NACHRICHTENPORTAL

Nachrichten aus dem Gesundheitswesen

Die Regierung greift zur Bettkantenpolitik

Was tun, wenn der Widerspruch mitten im Raum steht und kein Weg dran vorbeiführt? Passiert ja manchmal im Leben. Da haben die anderen recht oder schlimmer noch, sie haben einen Vorwurf. Das Loch, in das man sich gerne verkriechen würde, ist nur literarisch eine Möglichkeit. Und ein Politiker versteckt sich nicht, duckt sich nicht, flieht auch nicht. Die noch schlechtere Möglichkeit wäre ja ein aufrechtes Bekenntnis. Oder ein bekennendes Fragezeichen. Geht nicht. Klar.

Den aufrechten Gang durch Widersprüchlichkeiten führen gerade unser Bundeskanzler und unser Ex-Bundesgesundheitsminister vor. Oder sollten wir ihn den Ex-Ex-Bundesgesundheitsminister nennen? Nachname Spahn. 

Zuerst die Lage. In die hat sich die CDU (und der Rest der Regierung) gerade selber gebracht. Sie hat nämlich ein ganz tolles Reformpaket auf den Weg gebracht. Das dem Mittelstand mit Familie Erleichterung bringen soll. Und sie hat ganz klar gesagt: keine telefonische Krankschreibung mehr und eine AU gleich am ersten Tag. Den Arbeitgebern räumt sie das Recht ein, die Dinge anders zu handhaben. Zuckerbrot und Peitsche, so könnte man sagen. Die Journalisten, die dieses Sprachbild zur  Redewendung werden ließen, meinten übrigens vor 150 Jahren die Politik Bismarcks. Das Zuckerbrot war die Einführung von Renten- und Krankenversicherung, die Peitsche die Ausführung der Sozialistengesetze. 

Die meisten Menschen werden also künftig am ersten Tag eine Krankschreibung brauchen. Bei Maybrit Illner im ZDF, ich zitiere aus dem Tagesspiegel, führte uns der Kanzler dann mitten durch den Widerspruch: „Sie müssen nicht am ersten Tag in die Arztpraxis. Sie müssen vom ersten Tag an eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung haben.“ Genial. Vielleicht meinte er rückwirkend? Rückwirkend ist aber nicht am ersten Tag. Eine Erklärung blieb der Kanzler schuldig, behauptet der Tagesspiegel. Ich glaube ihm in diesem Fall gern.

Ich wüsste aber Abhilfe. Wir fragen den großen Spahntastiker. Wer massenweise Masken organisieren kann, der findet auch einen Weg fürs große Simsalabim. An jedes Bett einen Zauberstab. Der muss auch nicht alles können. Nur AUs drucken. Ach Mist, das war ja früher. Aber die Elektronik macht es ihm ja viel leichter. Und vielleicht lässt sich der Zauberstab auch mit einem Fieberthermometer verknüpfen. Ab 38 Grad geht dann die AU per WLAN raus. An Arbeitgeber und Krankenkasse. Allen ist geholfen.

Sie fragen mich, wieso Spahn? Der ist doch Ex-Ex-Bundesgesundheitsminister. Richtig. Aber dem Spahn macht das nichts. Lesen Sie nur weiter im Tagesspiegel. Da bezieht Jens Spahn ganz deutlich Stellung. Sofern der Tagesspiegel richtig zitiert. Aber wie gesagt, ich neige dazu, der Zeitung zu glauben. Die neue Regelung nämlich mit der AU, die am ersten Tag erforderlich ist, ist keineswegs ein Misstrauensvotum. (Und hier sind wir wieder beim Weg mitten durch den Widerspruch. Ohne auch nur mit einer Wimper zu zucken) Aber wir alle kennen doch diese Leute mit der Bettkantenentscheidung, so sagt er. Diese Leute sind ja Kollegenschweine. So sagt er nicht. Wirklich nicht. Da müssen wir fair bleiben. Spahn sagt nämlich: Es geht um die Fairness gegenüber den Kollegen. Auch bei der Bettkantenentscheidung. Wie gesagt: Misstrauen ist das nicht.

Aber jetzt komme ich mit meiner Idee: Eben für diese Entscheidung an der Bettkante und für die Fairness im Umgang mit den Kollegen organisiert uns der Massenmaskendealer am besten einen ZAUberstab ans Bett. Der hilft uns pragmatisch am ersten Krankheitstag zur elektronischen Bescheinigung. Und dem Staat bei Überwachung und Misstrauen.

Der Tagesspiegel vom 03.07.2026:
https://www.tagesspiegel.de/politik/arbeitsmarkt-kassenchef-warnt-vor-uberfullten-hausarztpraxen-15790919.html

Die Tagesschau fragt schon in der Überschrift nach dem Sinn, oder genauer: Sie stellt schon in der Überschrift den Sinn infrage: „,Vernünftige‘ Lösungen bei Krankschreibungen?“ (Das Zitat im Zitat ist jetzt nervig, aber ja – die Tagesschau setzt hier das Wort „vernünftig“ selbstständig in Anführungszeichen), 03.07.2026:
https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/krankschreibung-krankheitstage-au-100.html

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Wer will jetzt noch heiße Nächte? Zwischenbilanz und Zeitungsgeschehen

Die erste Hitzewelle ist vorbei, die zweite droht – und es gibt den begründeten Verdacht, sie könnte dann einen Teil des zu erwartenden Sommerloches füllen. Aber schon jetzt, mitten im Sommer, aber noch nicht im Loch, füllt die Hitze nicht nur die Tageszeitungen. Es ist die Zeit der Resümees, der Abrechnungen und der Forderungen. Die Forderungen, das versteht sich von selbst, sind das Fazit der Resümees. Und die sehen nicht nur in Köln verheerend aus. Gleich auf dem Titelblatt – unmittelbar neben Deutschlands Desaster in Paraguay – meldet der Kölner Stadt-Anzeiger heute, 30.06.2026, einspaltig: „120 Tote an Hitzetagen“ – gemeint ist ausschließlich das vergangene Wochenende. Diese Menschen, gezählt von der Polizei, sind an „bislang ungeklärter Ursache“ gestorben und werden auch im Text auf der Innenseite nicht als Hitzetote beklagt. Doch der Verdacht liegt ja nahe. An anderen Wochenenden zählt die Polizei in Köln nur ein Viertel so viel Tote mit „ungeklärter Ursache“.

Das Resümee: Nicht nur die Krankenhäuser haben am Wochenende am Rande ihrer Kapazitäten gearbeitet, zudem noch technisch mit ungenügenden Möglichkeiten ausgestattet, wenn es darum geht, den Menschen mit Hitzeschaden auch nach der Ersthilfe noch einen kühlen Aufenthalt zu bescheren, auch die Rettungsdienste haben sich bis zur Belastungsgrenze eingesetzt. Denn auch für sie schien die Sonne mit über 40 Grad. Und es sind oft die Menschen in den Dachgeschosswohnungen, die reanimiert oder transportiert werden müssen. Nicht zu vergessen: Die Retter tragen zur Rettung volle Montur.

Aber ganz neu ist das Thema Hitze ja nicht – und es gibt Maßnahmen. In Köln zum Beispiel die Kälteinsel. Dort – in der Messe – konnten am Wochenende die Menschen untergebracht werden, denen die Hitze zwar zu Kopfe gestiegen ist, die aber des Krankenhauses nicht bedurften. Dass die Kälteinsel sprachlich gesehen ein Euphemismus ist, optisch aber einem Notlazarett gleicht – niemand wird es den Rettern und Erfindern übelnehmen.

Doch die Planung soll ja über die Not hinausgehen – die nächste Hitzewelle ist absehbar. Und die Forderung implizit: Kühlung tut not. Auch und vor allem in Krankenhäusern. Der Artikel im Kölner Lokalteil endet mit einer Forderung von etwa 40 Millionen Euro. Und klar: Die Rede ist hier nur von Köln.

