MVZ – das heißt Medizinisches Versorgungszentrum. Völlig klar. Absolut geläufig. Alltag in Deutschland seit 2004. Ob 2004 vor Kurzem erst war oder schon lange her ist, ist wahrscheinlich eine Frage des eigenen Alters. Verblüfft aber werden Sie trotzdem ein wenig sein, wenn ich Ihnen verrate: 2004 gab es in Deutschland 70 MVZ. 2024 waren es weit über 5000. Einen Überblick über die Entwicklung der MVZ und ihre Ausgestaltungen finden Sie in diesem PDF der KBV:
https://www.kbv.de/documents/infothek/zahlen-und-fakten/mvz/mvz_entwicklungen.pdf
Hier aber wechseln wir den Standort: Mitnichten arbeitet jedes MVZ medizinisch, auch wenn nach mehr als 20 Jahren das Kürzel alle anderen MVZ aus dem Rennen geworfen hat. In der Industrie weiß man aber immer noch die MVZ als Müllverbrennungszentren zu schätzen. Oder als das genaue Gegenteil: Materialversorgungszentren. Maschinenversorgungszentren kürzeln sich ebenfalls MVZ.
Eine Stolperfalle dagegen ist das MZV Biedenkopf. Das ist weder ein Tippfehler noch ein Buchstabendreher noch arbeiten hier Mediziner. Es ist auch keinesfalls ein Müllversorgungszentrum – diese Form der Entkürzelung ist vielleicht mehr Spott als Missverstand. Richtig muss es heißen: Müllabfuhrzweckverband. (Ein Buchstabenungeheuer, das jedes Scrabble-Brett sprengt.)
Dann gibt es da noch die Medienversorgungszentren. Möglicherweise auch ein Mietervorsorgezentrum. All diese Organisationen haben in den vergangenen Jahrzehnten deutlich an Aufmerksamkeit verloren – zumindest online. Googeln Sie mal einfach nur das Kürzel MVZ. Schon sind Sie von Ärzten umzingelt. Bildlich gesprochen.
Und dann denken Sie an die vielen MVZ, die es noch gar nicht gibt, aber die sich jede Abkürzung schon vor ihrer Taufe schenken können:
