium nachrücken. Die eigenartigen Sprünge, die ihm im Spiel erlaubt sind, werden ihm die Bewegungsfreiheit geben, die ein Mann braucht, der sich als politisches Credo „einfach mal machen“ auf die Fahnen – und uns ins Facebook – geschrieben hat.
Genug der Spielerei – hier erst einmal eine Liste der jüngsten Nachrichten zum Thema:
Hier zuerst der Link zum Macher Linnemann auf Facebook:
https://www.facebook.com/CDU/posts/%EF%B8%8F-einfach-mal-machen-das-ist-das-motto-von-cdu-vize-carsten-linnemann-und-so-hei/10159263163185415/
Nachrichten und Archivbilder:
Die Tagesschau, 24.07.2026:
https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/warken-portraet-gesundheitsministerin-100.html
23.07.2026:
https://www.tagesschau.de/inland/linnemann-portraet-gesundheitsministerium-100.html
Maria Siemer hat offensichtlich einen unerschütterlichen Humor. Auf jeden Fall lächelt die Ärztin aus Haselünne für den Fotografen der Neuen Osnabrücker Zeitung in die Kamera. Der Anlass: Eine KI hatte sie für tot erklärt. Der Grund ist simpel: eine Namensgleichheit.
Der Artikel in der NOZ liegt hinter Bezahlschranke, die Nachricht selbst ist kurz vorab lesbar. 21.07.2026:
https://www.noz.de/lokales/haseluenne/artikel/google-ki-erklaert-aerztin-aus-haseluenne-faelschlicherweise-fuer-tot-50945546
Wenn Sie den Namen Paul Liebe schon einmal gehört haben im Zusammenhang mit der Herstellung von Schokolade, dann müssen Sie aus der Branche kommen oder Historiker sein. Denn Paul Liebe war seiner Zeit zwar weit voraus, aber er ist seit mehr als 100 Jahren tot. Und niemand mehr verbindet mit ihm die „Leguminosen-Schokolade“.
Paul Liebe war Apotheker, Chemiker und Fabrikant zugleich. Erfolgreich war er auch. Vor allem mit Malzprodukten, zeitweise aber eben auch in Schokolade In seiner Schokoladenrezeptur wird der auch damals sehr teure Kakao zum großen Teil durch gemahlene Hülsenfrüchte ersetzt. Kein Vergleich mit dem billigen Schokoladenersatz, den sie heute auf so manchem Keks und um so manche Erdnuss gehüllt finden können. Denn klar: Liebes Ersatz war aufgrund gemahlener Erbsen und Bohnen proteinreich, ballaststoffreich und gesund. Und genau so hat Liebe seine Schokolade verkauft. Marketingtechnisch fuhr er doppelgleisig. Denn er verkaufte seine Schokolade zu Beginn der 1880er Jahre immer als „Liebe’s Leguminosen-Schokolade“. Ein Schelm, wer jetzt denkt, die gemahlenen Hülsenfrüchte böten Unterstützung in Liebesdingen.
Nein – Liebe empfiehlt seine Schokolade zum Beispiel in der Dortmunder Zeitung am 06.08.1881 für „schwache Mädchen, stillende Frauen, bei Schwäche, Blutarmut, Rekonvaleszenz, Diphtherie und Strophulose“. Am 21.12.1882 hingegen inseriert er in der Gladbacher Zeitung seine Schokolade als nahrhafte Frühkost für Gesunde. Wenn es bei Ihnen jetzt im Ohr klingelt: Das Christkind war ja nur noch drei Tage entfernt. Aber bis 1883 blieb es bei dieser Anzeige. Von schwachen Mädchen, die dieser Schokolade bedürften, war nicht mehr die Rede.
Während Liebes Malzprodukte offenbar bis in die 20er-Jahre erfolgreich verkauft wurden, endet die Geschichte der Leguminosen-Schokolade, so lassen es die ausbleibenden Anzeigen vermuten, noch in den 1880er-Jahren. Das Dilemma: Die Herstellung von Schokolade wurde günstiger und 1879 war das erste reichsweit einheitliche Lebensmittelgesetz erlassen worden, das die Täuschung oder Fälschung von Lebensmitteln unter Strafe stellte. Paragraph 10:
„Mit Gefängniß bis zu sechs Monaten und mit Geldstrafe bis zu eintausendfünfhundert Mark oder mit einer dieser Strafen wird bestraft:
1. wer zum Zwecke der Täuschung im Handel und Verkehr Nahrungs- oder Genußmittel nachmacht oder verfälscht;
„Diese Hitze bringt mich um!“ – Wahrscheinlich spreche ich mit diesem Satz vielen aus der Seele. Vielleicht könnte dieser Satz mittlerweile aber unpassender nicht sein: Deutschland zählt seine Hitzetoten mit Bedacht und Sorgfalt. Doch Zahlenangaben sind schwierig, denn die Hitze ist ja oftmals nicht die einzige Ursache für den Tod. Aber der Auslöser. Die Zahl der Toten ist zudem je nach Erhebungszeitraum, Ort und Instituton verschieden. Auch deswegen will ich hier keine Gesamtzahl nennen. Eindringlich aber ist das Beispiel Leverkusen: Dort starben am letzten Juniwochenende (Freitag bis Montag) 12 Patienten, die Staatsanwaltschaft hat ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. In der Presse stand diese Zahl eine ganze Weile im Mittelpunkt. Die Klinik aber verweist darauf, dass sie gar nicht überdurchschnittlich hoch ist. Denn das Krankenhaus behandelt vor allem hochbetagte Menschen mit vielen Vorerkrankungen. (Links dazu in der folgenden Liste)
Die Herausforderung war in vielen Krankenhäusern gewiss oft auch eine Überforderung. Nun folgen nicht nur laute Forderungen, sondern auch reale Hitzepläne und Umstrukturierungen in Krankenhäusern. Das Bundesgesundheitsministerium hat als Empfehlung einen siebenseitigen „Musterhitzeschutzplan“ als PDF online gestellt. Gedacht ist er als Empfehlung.
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/H/Hitzeschutzplan/Musterhitzeschutzplan_Krankenhaeuser_BF.pdf
Auffällig: Gleich am Montag nach dem Hitzewochenende, am 29.06.2026, hat Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) klargestellt, dass Hitzeschutz in Krankenhäusern Sache der Länder und Kommunen ist. Er beruft sich dabei auf 100 Milliarden Euro, die im vergangenen Jahr für Infrastrukturinvestitionen bereitgestellt worden sind. Der MDR berichtet hier:
https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/panorama/kliniken-carsten-schneider-hitzeschutz-gerald-gass-,hitze-krankenhaus-102.html
Hier eine Sammlung von Nachrichten über die Reaktionen und Ereignisse in den Krankenhäusern um Zusammenhang mit der Hitzewelle. Die Artikel sind nur chronologisch sortiert, Artikel mit Bezahlschranke sind selten – und vollständig kann die Liste kaum sein. Die Auswahl ist bis zu einem gewissen Grad also zufällig bzw. beruht auf Google-Algorithmen.
14.07.2026:
Das Traunsteiner Tageblatt berichtet über den Hitzeschutz des dortigen Krankenhauses, das vergleichsweise gut aufgestellt ist. Der Artikel liegt hinter Bezahlschranke, die Größenordnung und die Zahlen sind aber frei lesbar im Vorspann:
https://www.traunsteiner-tagblatt.de/region/landkreis-traunstein/traunstein_artikel,-hitzeschutz-im-krankenhaus-traunstein-ist-gut-vorbereitet-_arid,1006444.html
Veraltete Software und alte Hardware sind wahrscheinlich immer ein Problem. Vor allem, wenn dort Daten von Kunden bzw. Patienten verwaltet werden. Der Bundesverband der Krankenhaus IT-Leiter und -Leiterinnen hat sich die möglichen Probleme darstellen lassen. heise,de berichtet vom Vortrag. 13.07.2026:
https://www.heise.de/news/Krankenhaus-IT-Wenn-laeuft-doch-noch-nicht-reicht-11362176.html
Auf EHealthCom – einem Fachmagazin für Gesundheitstelematik nimmt der Bundesverband der Krankenhaus-IT Stellung zu den Planungen zur Cybersicherheit im Gesundheitswesen. Der Text ist vom 02.07.2026:
https://e-health-com.de/details-news/stellungnahme-des-kh-it-bundesverbandes-zum-geplanten-sofortprogramm-cybersicherheit-im-gesundheits/
Dass bei Doctolib terminlich nicht alles so unkompliziert ist, wie die Software scheint, ist Ihnen gewiss schon aufgefallen. Der Verbraucherzentrale auch. Die warnt nämlich vor der Kostenfalle. Als Patient geben Sie an, dass Sie einen Termin für gesetzlich Versicherte suchen – und dann sind dort doch die Termine für die Privatpatienten freigegeben. Das kann böse enden. Nämlich mit unvorhergesehenen Kosten.
