Telemedizin im Toilettenhäuschen. Was sich anhört, als käme der Witz gleich erst noch, ist geplant für den Notfall. Denken Sie sich eine beliebige Katastrophe. Die Medien setzen an dieser Stelle gerne die Erinnerung ans Hochwasser im Ahrtal und anderswo ein. Die Arztpraxen sind, davon ist auszugehen, nicht mehr vorhanden oder funktionsuntüchtig. Kabinen aber in der Größenordnung von Toilettenhäuschen lassen sich per Lkw in Katastrophengebiete transportieren – und warten dort auf ihren Einsatz telemedizinscher Art. In den Pressetexten ist weiterhin zu lesen, dass man da unter ärztlicher Anleitung Fieber messen kann. Wir sind also schnell wieder in der Abteilung: Soll das jetzt ein Witz sein? Aber nein, es gibt einen Bildschirm – und es gibt weitere medizinische Geräte, wie zum Beispiel das Stethoskop.
Ach so: ein ganz wichtiges Thema ist die Hygiene. Hochautomatisiert lösen das die Kabinen angeblich selbst. Das Schlüsselwort heißt UV-Desinfektion. Aber was ist mit der Schlammschlacht oder der Diphtherie? Von Zerstörungswut brauchen wir an dieser Stelle wahrscheinlich wirklich nicht zu reden. In der Not richtet sich die Wut hoffentlich woanders hin.
Noch ein Schmunzelfaktor. Die Testtoilettenhäuschen, und damit spielt der eine oder andere Journalist, sind echt. Das Wort Recycling fällt auch. Gemeint ist aber: Die Studenten haben sich für die Einrichtung dieser Boxen im Handel tatsächlich ganz neue Toilettenhäuschen besorgt.
Lesen Sie selber, stoppen Sie das Bilderkino im Kopf – und vielleicht beten Sie für uns und den lieben Nachbarn auch, dass er und wir von Katastrophen verschont bleiben mögen.
Der WDR war zu Gast auf dem Katastrophengelände, das sich die RWTH zusammengebaut hat. Dort können sie unter quasi fiktiv realen Bedingungen das rote Häuschen stehen sehen, 07.07.2026:
https://www1.wdr.de/nrw/aachen-eifel/staedteregion-aachen/rwth-aachen-toilette-kabine-katastrophe-medizin-arzt-100.html
Die Ärzte-Zeitung berichtet am 08.07.2026, Sie müssen sich nur vor dem Lesen kostenlos einloggen:
https://www.aerztezeitung.de/Wirtschaft/Versorgung-im-Katastrophenfall-Wenn-das-Klohaeuschen-zur-Arztpraxis-wird-463680.html