Wir könnten mit Bloch von der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen reden, wenn wir nach Lesen dieser Nachrichten im Kölner Stadt-Anzeiger weiterblättern. Dort inseriert ein Pharmaunternehmen: „Für heiße Nächte“. Richtig – seit dem Wochenende hatten wir alle so recht keine heiße Nacht mehr. Also auf Montag und auf Dienstag fielen die Temperaturen tatsächlich auf unter 25 Grad in der Nacht. Offensichtlich wollen wir mehr, nimmt zumindest dieses Pharmaunternehmen an – und wenn man die Frau betrachtet, die in der Werbung auf einem Mann liegt: Sie will auch mehr. Aber eigentlich sieht alles gut aus: Wir ahnen schon den Kuss, fast berühren sich die Lippen. Nur: Nacht ist es nicht auf dem Foto. Heiß auch nicht. Die Zimmerecke in kühlem Weiß, das Top der küssenden Frau ebenfalls – genau wie die Liegefläche, die aber trotz Weichzeichner weder an Nacht noch an Hitze erinnert. Der Jugendschutz ist also durchaus gewahrt, und die Abbildung, so steht es in der kleinen Fußnote hinter dem Sternchen, ist Betroffenen nachempfunden. Der Mangel an Leidenschaft übrigens macht den Zuschauer weniger betroffen als der Mangel an Einfühlungsvermögen. Dieses Bild hat jemand nach klarer Vorgabe und ohne irgendeine Sehnsucht mit Fotoapparat und Software in Szene gesetzt. So sachlich wie emotionslos.

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Wenn die innere Stimme verwortet wird ...

Was da alles in den Köpfen der Menschen los ist – das geht auf keine Kuhhaut. Wer denkt, seine innere Stimme sei sein ständiger Begleiter, manchmal Freund, manchmal Feind – auf jeden Fall ein Teil vom Ich, der liegt gewiss nicht falsch. Aber auf dem Laufenden ist er nicht. Sprachlich nicht, analytisch nicht, psychologisch nicht.

Gut, wir wissen, dass es psychisch kranke Menschen gibt, die ein ganzes Stimmengewirr im Kopf haben. Viele einzelne Charaktere. Oder die Stimmen hören, die Unsägliches, Unmögliches und Unerträgliches fordern.

Dass unser Kopf zu einem Schauplatz heftigster Auseinandersetzungen werden kann, wer wüsste das nicht? Aber um den inneren Kopfsalat zu beschreiben, reicht das alles nicht aus.

Der Wechsel zum Salat kam Ihnen jetzt etwas holprig vor? Dann fangen wir mit dem Food Noise an. Das ist der Krach, den Ihre innere Stimme schlägt, wenn sie ständig ungefragt und ungewollt das Thema Essen nicht auf den Tisch, sondern aufs Tapet bringt. Sollte es nicht nur ums Essen gehen, was da Ihre Stimme Ihnen alles so flüstert, dann sprechen Sie von Brain Chatter oder etwas distinguierter von Mental Noise. Sollten Sie dafür die Benennung mentales Rauschen benutzen wollen, Sie stünden ganz gewiss außerhalb aller öffentlichen Diskussion. Vielleicht aber innerhalb eines Fachkreises.

Nun gibt es natürlich auch noch mehr unangenehme Themen, die im Kopf kreisen können, aber keine Nahrung betreffen. Sie könnten, wollten Sie dieses Phänomen einem Psychologen schildern, selbstverständlich Deutsch reden und behaupten, dass Sie aufdringliche Gedanken haben. Im glücklichen Fall schreibt Ihr Psychologe das auch so ins Protokoll. Oder er formuliert: Den Patienten quälen Intrusive Thoughts.

Sollten Sie sich irgendwelchen Süchten hingeben, kennen Sie ganz bestimmt den Suchtdruck. Aber der ist sprachlich offenbar veraltet. Also: Ihre Gier nach der nächsten Zigarette, Tablette oder dem nächsten geistvollen Getränk benennen Sie, wenn Sie im Zeitgeist bleiben wollen, mit dem Wort Craving.

Diese ausgesprochen vielfältige Begriffspalette soll dazu dienen, ich habe da keinen Zweifel, der inneren Stimme genügend Ausdruck zu verleihen. Und nicht nur das: Mit diesen Benennungen können wir alles in den Griff kriegen, was uns an unserer inneren Stimme nicht passt. Stempel drauf. Einmal mit bösem Gesicht in den Spiegel gucken. Innerlich ein „Klappe halten“ formulieren, sich disziplinieren.

Das ganze sprachliche Programm hat, auch da bin ich mir sicher, eine Absicht: Es soll Ihre Performance steigern. Körperlich machen wir das ja alle schon eine ganze Weile. Der Körper wehrt sich auch nicht, wenn wir ihn definieren. Er kann ja gar nicht plappern. Er kann sich allenfalls verweigern. Das aber macht er erst relativ spät.

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Kleine Rede wider die deutlichen Worte

„Vor Beginn ihrer Tour fand Helene Fischer deutliche Worte“, berichtet der Focus am 26.06.2026.
https://www.focus.de/kultur/stars/hitze-regeln-veranstalter-trifft-wichtige-entscheidung-fuer-helene-fischer-konzert_de1ae114-806b-497f-9801-c42b80e2c38d.html

Lassen wir mal Helene Fischer und auch den Focus links liegen – der Focus übrigens hat zu diesen deutlichen Worten der Helene Fischer nur verlinkt, also sie an Ort und Stelle selbst eigentlich aus den Augen verloren und uns aus dem Blickfeld geräumt. Es ist ja nicht nur Helene Fischer, die deutliche Worte findet. Auch Politiker tun das immer wieder. Und Journalisten weisen immer wieder darauf hin. Manchmal, und das ist dann das Lob in höchsten Tönen, finden Redner auch die richtigen Worte. Googelnd habe ich gerade herausgefunden, dass der eine oder andere Mensch dann und wann schon mal warme Worte gefunden hat.

Mir kommt der Verdacht: Das sind alles meine Worte. Mir fehlen nämlich ständig welche. Die Sprachbarriere ist es nicht, da bin ich mir sicher. Dort hat niemand einen Sack voller Wörter abgelegt. Auf der Goldwaage liegen sie auch nicht. Das sind die Diplomaten dieser Welt, die ihre Worte dort erwägen und vielleicht danach auch gleich wieder verlieren. Unterschlagen, sozusagen.

Begeben wir uns, weil es auch uns die Sprache verschlagen hat, zum Arzt. Der wird zuerst nach heilenden Worten suchen. Luther geht mit ihm, wenn er die Bibel, Sprüche 15,4, so übersetzt: „Eine heilsame Zunge ist ein Baum des Lebens; aber eine lügenhafte bringt Herzeleid.“ Jetzt wissen wir also auch, wer die sprechende Medizin erfunden hat. Wobei auch die Volksmedizin ihre Diagnosen redewendend in Sprache umsetzt. Der Frosch im Hals zum Beispiel könnte eine der Ursachen unserer Sprachlosigkeit sein. Und andererseits könnten die lügenhaften Worte, oder schlimmere noch, nicht nur Herzeleid bringen, sondern auch auf den Magen schlagen. Kalte Füße bekommt vielleicht jemand, dem die richtigen Worte nicht über die Lippen kommen wollen.

Aber verlassen wir die Bibel und die Medizin. Besser ist, wir suchen nach dem Sprachrohr. Da müssen sie doch sein, diese gefundenen Worte. Gucken Sie Helene Fischer und den Politikern dieser Welt auf dem Bildschirm mal ganz genau zu: Diese Mikrofone: Im Grunde genommen sind das ja die Sprachrohre, aus denen die deutlichen Worte in die ganze Welt hinausposaunt werden. Während wir als Zuschauer vor dem Bildschirm zwar lautstark mit der Sprache herausrücken können, und das wohl oft auch tun. Doch dann: Dann sind zwar klare Worte gefallen. Aber sie liegen eben ungenutzt vor unseren Füßen. Helene Fischer – und auch die Politiker dieser Welt – werden sie dort kaum finden. Unerhört und ungehört wird über unser Reden kein Wort mehr fallen. Man könnte das als ungehörig begreifen.

Vielleicht sollten wir also mit unserer Sprache herausrücken, den Rednern mit den deutlichen Worten ins Wort fallen, ihnen die Worte im Mund herumdrehen. Und das letzte Wort sollten wir für uns behalten. „Sie will nur das letzte Wort haben“, winkte meine Mutter manchmal ab, wenn ich als Kind beharrlich blieb. Jetzt weiß ich: Ja. Das letzte Wort ist wichtig. Stellen Sie sich mal vor, Helene Fischer oder die Politiker dieser Welt finden es! Womöglich auf der Straße, direkt an der Sprachbarriere.  

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Kleine Etitüde zur Wahrheit in Zeiten künstlicher Generierbarkeit enzyklischer Texte

Spötter sagen, so schrieb ich gestern, dass möglicherweise die nächsten päpstlichen Enzykliken von der KI geschrieben werden. Natürlich wusste ich, dass sich die Spötter schnell auf die gegenwärtige Enzyklika stürzen würden. Denn es ist ja auch zu schön: Wenn der Papst selbst für seine erste Enzyklika – die sich auch gegen die von der KI angerichtete Verunmenschlichung richtet – eben jene KI zur Hilfe genommen hätte, wer wollte darüber nicht lächeln können. Und richtig: Die KI-Maschinen haben längst die Enzyklika überführt. Und um den Verdacht auch ganz rund zu machen: Es muss Anthropic gewesen sein. Das passt auch deswegen super, weil Christopher Olah, Mitbegründer von Anthropic, bei der Vorstellung der Enzyklika einbezogen war. Christopher – so viel den Nicht-Christen als Übersetzungshilfe – ist der Christus-Träger. Der heilige Christoph hat nämlich einstens einem Kind übers Wasser geholfen, das Kind auf den Schultern tragend. Nicht wissend, wen er da trägt, hatte er schwer mit dessen Gewicht zu kämpfen.

Nun also kämpft Christopher Olah an der Seite des Papstes. Welche Wasser die beiden überqueren, wissen wir nicht.

Gesichert ist: Der KI-Vorwurf steht im Raum. Unverblümt bei Russia Today: Aber Vorsicht, sagt die Google-KI mir, das ist eine Desinformationskampagne. Da hat sie aber gut aufgepasst. Wenn Sie trotzdem einen Blick reinwerfen wollen in die desinformierenden Vorwürfe, 29.05.2026:
https://de-rtnews.com/international/281501-analyst-papst-nutzte-ki-um/

Konjunktivistischer und mit dem journalistisch angemessenen „Es wäre möglich, dass …“ ausgestattet, finden Sie diese Vorwürfe zusammen mit ihrer möglichen Entkräftung auf ifun.de, 28.05.2026. Die Gegenargumente: KI wertet Wahrscheinlichkeiten aus und führt nicht auf Quellen zurück.
https://www.ifun.de/papst-schreibt-ueber-ki-und-ki-koennte-mitgeschrieben-haben-280510/

Und was nun? Fragen wir doch mal jemanden, der was davon versteht. Nämlich die Google-KI, gefragt am 29.05.2026:

  • Der „Verfassungseffekt“: Studien (u.a. der Stanford University) haben gezeigt, dass KI-Detektoren historische, religiöse oder stark formalisierte menschliche Texte fast immer als „KI-generiert“ einstufen. Testet man die US-Verfassung oder die Bibel, schlagen die Detektoren regelmäßig mit Wahrscheinlichkeiten von über 90 % an. Das liegt daran, dass diese Tools auf geringe Perplexität (Wortvielfalt) und geringe Burstiness (Varianz der Satzlänge) anspringen – Merkmale, die auf Beamtendeutsch, theologische Abhandlungen und KI-Texte gleichermaßen zutreffen.
  • Der Übersetzungs-Filter: Wenn ein Text von Menschen auf Deutsch geschrieben, dann aber mit Software (wie DeepL) in andere Sprachen übersetzt wird, glättet die Software den Satzbau. Jagt man diese Übersetzung durch einen Detektor, erkennt das Tool die Spuren der Übersetzungs-KI und meldet fälschlicherweise: „Der Text wurde von einer KI geschrieben.“

Klingt plausibel. Blöd ist nur: In meinen Ohren klingelt es Sturm. Aber was sollen wir denn nun glauben? Wir leben zweifelsohne in einer Welt, in der die KI ganz ohne uns ausfechten kann, was wie von Bedeutung ist. Vielleicht sollten wir sie einfach genau das tun lassen – und uns derweil mit anderen Dingen beschäftigen.

Dem wirklichen Leben.

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Obskur oder Obscore? Die Bauchvermessung auf der Suche nach neuen Werten

Künftig könnte der BMI durch ein neues Maß ersetzt werden. Die KI hilft mit, und das Messgerät heißt dann Obscore. Sollte Ihnen das obskur vorkommen: Das war meine Absicht. Klar, dass wir nicht vom Bundesministerium des Inneren reden, liegt auf der Hand. Wobei: Wollen wir nicht vielleicht doch wissen, welchen Maßstab die KI ans Bundesministerium anlegt? Vielleicht an anderer Stelle.

Jetzt aber sind wir beim Dilemma der Adipösen: Nicht jeder Bauch ist fett, manch einer, den der BMI als zu dick einstuft, hat in Wirklichkeit ganze Muskelpakete unter seinem T-Shirt versteckt. Das nächste Dilemma: Der Obscore, der eine Alternative werden könnte, braucht, um nicht obskur zu werden, Daten. Klar – ohne Input keine Info, also kein Output. Also: ein einfacher Bluttest – und 20 allgemeine Gesundheitsfragen.

Klar: Das ist kein Test für zuhause. Deswegen könnte es dem BMI noch anderweitig an den Kragen – bzw. an die Zahlen – gehen. Mit Hilfe des Bauchumfangs und des Taille-Hüft-Verhältnisses lässt sich auch der BMI in seinen Qualitäten optimieren.

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Von der Verbreitung der Zoonosen

Wer jetzt in diesen Zeiten, auf die das Wort nachpandemisch eigentlich so recht nicht mehr zutrifft, Klickzahlen und Leser generieren will, der schreibt über Zoonosen. Das Hantavirus scheint zwar thematisch ausdiskutiert, ist es aber noch lange nicht, auch wenn die WHO das Erkrankungsrisiko als gering beschreibt. Wegen der derzeitigen Variation des Ebolavirus, die gerade im Kongo sich umtreibt, hat die WHO aber den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen, Nina Warken beruhigt für Deutschland und erklärt: Die WHO mache das, um für Unterstützung der vom Virus betroffenen Region zu sorgen. Ja, das nehmen wir auch an.
https://hasepost.de/gesundheitsministerin-ebola-pandemie-weltweit-nahezu-ausgeschlossen-713603/
 
https://www.tagesschau.de/ausland/afrika/ebola-who-gesundheitsnotlage-100.html

Die nächste Meldung ist nur wenige Stunden alt: Im Landkreis Regen in Bayern hat sich jemand mit dem Bornavirus infiziert und liegt auf der Intensivstation. Im vorigen Jahr sind mehrere Menschen an dieser seltenen, aber gefährlichen Infektion gestorben.
https://www.br.de/nachrichten/bayern/bornavirus-infizierter-aus-bayern-auf-intensivstation,VJz2MZm

Komisch ist das alles nicht. Zum Lachen schon gar nicht. Aber Sie können quasi zusehen, und das ist vielleicht doch komisch, wie die verschiedensten Zoonosen sich jeweils in Windeseile im Internet verbreiten. Sie brauchen nur einen aktuellen Anlass, wenige Stunden Zeit – und dann geben Sie von Zeit zu Zeit den Namen des aktuellen Virus in die Suchmaske Ihrer Wahl ein.