Aber das Dilemma ist eigentlich noch größer: Sie suchen einen Facharzttermin, wählen die richtigen Kästchen aus und bekommen eine Auswahl an Terminen serviert. Leider eben auch die Termine, die zu Kosten führen. Dabei hatten Sie diese doch extra negiert. Das passiert Ihnen ein oder zwei Mal – und irgendwann wird Ihnen klar: So kommen Sie nie an einen Termin für gesetzlich Versicherte.
Wenn Sie Glück – oder Pech, das ist eine Frage der Bewertung im Nachhinein – haben, sagt Ihnen jemand, dass Sie für die Abfrage von Facharztterminen bei Doctolib früh aufstehen müssen. Und dann vor dem Bildschirm sitzen müssen, wenn etwa zeitgleich die MTAs der Fachärzte die abgesagten Termine wieder online schicken. Guter Plan, nur: Sie landen mit ziemlicher Sicherheit wieder in den Armen derer, die da ihre Leistung mit Ihrem Geld honoriert haben wollen. Eben deswegen, weil die Wege der Software Doctolib ähnlich voraussehbar sind wie die Wege des Herrn. Das Dilemma: Bis Sie aus dieser Falle wieder raus sind – selbst wenn Sie das absolut schnell durchschaut haben, weil Sie es kennen –, könnte genau Ihr Facharzttermin, der gerade eben möglicherweise für Sie frei geworden ist, schon an einen anderen Patienten vergeben worden sein. An jemanden, der vielleicht noch früher aufgestanden ist. Oder der gezielter fragen konnte. Weil er vielleicht auch nur bei diesem einen Arzt nachgeguckt hat.
Egal in welchem Dilemma Sie feststecken: Wer einen Facharzttermin über Doctolib buchen will, kommt besser klar, wenn er in früher Jugend ausgiebig Monopoly gespielt hat.
Links zu Nachrichten zum Thema:
Der Text der Verbraucherzentrale ist vom 06.07.2026:
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesundheit-pflege/aerztinnen-und-kliniken/doctolib-zeigt-kassenpatientinnen-trotz-filter-kostenpflichtige-termine-123863
Chip.de berichtet schon am 07.07.2026 umfassend:
https://www.chip.de/news/gesundheit-fitness/verbraucherschuetzer-kritisieren-doctolib-scheint-nicht-nur-terminportal-sondern-auch-verkaufsplattform-zu-sein_10c1d626-8bd5-4ad1-8a09-a42b66393d13.html
heise.de hat die Infos der Verbraucherzentrale – und die Implikationen – schon am 02.07.2026 online gestellt:
https://www.heise.de/news/Terminportal-im-Visier-Wie-Doctolib-gesetzlich-Versicherte-in-die-Irre-fuehrt-11352152.html
Die Ärzte-Zeitung fragt nach der kassenärztlichen Verantwortung – Näheres erfahren Sie, wenn Sie sich kostenlos einloggen.
