Die erste Hitzewelle ist vorbei, die zweite droht – und es gibt den begründeten Verdacht, sie könnte dann einen Teil des zu erwartenden Sommerloches füllen. Aber schon jetzt, mitten im Sommer, aber noch nicht im Loch, füllt die Hitze nicht nur die Tageszeitungen. Es ist die Zeit der Resümees, der Abrechnungen und der Forderungen. Die Forderungen, das versteht sich von selbst, sind das Fazit der Resümees. Und die sehen nicht nur in Köln verheerend aus. Gleich auf dem Titelblatt – unmittelbar neben Deutschlands Desaster in Paraguay – meldet der Kölner Stadt-Anzeiger heute, 30.06.2026, einspaltig: „120 Tote an Hitzetagen“ – gemeint ist ausschließlich das vergangene Wochenende. Diese Menschen, gezählt von der Polizei, sind an „bislang ungeklärter Ursache“ gestorben und werden auch im Text auf der Innenseite nicht als Hitzetote beklagt. Doch der Verdacht liegt ja nahe. An anderen Wochenenden zählt die Polizei in Köln nur ein Viertel so viel Tote mit „ungeklärter Ursache“.
Das Resümee: Nicht nur die Krankenhäuser haben am Wochenende am Rande ihrer Kapazitäten gearbeitet, zudem noch technisch mit ungenügenden Möglichkeiten ausgestattet, wenn es darum geht, den Menschen mit Hitzeschaden auch nach der Ersthilfe noch einen kühlen Aufenthalt zu bescheren, auch die Rettungsdienste haben sich bis zur Belastungsgrenze eingesetzt. Denn auch für sie schien die Sonne mit über 40 Grad. Und es sind oft die Menschen in den Dachgeschosswohnungen, die reanimiert oder transportiert werden müssen. Nicht zu vergessen: Die Retter tragen zur Rettung volle Montur.
Aber ganz neu ist das Thema Hitze ja nicht – und es gibt Maßnahmen. In Köln zum Beispiel die Kälteinsel. Dort – in der Messe – konnten am Wochenende die Menschen untergebracht werden, denen die Hitze zwar zu Kopfe gestiegen ist, die aber des Krankenhauses nicht bedurften. Dass die Kälteinsel sprachlich gesehen ein Euphemismus ist, optisch aber einem Notlazarett gleicht – niemand wird es den Rettern und Erfindern übelnehmen.
Doch die Planung soll ja über die Not hinausgehen – die nächste Hitzewelle ist absehbar. Und die Forderung implizit: Kühlung tut not. Auch und vor allem in Krankenhäusern. Der Artikel im Kölner Lokalteil endet mit einer Forderung von etwa 40 Millionen Euro. Und klar: Die Rede ist hier nur von Köln.
Wir könnten mit Bloch von der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen reden, wenn wir nach Lesen dieser Nachrichten im Kölner Stadt-Anzeiger weiterblättern. Dort inseriert ein Pharmaunternehmen: „Für heiße Nächte“. Richtig – seit dem Wochenende hatten wir alle so recht keine heiße Nacht mehr. Also auf Montag und auf Dienstag fielen die Temperaturen tatsächlich auf unter 25 Grad in der Nacht. Offensichtlich wollen wir mehr, nimmt zumindest dieses Pharmaunternehmen an – und wenn man die Frau betrachtet, die in der Werbung auf einem Mann liegt: Sie will auch mehr. Aber eigentlich sieht alles gut aus: Wir ahnen schon den Kuss, fast berühren sich die Lippen. Nur: Nacht ist es nicht auf dem Foto. Heiß auch nicht. Die Zimmerecke in kühlem Weiß, das Top der küssenden Frau ebenfalls – genau wie die Liegefläche, die aber trotz Weichzeichner weder an Nacht noch an Hitze erinnert. Der Jugendschutz ist also durchaus gewahrt, und die Abbildung, so steht es in der kleinen Fußnote hinter dem Sternchen, ist Betroffenen nachempfunden. Der Mangel an Leidenschaft übrigens macht den Zuschauer weniger betroffen als der Mangel an Einfühlungsvermögen. Dieses Bild hat jemand nach klarer Vorgabe und ohne irgendeine Sehnsucht mit Fotoapparat und Software in Szene gesetzt. So sachlich wie emotionslos.