Ganz schnell sind Sie in der Lage, eine Zoonosen-Genese zu formulieren. Auf jeden Fall können Sie quasi live verfolgen, wie viral diese Geschichte(n) medial wirken. Wenn Sie eher der Mensch sind, der es mit einem Überblick versuchen will: Geben Sie das Wort Zoonose ein – und suchen Sie nach Nachrichten. Schnell werden sie feststellen: Die Vogelgrippe grassiert noch, die Hasenpest hat in Niedersachsen und Bremen von Jahresanfang bis Ende April drei Menschen „erwischt“ – in ganz Deutschland sind es in selben Zeitraum 33.
https://hannover.t-online.de/region/hannover/id_101224132/hannover-hasenpest-in-niedersachsen-mehrere-menschen-erkrankt.html

Die nächste Erkenntnis: Da draußen sind eine ganze Menge Zoo-Nasen unterwegs auf der Suche nach der nächsten Zoonose. Auch Medienmenschen brauchen halt den richtigen Riecher. Und im medialen Clickbattle bettelt es sich immer noch am besten mit tierisch guten Nachrichten. Das Dilemma: Wie man sich bettet, so liegt man. Und sollten Sie jetzt gerade liegen: Stehen Sie nicht auf, die nächste Info wird Sie plätten, auch wenn sie schon zehn Jahre alt ist: Das Zikavirus, für das ja eigentlich die Mücken zuständig sind, kann auch von Männern übertragen werden. Beim Sex. Kein Witz. Ich sag ja: Bleiben Sie liegen und vor allem: Lassen Sie Ihren Mann liegen. Denn er muss selbst nicht einmal Symptome haben, um das Virus weiterzugeben.
https://www.handelsblatt.com/technik/medizin/warnung-der-who-zika-virus-immer-oefter-durch-sex-uebertragen/13071884.html

Nun wollen wir hier aber nicht die Mücke zum Elefanten machen. Wobei die Mücke, zoonosologisch betrachtet, ziemlich elefantös aufgestellt ist: Sie überträgt zum Beispiel das West-Nil-Fieber, das Dengue-Fieber, das Chikungunya-Fieber, das Gelbfieber, die Zika-Virus-Infektion, Malaria, das Rifttal-Fieber, das Sindbis-Fieber, die Usutu-Virus-Infektion, das Sandmückenfieber, die Flussblindheit und die Leishmaniose.

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Die Rückkehr der Rübensteuer

Da ist sie: Die Bundesregierung hat nun endlich die eierlegende Wollmilchsau gefunden, der nicht nur Sprachenthusiasten seit Jahrzehnten hinterherjagen. Die Zuckersteuer! Googles KI fasst die Fähigkeiten dieses (Un)-Tieres so zusammen: „Die Steuer soll den Zuckergehalt in Getränken senken, die Adipositas- und Diabetes-Prävention unterstützen und Mehreinnahmen für das Gesundheitswesen generieren.“ Wir nannten das früher: drei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Gut, dass etwas in der Art auf uns zukommen würde, konnte nur der ignorieren, der Augen und Ohren zugleich verschließt. Das ist auf lange Zeit kaum möglich.

Sie erinnern sich an Renate Künast? Grüne Verbraucherschutzministerin von 2001 bis 2005. Sie hatte das Ernährungs- und Landwirtschaftsministerium auch namentlich um den Verbraucherschutz erweitert.* Und sie war die Ministerin, die öfter betonte, dass sie auch mal ein Stück Schokolade esse. An der Stelle wurde mir klar: Die meinen das ernst! Die wollen uns erziehen! Das alles wird noch einst enden in einer grünen Erziehungsdiktatur! Frau Künast hatte ja auch schon wacker angefangen: Die Tabakwerbung war verboten, Süßigkeitenwerbung sollte den Kinderaugen entzogen werden, und der Zucker war ihr nächster Gegner. „Zucker ist der neue Tabak“, sagte sie 2015.

Und nun? Die Regierung ist schwarz-rot. Mehr schwarz als rot. Die Grünen sind nicht einmal die stärkste Oppositionspartei. Und die Zuckersteuer soll nun die Mehreinnahmen für das Gesundheitswesen generieren.

Das Verfahren ist einfach – und in Großbritannien erprobt. Ab einer bestimmten Zuckermenge muss die Industrie bei der Herstellung von Softgetränken mehr Steuern zahlen. Der Ausweichtrick der Industrie ist so einfach wie gewollt: Sie weicht bei der Herstellung von Softgetränken auf Süßstoffe aus und muss die Steuer nicht oder nur gering zahlen. Erfolgszahlen aus Großbritannien liegen schon vor und werden in Deutschland gerade medial aufbereitet: weniger Karies, weniger Fettleibigkeit. Zahlen und Fakten zur Auswirkung des gesteigerten Süßstoffkonsums wird es erst in Jahren geben können. Es gibt aber Vermutungen, Verdachtsmomente und Hinweise: Auch Süßstoffe haben Wirkungen. Zum Beispiel auf den Blutzuckerspiegel. Oder die Darmflora. Oder und so weiter.

Kann also durchaus sein, dass sich nach jahrelanger Zuckersteuer herausstellen wird: Das Trinken von Softdrinks auf Süßstoffbasis geht zulasten der Gesundheit und damit auf Kosten der Krankenkasse. Linke Tasche, rechte Tasche – so sagten wir früher. Vielleicht hat die Wollmilchsau uns mit der Zuckersteuer also tatsächlich ein Ei gelegt.

Die gute Nachricht: Wir haben gar keine Erziehungsdiktatur bekommen. Meine Befürchtungen waren völlig übertrieben gewesen. Die schwarz-rote Regierung nutzt nur – und das ausgesprochen pragmatisch – die Felder, die die Grünen beackert haben.

PS: An dieser Stelle noch ein Rückblick in die Geschichte: 1902 hat Kaiser Wilhelm II. zur Finanzierung der kaiserlichen Kriegsflotte eine Sektsteuer eingeführt. Sie sprudelt noch heute, mehr als 120 Jahre nachdem die Schiffe versunken sind und nach zwei Weltkriegen, einer Monarchie, einer Republik und einer Diktatur. Die Zuckersteuer hingegen, 1841 in Preußen als Rübensteuer eingeführt, ist in Deutschland 1993 abgeschafft worden, um Wettbewerbsverzerrungen im EU-Binnenmarkt zu vermeiden.

*  2013 ist der Verbraucherschutz ins Justizministerium umgezogen, 2021 ins Umweltministerium.

Linkliste zur geplanten Zuckersteuer:

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Warkens Frauenpolitik: Eine Schattenrechnung

Sie haben’s schon gelesen, nicht wahr? Das mit der „gelebten Frauenpolitik“. Ist ja auch gut, dass endlich mal jemand die Frauen in oder an die Hand nimmt. Dass das auch noch bei der CDU passiert – nun gut, wir alle haben ja unsere falschen Erwartungen. Nun lebt also Nina Warken die Frauenpolitik par excellence. Denn: Die Beitragsfreiheit von Frauen, die über ihren Mann versichert sind, keine Kinder erziehen und keine Angehörigen pflegen, ist ein, ich zitiere: „Beschäftigungshemmnis“.

Es geht noch genauer: Das Streichen der Beitragsfreiheit für diese Frauen fördere die Eigenständigkeit und Vorsorge, vor allem bei der Rente, so Warken. Die Tagesschau berichtet am 17.04.2026:
https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/warken-kritik-mitversicherung-gesundheitsreform-100.html

Ja, recht hat sie. So ein Midi-Job von mindestens 603 Euro pro Monat: Damit ist der Lebensabend ohne Mann gesichert. Oder etwa nicht?

Auf jeden Fall lernen wir eines: Gelebte Frauenpolitik ist, wenn man die Frauen an oder in die Hand nimmt und ihnen die Richtung weist. Wurden früher die Frauen an den Herd geschickt, was, wie wir wissen, ja völlig falsch ist und weder Eigenständigkeit noch eigene Rente fördert, werden sie nun auf den Arbeitsmarkt geschickt. Damit sie eigenständig vorsorgen. Das ist gut, weil der Staat dann weniger vorsorgen muss. Ob das aber gelebte Frauenpolitik ist oder gelenkte Sozialpolitik, das müssten wir eigentlich ausdiskutieren.

Tun wir hier aber nicht. Denn nun geht’s zu Nina Warkens Schattenseiten. Optisch hat die ZEIT das wunderschön in Szene gesetzt, deswegen sei sie hier zuerst zitiert. Die Nachricht: Nina Warken will die monatliche Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung erhöhen. Einmalig und um 300 Euro.
https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-04/gesundheitsreform-krankenversicherung-nina-warken-spd-beitragsbemessungsgrenze

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Vom Staubtuch im Schlaraffenland – Eine Polemik wider die Ignoranz

„Hört auf die Hausfrauen-Ehe zu belohnen!“ – so die Überschrift zu einem Kommentar in der ZEIT, die dem Geist der Zeit gewiss entspricht, aber die eine gewisse Geistlosigkeit nicht ganz verhehlen kann. Das Erste, was ich höre, ist blanker Neid. Blanker Neid auf die Hausfrau, die zuhause mit ihrem Staubtuch wedelt, fröhlich Radio hört und mitsingt – und ihr freies und unabhängiges Leben inklusive einer kostenlosen Krankenkasse genießt. Das Zweite, was ich höre, ist: Heirateten sich einmal zwei Hausfrauen … Nein, das ist albern. Aber nur zum Spaß: Lassen Sie sich das Wort Hausfrauen-Ehe einmal richtig durch den Kopf gehen: Wer hat denn da wen geheiratet und warum? Richtig, die Hausfrau, die arbeitsscheu ist, hat sich einen Mann gesucht.

Ja, wo laufen sie denn? Ja, wo leben wir denn? Die Hausfrauen offenbar im Schlaraffenland, auf jeden Fall aber dort, wo die Zwei-Verdiener/innen-Ehe nicht stattfindet. Der Kommentar in der ZEIT liegt hinter Bezahlschranke – und an dieser Stelle bin ich zum Bezahlen tatsächlich nicht bereit. Zumal ich ja meine Krankenkasse selbst zahle. Falls Sie reinschauen wollen, der Kommentar von Carla Neuhaus ist vom 24. März und hier zu finden: 
https://www.zeit.de/wirtschaft/2026-03/mitversicherung-ehepartner-gesetzliche-krankenversicherung-reform

Nun ist das hier an dieser Stelle mein zweiter Einwurf zur Debatte. Und im Gegensatz zu meinem gestrigen Kommentar: Mir geht der Hut hoch. Und da wo nicht nur die ZEIT auf Stil und Anstand pfeift, springe ich dann gern mal persönlich in den Ring. Ja, was glaubt Ihr denn, Ihr Journalisten und -innen, Ihr Debattierenden und Diffamierenden, was glaubt Ihr, warum die Hausfrau zu Hause bleibt? Es ist ja eine maßlose Unterstellung, die da unausgesprochen durch’s WWW und durch den Blätterwald wabert.

  • Die Hausfrau bleibt zuhause, weil nicht jeder eine Oma und einen Opa um die Ecke hat, die jederzeit und nach Belieben einspringen können, wenn der Kindergarten mal wieder geschlossen hat, weil die Kindergartenplatzgarantie so recht nicht zum Personalangebot passt. Zum Beispiel.
  • Oder sie bleibt zuhause weil Mutter, Schwiegermutter, Vater und oder Schwiegervater versorgt werden müssen, weil sie nicht ins Heim sollen – und bei den tatsächlichen Kosten wohl oft auch gar nicht können.
  • Die Hausfrau bleibt zuhause, weil das Familienunternehmen gleichen Namens diese und jene und welche Unterstützungen im Alltag braucht, die deswegen nicht in Arbeitsverträge zu packen sind, weil sie beide Bereiche betreffen: Familie und Unternehmen. Ich rede gar nicht von Schwarzarbeit. Ich rede von den alltäglichen Zuarbeiten. Ein Unternehmer, der mehr als zehn Stunden täglich arbeitet, kann nicht auch noch einkaufen gehen, Wohnung putzen, Kinder zur Kita bringen, essen kochen.
  • Die Hausfrau ist Hausfrau, weil sie sich, warum auch immer, aber auf jeden Fall für andere Mitglieder dieser Gesellschaft zurückgestellt hat. Weil die Arbeit des Mannes im Vordergrund steht.

Ja, das ist gerade alles vollkommen unschick. Aus der Zeit gefallen, sozusagen. Und ich schwöre Ihnen: Gerne würden die meisten Hausfrauen sich beruflich selbst verwirklichen. Doch die Bedingungen: Sie sind einfach nicht so.

Zurück zu denen, die da neiden: Diese schreibenden Neider wissen ganz genau, warum die Hausfrau Hausfrau bleibt. Denn sie, die Neider, sind es, die ständig im Stau stehen, wenn die Kinder abgeholt werden müssen, denen ein plötzlicher Termin beruflicher Art die Einladung oder den Elternabend vermasselt. Sie sind es, die abends mit zwei quengelnden Kindern an jeder Hand im Supermarkt stehen und am liebsten selbst losheulen würden. Denn zuhause wartet der Herd, auch wenn’s wieder nur die Pizza wird, die Spülmaschine, die Waschmaschine – ja, der ganze Haushalt. Nennen wir ihn an dieser Stelle herrenlos. Und das ist ja nur das Pragmatische: Eigentlich würden auch diese Leute gerne abends mit den Kindern in Ruhe über die Erlebnisse des Tages reden, einen Blick über die Hausaufgaben werfen, beim Zubettgehen das gute Buch vorlesen. Eigentlich würden sie gerne all das tun, was sie glauben, dass die Hausfrau es sich einfach so nimmt.

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Kostenlose Kranken-Mitversicherung von Ehepartnern abschaffen?

Sie haben sie gefunden: Die Geldquelle, die die Finanzierungslücken der Krankenkassen füllen könnte. Die Überschriften zum Thema sind gendergerecht: Die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern bei den Krankenkassen soll gestrichen werden. Jede Wette: Die meisten davon sind Frauen. Die Koalition will jetzt also den Hausfrauen an den Kragen bzw. der Familie an den Geldbeutel. Denn wenn der nicht verdienende Ehepartner, also höchstwahrscheinlich meistens die nicht verdienende Ehepartnerin, Krankenkassengebühren zahlen muss, wird sie notgedrungen arbeiten gehen müssen. 

