Dass der Blaumacher, dessen Ruf noch nicht unter die Räder geraten war, Stoffe färbte und am Montag darauf wartete, dass die Farbe auch ihre blaue Wirkung entfaltete, haben Sie gewiss schon irgendwo gelesen, und dass der blaue Montag sich sprachlich möglicherweise doch auch vom Alkohol am Vorabend erklärt, haben Sie gewiss schon vermutet. Und den Blaumacher, der seine Arbeit nicht antritt, kennen tatsächlich die alten Zeitungen schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts. Also legt der Blaumacher sich wahrscheinlich schon, zumindest dem Vorwurfe nach, seit 200 Jahren auf die faule Haut. Zuvor aber, das sei hier auch erwähnt, war der Montag im Handwerk anerkanntermaßen ein freier Tag, den die Gesellen für sich selbst nutzen konnten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Blauer_Montag
Und später, die Industrualisierung ist längst im Gange, war der Blaumacher an vielen Stellen in den Fabriken und an den Webstühlen unentbehrlich. Hier ein kleiner Exkurs quer durch die Industriegeschichte:
Am 08.12.1849 wird im Aachener Anzeiger ein Arbeiter zum „Blaumachen der Nähnadeln gesucht, der diese Arbeit gründlich versteht“.
https://zeitpunkt.nrw/ulbbn/periodical/zoom/7056487?query=blaumacher
Die Nähnadeln wurden durch chemische oder thermische Verfahren vor Rost geschützt – und waren hinterher blau. Der Fabrikant, der diese Anzeige aufgesetzt hat, bleibt in der Zeitung anonym. Aber vielleicht war es jener Nadelfabrikant Conrad Seyler, über dessen Patent die Aachener Zeitung am 16.06.1860 informiert.
„Dem Nadelfabrikanten Conrad Seyler zu Burtscheid bei Aachen ist unter dem 12. Juni d. J. ein Patent auf eine durch Zeichnung und Beschreibung erläuterte, in ihrer ganzen Zusammensetzung für neu und eigenthümlich erkannte Maschine zum Blaumachen der Nähnadeln an den Köpfen; [… hier folgt noch ein Patent] auf fünf Jahre, von jenem Tage an gerechnet und für den Umfang des preußischen Staates ertheilt worden.“
https://zeitpunkt.nrw/ulbbn/periodical/zoom/6392449?query=blaumacher
