Fake News kennen Sie: Das sind gemachte Nachrichten. Die Schlaumeier dieser Welt stellen diesen gemachten Nachrichten die Fakten gegenüber. Sprachlich ist das nicht im mindesten weise – denn die Fakten sind nichts anderes als das „Gemachte“. Fake und Fakt haben ihren Ursprung beide im Lateinischen – und der Faktenfuchs macht, von hier aus betrachtet, die Tatsachen genauso selbst wie der Erfinder der Fake News.
Auch wenn das eine süffisante Erkenntnis ist: So kommen wir nicht weiter. Gesucht wird die Wahrheit. In der Annahme, dass die Wahrheit faktisch ist – aber wir wollen hier nicht philosophisch werden. Die Wahrheit wurde ja auch schon längst gefunden. Ebenfalls von den Römern: Sie steckt im Wein. In vino veritas.
Als Kirchgänger wissen Sie zudem, dass der wahre Gott vom wahren Gott stammt. Deum verum de deo vero. Auch das ist keine Philosophie, das ist tiefste Theologie. Es folgt: genitum, non factum. Übersetzt: Gezeugt, nicht geschaffen. Muss man nicht verstehen, ist eines der Geheimnisse des Glaubens. Wichtig ist hier: non factum. Denn nun wird’s zwiespältig. Im selben Text heißt es an anderer Stelle, im anderen Kontext, mit anderer Absicht: Homo factus est. Übersetzt. Er wurde Mensch. Fakt ist: Jeder Lateinschüler in seinen sprachlichen Anfängen würde übersetzen: Ein Mensch ist gemacht worden.
Wir lernen: Das mit den Fakten ist durchaus schwierig. Wir müssen jetzt noch einmal ganz tief ins Lateinische abtauchen. Ich habe Ihnen hier mal kopiert, was die lateinische Sprache alles so machen kann, wenn sie das Verb „facere“ benutzt:
· machen, tun, handeln, herstellen, errichten lassen
· leisten, aufwenden
· schätzen, wert halten (b. Gen. Pretii)
· machen zu (b. dopp. Akk.)
· bewirken, verursachen, veranlassen
· hervorbringen, erschaffen, erzeugen
· vorbringen, Anklage erheben
· den Fall setzen (fac, ut)
· veranstalten, abhalten (KL: Gottesdienst, Predigt)
https://www.navigium.de/latein-woerterbuch/facere?nr=null
Versuchen Sie mal, sich das lateinische Glaubensbekenntnis von einer KI erklären zu lassen: Das wird so etwas wie ein Lehrstück, das immer wieder mit der gleichen Formel beginnt: gemeint ist ...
So ist das mit den Fakten. Sie sind nicht nur gemacht, sie sind auch gemeint. Dass Fakten „Sinn machen“ hingegen, beruht auf der gleichen sprachlichen Vielfalt des deutschen Verbs machen. Die Bedeutungsliste dürfte ebenso lang sein, wie fürs Verb „facere“ – die Krux: Man kann gar keinen Sinn machen. Die Briten tun das in ihrer Sprache und waren uns darin Vorbild. Aber sie meinen mit „to make sense“, dass etwas einen Sinn ergibt. Der Sinn liegt in der Sache selbst und wird nicht gemacht. Der Unsinn eigentlich auch nicht. Kinder aber dürfen, und da übertreiben wir schon, Unsinn machen.
Zurück zur Wahrheit: Ich weiß nicht, wo sie ist. Aber sie ist ganz gewiss ein Phantom. Womit ich nicht sagen will, dass alles richtig ist. Auch nicht, dass alles falsch ist. Aber sobald einer den Mund auftut, um Ihnen die Wahrheit zu sagen: Seien Sie vorsichtig und gucken Sie ganz tief ins Weinglas. Sollten Sie noch dazu eine Glaskugel haben, schauen Sie auch dort hinein. Vielleicht erfahren Sie dabei mehr, als derzeit über die Mattscheiben und Bildschirme dieser Welt.
In diesem Sinne: Frohe Pfingsten. Das ist ja immerhin der Tag, an dem der Heilige Geist in Feuerzungen auf die Apostel herabkam, auf dass sie die Wahrheit hinaus in alle Welt tragen.