Das Handelsblatt berichtete heute, 23.03.2026 zuerst, allerdings hinter Bezahlschranke:
https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/gesundheitsreform-koalition-will-mitversicherung-von-ehepartnern-abschaffen/100207217.html

Der Merkur folgt dem Handelsblatt, ebenfalls am 23.03.2026, textlich: „Wie das Handelsblatt unter Berufung auf Koalitionskreise berichtet, könnten die Kosten um einen niedrigen einstelligen Milliardenbetrag pro Jahr gesenkt werden und den Anreiz erhöhen, arbeiten zu gehen. Weiter heißt es, dass künftig mindestens 225 Euro im Monat an Kranken- und Pflegekasse entrichtet werden sollen. Ausnahmen sollen für Menschen mit Kindern unter sechs Jahren oder pflegebedürftigen Angehörigen gelten. In Deutschland sind rund 16 Millionen Menschen kostenlos mitversichert, der Großteil davon sind Kinder.“
https://www.merkur.de/wirtschaft/krankenversicherung-koennte-fuer-familien-teurer-werden-bericht-ueber-heiklen-plan-merz-regierung-zr-94231706.html

Auch ntv zitiert in der Berichterstattung das Handelsblatt, 23.03.2026:
https://www.n-tv.de/politik/Kostenlose-Krankenversicherung-fuer-Ehepartner-koennte-kippen-id30500918.html

Die FAZ hat über ihren Artikel vom 23.06.2026 eine Bezahlschranke gelegt:
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/krankenkassen-ende-der-kostenlosen-partnerversicherung-rueckt-naeher-200662735.html

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Das Klima-Ei: Warum der Osterhase jetzt umschulen sollte

Der Eiermarkt ist angespannt, so erfährt der findige Googler, der sich schon jetzt um die Eierpreise bis Ostern sorgt. Seine Sorge ist berechtigt, sagen die einen. Die anderen sagen, und darin gleichen sie den Kölnern: Es ist noch immer gutgegangen. Vor allem an Ostern. Denn der wirklich auffällige Eierverbrauch – und jetzt werden Sie sich wundern – findet an Weihnachten statt. Wer sich um die ungelegten Eier kümmert, so könnte man nun spotten, der wird nie herausfinden, wo der Hase im Pfeffer liegt.

(Hier die Eierinfo für die Sorglosen, beim rbb, 19.03.2026:
https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2026/03/newcastle-krankheit-gefluegel-brandenburg-eier-umwelt.html)

Aber Moment: Noch sollte der Hase ja gar nicht im Pfeffer liegen, nicht einmal dann, wenn er zu Ostern auf den Tisch kommen soll. Zuvor sind doch die Eierpreise noch sein täglich Brot. Während ihm die Logistik in diesem Jahr wohl zur täglichen Not gereichen könnte. Woher nehmen und nicht stehlen? Denn den Eierdieb, so das Sprichwort, erkennt man an den Schalen.

Vielleicht ist es ja an der Zeit, dass der Osterhase ganz grundsätzlich umschult. Nicht zum falschen Hasen, als solcher käme er an Ostern sowieso eher nicht auf den Tisch. Der Verzehr tierischer Lebensmittel gilt ja inzwischen als Teil der Klimakatastrophe – und damit wohl auch als Vorzeichen des Weltuntergangs. Und genau hier könnte der Osterhase eine ganz entscheidende Vorreiterrolle einnehmen. Als Zeichen der Fruchtbarkeit, als Verkündiger der Auferstehung, als Sinnbild von Leben und Vergehen könnten wir ihn zum Prediger des DGE-Ernährungskreises machen. Den Kindern könnte er ein Osternest aus Bärlauch und essbaren Schlüsselblumenblüten im Beet verstecken. Den Eltern würde er ein hübsches Leporello mit der derzeit geltenden Ernährungsphilosophie in den Briefkasten werfen.

Sie wissen nicht, was der DGE-Ernährungskreis ist, oder? Die DGE kennen Sie, das ist die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Und die sorgt seit Beginn der 2020er-Jahre mit der Lehre vom Ernährungskreis – gewiss in Kenntnis von Alpha und Omega und dem Kreislauf vom Leben und Sterben – dafür, dass der Mensch auf keinen Fall nur isst, was er ist. Nein, das Ziel ist nun, dass der Mensch isst ohne der Umwelt zu schaden. Zu drei Vierteln, so das neue Dogma, soll der Speiseplan aus Pflanzlichem bestehen. Und zu höchstens einem Viertel  aus tierischen Produkten. Eier inklusive. Heißt: Ein Ei pro Woche reicht völlig. Netterweise sind nicht mitgezählt die Eier, die nicht der Hase, sondern der Koch oder Bäcker im Auflauf und im Kuchen versteckt haben.

Ausdrücklich aber erklärt die DGE: „Die Portionsangabe von einem Ei pro Woche beruht nicht auf einer Begrenzung aus gesundheitlichen Gründen, z. B. dem Cholesterin. Es ist eine Menge, die für die Nährstoffzufuhr und Gesundheit ausreichend ist, zugleich die Umwelt nicht stärker als nötig belastet und die den durchschnittlichen Verzehrgewohnheiten der deutschen Bevölkerung entspricht.“ Zu Ostern übrigens, das hatte die DGE ihrer Lehre vorangestellt, ist es aber völlig unproblematisch, mehr als dieses eine wöchentliche Ei zu essen.
https://www.dge.de/presse/meldungen/2024/auch-zu-ostern-eier-geniessen/

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Hundemüde und kein bisschen weise

Heimlich gähnen Sie derzeit auch manchmal, oder? Wenn keiner guckt. Weil die Sonne so schön scheint, die Vögel singen und das Frühjahr uns eigentlich nach draußen locken will. Aber ganz tief innen haben wir den Schalter doch noch gar nicht umgestellt. Frühjahrsmüdigkeit nennt man das.

Aber jetzt müssen Sie ganz stark sein: Es gibt sie gar nicht, diese Frühjahrsmüdigkeit. Forscher haben geforscht und gefragt. Zwar sagen wir Deutschen gerne, dass wir frühjahrsmüde sind, belegen können das die Forscher aber nicht. Denn die tageweise abgefragte Statistik ergibt: Da ist kein Unterschied zu anderen Jahreszeiten.

Und auch die Menschen anderer Länder, Nationen und Regionen sind von der Frühjahrsmüdigkeit nicht betroffen. Nur wir Deutschen. Die Frage ist: Wie lange eigentlich schon? Zwar hat sich die Studie (Links unter dem Text) nicht mit der Historie beschäftigt. Aber es gibt ja Hinweise. Das Grimmsche Wörterbuch zum Beispiel kennt die Frühjahrsmüdigkeit nicht. In alten Zeitungen (Zeitpunkt.NRW) taucht sie 1893 zum ersten Mal auf – und betrifft dort vor allem junge Menschen.

Die Studie, die gerade zentral und medial einschlägt, fasst das Problem so zusammen: Wer suchet, der findet. Wer glaubt, der sieht. Sozusagen. Die Frühjahrsmüdigkeit ist also, glaubt man den Studienergebnissen, nichts weiter als eine Selffulfilling Prophecy.

Gut. Aber was weiß denn schon die Wissenschaft? Vielleicht lässt sich die Frühjahrsmüdigkeit ebenso wenig grafisch darstellen wie die Heimat, die Gemütlichkeit, der Feierabend, der Weltschmerz, die Schadenfreude, die Geborgenheit und das Fernweh. Das ist der Katalog, den mir meine derzeitige Lieblings-KI zusammenstellt, wenn ich nach typisch deutschen Wörtern frage.

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Ritter, Riesen, Windmühlen und in NRW ein Alltagsheld in Hemdsärmeln

Der Elefant im Raum – dazu noch in schwebender Position! Dieses Bild, 2024 von der Krankenhausgesellschaft NRW entweder geprägt oder verbreitet, wird NRWs Gesundheitsminister Karl- Josef Laumann (CDU) nicht wieder los. Vielleicht will er es ja auch gar nicht – und vielleicht trifft es die Sache auch ganz gut. Auch wenn gemeinhin der Elefant im Raum das Thema ist, das alle geflissentlich übersehen, obwohl es unübersehbar ist.  
https://www.kgnw.de/presse/aktuelles/2024-04-26-gdw

Nun hat Laumann, der auch schon mal als Poltergeist, westfälisches Urgestein, Mann der Arbeit dargestellt wird, zumindest so elefantös den Raum betreten, dass die schreibende Zunft sich um herzhafte Beschreibungen bemüht.