https://www.aerztezeitung.de/Wirtschaft/vzbv-contra-Doctolib-Verbraucherzentrale-dokumentiert-Verwerfungen-digitaler-Terminvergabe-463607.html
Telemedizin im Toilettenhäuschen. Was sich anhört, als käme der Witz gleich erst noch, ist geplant für den Notfall. Denken Sie sich eine beliebige Katastrophe. Die Medien setzen an dieser Stelle gerne die Erinnerung ans Hochwasser im Ahrtal und anderswo ein. Die Arztpraxen sind, davon ist auszugehen, nicht mehr vorhanden oder funktionsuntüchtig. Kabinen aber in der Größenordnung von Toilettenhäuschen lassen sich per Lkw in Katastrophengebiete transportieren – und warten dort auf ihren Einsatz telemedizinscher Art. In den Pressetexten ist weiterhin zu lesen, dass man da unter ärztlicher Anleitung Fieber messen kann. Wir sind also schnell wieder in der Abteilung: Soll das jetzt ein Witz sein? Aber nein, es gibt einen Bildschirm – und es gibt weitere medizinische Geräte, wie zum Beispiel das Stethoskop.
Ach so: ein ganz wichtiges Thema ist die Hygiene. Hochautomatisiert lösen das die Kabinen angeblich selbst. Das Schlüsselwort heißt UV-Desinfektion. Aber was ist mit der Schlammschlacht oder der Diphtherie? Von Zerstörungswut brauchen wir an dieser Stelle wahrscheinlich wirklich nicht zu reden. In der Not richtet sich die Wut hoffentlich woanders hin.
Noch ein Schmunzelfaktor. Die Testtoilettenhäuschen, und damit spielt der eine oder andere Journalist, sind echt. Das Wort Recycling fällt auch. Gemeint ist aber: Die Studenten haben sich für die Einrichtung dieser Boxen im Handel tatsächlich ganz neue Toilettenhäuschen besorgt.
Lesen Sie selber, stoppen Sie das Bilderkino im Kopf – und vielleicht beten Sie für uns und den lieben Nachbarn auch, dass er und wir von Katastrophen verschont bleiben mögen.
Der WDR war zu Gast auf dem Katastrophengelände, das sich die RWTH zusammengebaut hat. Dort können sie unter quasi fiktiv realen Bedingungen das rote Häuschen stehen sehen, 07.07.2026:
https://www1.wdr.de/nrw/aachen-eifel/staedteregion-aachen/rwth-aachen-toilette-kabine-katastrophe-medizin-arzt-100.html
Die Ärzte-Zeitung berichtet am 08.07.2026, Sie müssen sich nur vor dem Lesen kostenlos einloggen:
https://www.aerztezeitung.de/Wirtschaft/Versorgung-im-Katastrophenfall-Wenn-das-Klohaeuschen-zur-Arztpraxis-wird-463680.html
Unfassbar. So sagt die Richterin über einen Arzt, der als Serienmörder in die Geschichte eingehen wird. Zuerst einmal aber wird er eine lebenslange Haftstrafe absitzen, die besondere Schwere der Schuld ist ihm von der Richterin bescheinigt – und die Sicherheitsverwahrung angeordnet. Sylvia Busch urteilte in der Überzeugung, der Mann habe nicht getötet aus dem Versuch heraus zu helfen. Nicht Mitleid und nicht falsch verstandene Sterbehilfe seien seine Motive für die 15 Morde, derentwegen er angeklagt war. Dass es möglicherweise mehr Morde waren, wird in den verschiedensten Nachrichtenorganen vermutet.
Unfassbar.
Zurück bleibt die Frage: Warum. Hier ein paar Links zu den Nachrichten.
- Die Tagesschau am 08.07.2026:
https://www.tagesschau.de/inland/regional/berlin/palliativarzt-mordserie-urteil-berlin-100.html - Der Spiegel, 08.07.2026:
https://www.spiegel.de/panorama/justiz/berlin-palliativarzt-wegen-15-fachen-mordes-zu-lebenslanger-haft-verurteilt-a-a83463be-e4b1-4306-af87-91f2e132422f - Die ZEIT, 08.07.2026:
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2026-07/palliativarzt-berlin-mord-prozess-urteil - Die Bild am 08.07.2026:
https://www.bild.de/regional/berlin/lebenslange-haft-fuer-palliativarzt-johannes-m-6a4e26ad0f71e0f715c3955b - Der Fernsehbeitrag des rbb auf Youtube:
https://www.youtube.com/watch?v=fOos-Q2cWrQ
Journalistisch betrachtet haben Verbrechen, besonders Morde, gerade Hochkonjunktur. True Crime lauten die Serientitel, die auf ihre Non-Fiktionalität hinweisen wollen. Aber eben zugleich auch ein Bild von den „wahren Verbrechen“ prägen.