Claudia Lehnen malt uns Laumann in ihrem Text im Kölner Stadt-Anzeiger als großen Bruder aus, der Taschengeld- und sonstige Freiräume für die Jüngeren miterkämpft.

Allen Bildern ist gemeinsam: Sie wollen einen Alltagshelden benennen. Einen der vielleicht ein wenig laut ist, der aber die nötigen Schritte tut.

Vielleicht ist es hier wie mit dem Licht, das seinen Schatten zurückwirft auf den, der da leuchtet. Sicher aber ist, dass diese sprachliche Suche nach hemdsärmeliger Heldenhaftigkeit auch viel mit der Sehnsucht des Schreibers zu tun hat. Und mit dem Versuch, etwas zu benennen, was aus dem Rahmen fällt.  

Und worum geht’s? Um die Termine beim Facharzt, die wohl kaum noch jemand binnen kurzer Frist bekommt. Um den Weg zum Facharzt, um den Lotsen zum Facharzt, um die freie Arztwahl geht es natürlich auch. Also im Grunde um die Quadratur des Kreises: Die freie Arztwahl soll nicht eingeschränkt werden, doch der Patient soll einen vorgeschriebenen Weg gehen. Zum Nutzen aller und zur Entlastung des überlasteten Systems. Das, was nach einer großen Gesundheitsreform klingt, die auf Bundesebene diskutiert wird, im Kleinen. Wobei das Kleine hier ja das Größte ist: NRW ist das Bundesland mit den meisten Einwohnern.

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Was will Warken mit dem Zuckerstreuer?

Da ist er schon wieder. Er versteckt sich in Überschriften, er tarnt sich mit anderen Worten, und doch, beim Lesen ist sofort klar: Wenn Warken was will oder Warken was nicht will, liegt immer ein Hauch von Spott in der Luft. Liegt es an der Alliteration? Die warme Welle weicher Ws, die der entschiedenen Kraft des Willens immer wieder unterliegen müssen?

Vielleicht – oder erinnern Sie sich an Überschriften wie: Merz will? Vorweggenommen: Es gibt sie, auch Merz will. Doch da geht meine Assoziation eher in Richtung Rösslein. Im nächsten Monat wird er sie anspannen, so das Volkslied. Die Alliteration hingegen hieße: Merz möchte … Das ist definitiv überschriftenuntauglich.

Zurück zu Warken: Sie will bei der Krankenhausreform den Vermittlungsausschuss vermeiden, sie will nicht die telefonische Krankschreibung rückabwickeln, sie will die Apothekenhonorare erhöhen – und sie will den Zuckerstreuer – Hoppla!

Tja – so viel zum Überschriftensalat im World Wide Web. Was Warken mit einem Zuckerstreuer wirklich will, hätte ich gerne gewusst. Aber da bleibt mir nur die Spekulation, denn die ZEIT berichtet, wie auch anders, in Wirklichkeit über die Zuckersteuer, die Warken vielleicht nun doch will.

Gut – manche Dinge muss man überzuckern. Sozusagen als Tarnung. Bei der Schluckimpfung zum Beispiel. Bis 1998 galt: Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist grausam. Der Würfelzucker wird immer noch eingesetzt, hat aber andere Aufgabenfelder gefunden. Bleibt also in Warkens Aufgabenbereich.

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64000 Ärzte – und wie wir über sie sprechen

64000 ausländische Ärzte arbeiteten 2024 in Deutschland. Diese und weitere Zahlen sind in den Medien, die faktisch und nicht fiktiv arbeiten, gleich und werden zitiert aus der Pressemitteilung Nr. N013 vom 24. Februar 2026 vom Statistische Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden.
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/02/PD26_N013_13_12.html

Die Zahlen sind überraschend und interessant – die Zusammenfassung spare ich aber mir und Ihnen. Da ist es sowieso besser, wenn Sie sie im Original lesen. Denn es gilt, und darauf will ich hinaus: Der Ton macht die Musik.

Die 64000 ausländischen Ärzte werden nämlich in der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes als Ärzte bezeichnet, die „keine deutsche Staatsangehörigkeit haben“. Es ist die Bild-Zeitung, die daraus „ausländische Ärzte“ macht. (Alle Links unten am Ende des Textes.)

Mag sein, dass Sie das im ersten Moment als latent abwertend wahrnehmen. Aber warum? Es ist ja gar nicht schlimm, „ausländisch“ zu sein. Eigentlich. Aber: Wer „keine deutsche Staatsangehörigkeit“ hat, wird der nicht über einen Mangel benannt?

Von der Bild zur Deutschen Welle. Von der Bild erwarten wir Stimmungsmache, von der Deutschen Welle Staatstragendes. Die Deutsche Welle beginnt ihre Einleitung: „Jeder achte Mediziner in Deutschland hat keinen deutschen Pass, jeder vierte ist ein Zuwanderer. Es stellt sich die Frage: Wie stünde das Gesundheitssystem ohne medizinisches Personal aus dem Ausland da?“

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Die Krankenhausreform und ihre sprachlichen Auswüchse

Das Krankenhausverbesserungsgesetz, das Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach während der vorigen Regierung durchgesetzt hat, will seine Nachfolgerin Nina Warken nun in ein Krankenhausreformanpassungsgesetz verwandeln. Die Worte sprechen an und für sich schon für sich, nicht wahr? Wir könnten auch fragen: Wie hieß doch gleich nochmal der Kapitän der Donaudampfschiffahrtsgesellschaft? Und wer die Wortspielerei einstens auf die Spitze treiben wollte, der setze darauf noch die Donaudampfschiffahrtsgesellschaftskapitänsmütze.

Nun: Papier ist geduldig, Sprache offenbar auch. Und die schier unendlich scheinende Möglichkeit der deutschen Sprache, ein Wort immer noch um ein Substantiv zu verlängern, ist legendär. Stellen Sie sich mal vor, wir wollten diesem Kapitän noch ein Wappen auf die Mütze nähen. Vielleicht den Bundesadler?

Vielleicht denken Sie nun, das mit der Donau und dem Schiff habe ich etwas weit hergeholt. Ja, habe ich. Aber immerhin habe ich uns so ans oder aufs Wasser gebracht. Und dahin wird auch das Krankenhausreformanpassungsgesetz führen, sagt Karl Lauterbach. „Die Krankenhausreform droht, verwässert zu werden, und das wäre fatal“, zitiert ihn der „Spiegel“ am 04.02.2026:
https://www.spiegel.de/wirtschaft/karl-lauterbach-und-oekonomen-warnen-vor-kosten-durch-klinikplaene-von-nina-warken-a-e5158d56-33e1-4bf3-aacc-1f4fcecb99b3

Wobei er klugerweise das Wortungeheuer auf den schlichten Sachverhalt reduziert. Ihm zur Seite steht argumentativ das Wirtschaftsforschungsinstitut RWI, das an dem Gesetz mitgeschrieben hat. Dort warnt man allerdings nicht vor einer Verwässerung des Gesetzes, sondern vor einer Verpuffung.

Sprachlich könnten wir Nina Warken nun darum bitten, sie möge doch an einem Krankenhausreformanpassungsgesetzverpuffungsschutzmechanismus arbeiten. Ähnlicher Ansicht ist wohl Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes. Sie fordert, so berichtet die Frankfurter Rundschau am 04.02.2026, dass aus dem Gesetz nicht ein „Krankenhausreform-Aufweichungsgesetz“ werden möge.
https://www.fr.de/wirtschaft/krankenhausreform-merz-regierung-experten-lauterbach-kritik-94154274.html

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Ein Bild und viele ungesagte Worte

Es könnte ein modernes Stillleben sein. Wenngleich ein fotografisches. Auf jeden Fall aber ein stilistisches. Der Tisch ist kein Tisch, sondern eine Fläche ganz in Rosa. Der Hintergrund ist keine Wand, sondern eine Fläche ganz in Türkis. Auf der Fläche, die kein Tisch ist aber rosa, steht eine Schale, vielleicht aus Keramik. Auf jeden Fall eine rustikale Schale, deren Porzellan an Keramik erinnern soll. Die Schale ist deutlich größer als ein Essteller es wäre. Man könnte sie gut als Obstschale verwenden. Für ein Stillleben hat das ja Tradition.

Aber da ist kein Obst, da sind nur Nudeln. Die ganze Schale voll mit Nudeln. Kunstvoll geschichtete Fusilli. Beim Hingucken fühlen Sie sich unweigerlich an den Konservenstapel erinnert: Irgendwer muss hier von unten eine Nudel herausziehen, und dann gibt es den fusillischen Dominoeffekt. Von allein jedenfalls fallen die Nudeln nicht. Erstens: Es ist ein Bild. Zweitens: Die Nudeln sind gar nicht gar. Sie sind nur fast gar. Vielleicht kleben sie dann besser.

Das Bild also ist farblich anregend. Appetitlich ist es nicht. Und wer würde schon eine solche Schale voller Nudeln essen wollen. Pur und garantiert ohne Ketchup.

Aber: Das Bild ist ein Stillleben. Wir schreiben das ja jetzt mit drei „l“. Damit jeder weiß: Das Bild ist still.

Wäre die Umgebung des Bildes auch still geblieben, es hätte einen gewissen Reiz. Aber: Das Bild ist umgeben von Text. Denn es ist gar kein Bild, es ist eine Illustration. Dass Adipositas das Thema ist, hatten Sie vor lauter Bild gewiss übersehen. Die Überschrift aber ist unübersehbar: „Wie Übergewicht das Gehirn programmiert – und welche Folgen es mit sich bringt“, will uns Geo am 21.01.2026 unterrichten. Und verspricht uns: In sechs Minuten sind wir durch mit dem Text. Kann man schaffen. Ob man das muss, will ich nicht beurteilen.
https://www.geo.de/wissen/gesundheit/adipositas-veraendert-unser-gehirn-37061672.html

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Auf die Blaumacher, fertig, los!

„Jetzt geht es den Blaumachern an den Kragen“, lautet die Schlagzeile, die sofort ins Auge springt. Und es ist mir ein Vergnügen, Sie raten zu lassen, wer mit dieser Zeile in die Schlacht zieht. Nein, natürlich ist es nicht die Bild-Zeitung. Denn die hofft ja gewiss auch auf die Blaumacher als Leser. Wer hier sprachlich die Messer wetzt, ist weder auf das Abo noch auf den Einzelkauf der Blaumacher angewiesen. Natürlich ist es die FAZ. Und die titelt hier unter Zurücknahme aller Contenance, die an dieser Stelle auch journalistisch geboten wäre. Der Autor, Christian Geinitz, kommentiert in einem anderen Artikel gleich in der Überschrift: „Blaumachen ist unverantwortlich“. Stellt sich, nebenbei bemerkt, noch die Frage, ob es denn verantwortlich ist, journalistisch mit Klischees zu arbeiten, die mehr als 100 Jahre alt sind – und definitiv aus einer völlig anderen Arbeitswelt stammen.

Beide Artikel der FAZ sind vom 20.01.2026 hinter Bezahlschranke:
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/gesundheitsministerin-nina-warken-will-telefonische-krankschreibung-pruefen-200457689.html
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/telefonische-krankschreibung-blaumachen-ist-unverantwortlich-110822540.html

Gut, ohne die Bezahlschranke zu überwinden, kann ich nicht wirklich wissen, worüber sich Christian Geinitz dergestalt aufregen will, dass wir ihm zurufen möchten: „Auf in den Kampf, die Schwiegermutter naht. Stolz in der Brust, siegesbewusst.“ Doch dass die telefonische Krankschreibung der Auslöser für Artikel und Kommentar sind, daran lassen die ausführlichen URLs ja keinen Zweifel.

Aber das Thema ist ja auch zu schön. Die Liste derer, die es aufnehmen, ist lang. Und das liegt daran, dass Nina Warken, die Bundesgesundheitsministerin, auf Merzens Einwürfe reagiert hat. Zwar haben wir noch nicht einmal Februar, und erst im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt … Aber wer kanzlert, muss früh aufstehen. Sie wissen schon, der frühe Vogel fängt den Blaumacher. Oder: „Wenn früh am Morgen die Werksirene dröhnt und die Stechuhr beim Stechen lustvoll stöhnt …“

Nun stellen sich also die großen Medien hinter Merz und Warken, um der telefonischen Krankschreibung den Garaus zu machen, und wie Geier Sturzflug es 1982 so schön besungen hat, das Bruttosozialprodukt zu steigern. Hier zur Erinnerung die zweite Strophe:

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Kommentar: Die Diskussion zum Krankenstand verfehlt ihr eigenes Thema

Und? Kennen Sie den Refrain schon auswendig? Wir singen, Sie haben es schon gemerkt, wieder das Lied vom hohen Krankenstand in Deutschland. Bundeskanzler Friedrich Merz hat angestimmt. Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Bad Rappenau, der zweitgrößten Stadt im Landkreis Heidelberg im Lande Baden-Württemberg. Die Landtagswahl ist schon bald, am 8. März.

Aber halt, ich bin ungenau: Das Lied vom hohen Krankenstand wurde schon gleich nach dem Jahreswechsel gesungen – und zwar auf der Klausurtagung der CSU. Und dort wurde als Beschluss gefasst die Forderung nach Abschaffung der telefonischen Krankschreibung.

Nun ist Wahlkampf in Baden-Württemberg und Friedrich Merz singt denselben Text. KBV-Chef Andreas Gassen fällt ein und stimmt ihm zu. Die telefonische Krankschreibung lade natürlich zum Missbrauch ein, wird er in den Nachrichten gerade gerne und überall zitiert (alle Links unten am Ende des Textes).

Hängt Andreas Gassen nun sein Fähnchen in den Wind? Oder segelt er im Windschatten? Sicher ist: Gassen verfolgt seine eigenen Ziele – und die sind sehr viel grundsätzlicher. Sein Vorstoß im Oktober 2025: Die Abschaffung der AU in den ersten drei Tagen. Die nämlich produziere Abertausende von Arztbesuchen, die nicht notwendig seien. Und vielleicht könne man bei der Gelegenheit auch gleich die Dreitagepflicht zur Vier- oder Fünftagepflicht ausweiten.

Dass Gassen mit diesen Vorschlägen bei Bundesgesundheitministerin Nina Warken keineswegs auf offene Ohren oder Türen stieß, ist nicht verblüffend. Und dass Gassen seine Idee weiterverfolgt, verwundert auch nicht. Denkt man sein Modell zu Ende, dann bedarf es der telefonischen Krankschreibung schlicht gar nicht: Ein kranker Arbeitnehmer mit fünf Karenztagen ist nach diesen Tagen entweder wieder gesund oder aber ernsthaft krank – und ein Gang zum Arzt ist sowieso notwendig.

Bleibt die Frage, warum Gassen Merz zur Seite springt. Oder hat er sich einfach nur medial verkalkuliert. Vielleicht hatte er gehofft, die Diskussion in seinem Sinne verschieben zu können. Und vielleicht spielt er dabei mit dem Feuer: Hinter Merzens Forderung, die natürlich auch die Forderung der CDU ist, stecken die Wirtschaftsverbände, die nicht wirklich den hohen Krankenstand meinen, wenn sie klagen. Sie suchen nur nach Wegen der Produktivitätssteigerung. Denn dass der Krankenstand auch deswegen eklatant gestiegen ist, weil die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen mittlerweile alle – und die Betonung liegt auf alle – elektronisch erfasst werden, hat sich mit Sicherheit auch bis dahin rumgesprochen.

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