Mord wird fast am laufenden Band gepodcastet und geyoutubt. Zeitungen graben alte Verbrechen aus und profitieren gerne vom Trend. Eigentlich ist es ein Jahrmarkt des Grauens, der da entsteht. Und ja: Das Grauen ist unter uns. Daher das Interesse am Unfassbaren.
Dass es auch Ärzte sind, die morden, ist ganz gewiss erschreckend – aber nicht wirklich verblüffend, wenn man zurückblickt.
Hier nur ein paar ausgewählte Beispiele:
- Pinneberg, 2025: Völlig unklar und auch noch nicht abgeschlossen sind die Untersuchungen gegen einen Arzt in Pinneberg, der als Palliativmediziner bis zu 20 Senioren getötet haben soll. Angezeigt hat ihn seine Frau. An Fakten gibt die Polizei wenig Hintergründe preis. Der NDR berichtete am 30.10.2025 über den Fall:
https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/pinneberg_segeberg_stormarn/ermittlungen-arzt-im-kreis-pinneberg-darf-vorerst-nicht-praktizieren,regionnorderstedtnews-1116.html
Die Borkener Zeitung veröffentlichte am 21.08.2025 den dpa-Bericht:
https://www.borkenerzeitung.de/welt/in-ausland/panorama/Tod-aelterer-Patienten-Ermittlungen-gegen-Arzt-nahe-Hamburg-661645.html - Essen, 2020: Nicht wegen Mordes, sondern wegen Totschlags wurde 2021 und 2022 ein Arzt aus Essen zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Er hatte im Jahr 2020 drei schwerkranken Coronapatienten, ohne dass sie sich selbst noch hätten äußern können, aktiv getötet. Der WDR hat am 12.06.2026 einen Beitrag über diesen Fall gedreht und das Geschehen zusammengefasst:
https://www.ardmediathek.de/video/lokalzeit-mordorte/arzt-vor-gericht/wdr/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtNTMwMmIzYWQtZTZiNS00ZWFiLWE0MzMtMTg3NjVkOWMyYjFl - Berlin, 1990er: In den 90er-Jahren in Berlin machte Stefan S. von sich reden als Prostituiertenmörder. Der Hautarzt wurde 1997 zu lebenslanger Haft verurteilt wegen eines Mordes und dreier Mordversuche. Die Berliner Zeitung erinnert nach 25 Jahren an Täter und Taten:
https://www.berliner-zeitung.de/article/wie-aus-einem-hautarzt-mit-potenzproblemen-ein-moerder-wurde-257834
Der rbb hat einen Podcast/Video über Stefan S. erstellt:
https://www.youtube.com/watch?v=fv5DUBN3MJQ - Odenwald, 1980er / 2008: Ganz anders gelagert ist die Geschichte von „Dr. Mord“ im Odenwald. Der hatte in den 80er-Jahren einen Versicherungsschaden fingieren wollen – und dabei auch seinen Vermieter getötet. Nach langer Haftzeit hat er darauf geklagt, wieder als Arzt tätig werden zu dürfen. 2008 tötete er wieder aus Habgier. Die ARD hat eine vierteilige Serie über ihn in der Mediathek. Folge 1 steht bis zum 26.11.2026 zur Verfügung, die nächsten Folgen laufen jeweils später ab. Hier der Link zum ersten Teil:
https://www.ardmediathek.de/serie/auf-den-spuren-von-dr-mord/staffel-1/ZDI1NjJlYmMtZDkzMS00NjMzLWFmYmMtMzlhM2Y2NjgxYWFi/1
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