NACHRICHTENPORTAL

Nachrichten aus dem Gesundheitswesen

Vom Staubtuch im Schlaraffenland – Eine Polemik wider die Ignoranz

„Hört auf die Hausfrauen-Ehe zu belohnen!“ – so die Überschrift zu einem Kommentar in der ZEIT, die dem Geist der Zeit gewiss entspricht, aber die eine gewisse Geistlosigkeit nicht ganz verhehlen kann. Das Erste, was ich höre, ist blanker Neid. Blanker Neid auf die Hausfrau, die zuhause mit ihrem Staubtuch wedelt, fröhlich Radio hört und mitsingt – und ihr freies und unabhängiges Leben inklusive einer kostenlosen Krankenkasse genießt. Das Zweite, was ich höre, ist: Heirateten sich einmal zwei Hausfrauen … Nein, das ist albern. Aber nur zum Spaß: Lassen Sie sich das Wort Hausfrauen-Ehe einmal richtig durch den Kopf gehen: Wer hat denn da wen geheiratet und warum? Richtig, die Hausfrau, die arbeitsscheu ist, hat sich einen Mann gesucht.

Ja, wo laufen sie denn? Ja, wo leben wir denn? Die Hausfrauen offenbar im Schlaraffenland, auf jeden Fall aber dort, wo die Zwei-Verdiener/innen-Ehe nicht stattfindet. Der Kommentar in der ZEIT liegt hinter Bezahlschranke – und an dieser Stelle bin ich zum Bezahlen tatsächlich nicht bereit. Zumal ich ja meine Krankenkasse selbst zahle. Falls Sie reinschauen wollen, der Kommentar von Carla Neuhaus ist vom 24. März und hier zu finden: 
https://www.zeit.de/wirtschaft/2026-03/mitversicherung-ehepartner-gesetzliche-krankenversicherung-reform

Nun ist das hier an dieser Stelle mein zweiter Einwurf zur Debatte. Und im Gegensatz zu meinem gestrigen Kommentar: Mir geht der Hut hoch. Und da wo nicht nur die ZEIT auf Stil und Anstand pfeift, springe ich dann gern mal persönlich in den Ring. Ja, was glaubt Ihr denn, Ihr Journalisten und -innen, Ihr Debattierenden und Diffamierenden, was glaubt Ihr, warum die Hausfrau zu Hause bleibt? Es ist ja eine maßlose Unterstellung, die da unausgesprochen durch’s WWW und durch den Blätterwald wabert.

  • Die Hausfrau bleibt zuhause, weil nicht jeder eine Oma und einen Opa um die Ecke hat, die jederzeit und nach Belieben einspringen können, wenn der Kindergarten mal wieder geschlossen hat, weil die Kindergartenplatzgarantie so recht nicht zum Personalangebot passt. Zum Beispiel.
  • Oder sie bleibt zuhause weil Mutter, Schwiegermutter, Vater und oder Schwiegervater versorgt werden müssen, weil sie nicht ins Heim sollen – und bei den tatsächlichen Kosten wohl oft auch gar nicht können.
  • Die Hausfrau bleibt zuhause, weil das Familienunternehmen gleichen Namens diese und jene und welche Unterstützungen im Alltag braucht, die deswegen nicht in Arbeitsverträge zu packen sind, weil sie beide Bereiche betreffen: Familie und Unternehmen. Ich rede gar nicht von Schwarzarbeit. Ich rede von den alltäglichen Zuarbeiten. Ein Unternehmer, der mehr als zehn Stunden täglich arbeitet, kann nicht auch noch einkaufen gehen, Wohnung putzen, Kinder zur Kita bringen, essen kochen.
  • Die Hausfrau ist Hausfrau, weil sie sich, warum auch immer, aber auf jeden Fall für andere Mitglieder dieser Gesellschaft zurückgestellt hat. Weil die Arbeit des Mannes im Vordergrund steht.

Ja, das ist gerade alles vollkommen unschick. Aus der Zeit gefallen, sozusagen. Und ich schwöre Ihnen: Gerne würden die meisten Hausfrauen sich beruflich selbst verwirklichen. Doch die Bedingungen: Sie sind einfach nicht so.

Zurück zu denen, die da neiden: Diese schreibenden Neider wissen ganz genau, warum die Hausfrau Hausfrau bleibt. Denn sie, die Neider, sind es, die ständig im Stau stehen, wenn die Kinder abgeholt werden müssen, denen ein plötzlicher Termin beruflicher Art die Einladung oder den Elternabend vermasselt. Sie sind es, die abends mit zwei quengelnden Kindern an jeder Hand im Supermarkt stehen und am liebsten selbst losheulen würden. Denn zuhause wartet der Herd, auch wenn’s wieder nur die Pizza wird, die Spülmaschine, die Waschmaschine – ja, der ganze Haushalt. Nennen wir ihn an dieser Stelle herrenlos. Und das ist ja nur das Pragmatische: Eigentlich würden auch diese Leute gerne abends mit den Kindern in Ruhe über die Erlebnisse des Tages reden, einen Blick über die Hausaufgaben werfen, beim Zubettgehen das gute Buch vorlesen. Eigentlich würden sie gerne all das tun, was sie glauben, dass die Hausfrau es sich einfach so nimmt.

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Kostenlose Kranken-Mitversicherung von Ehepartnern abschaffen?

Sie haben sie gefunden: Die Geldquelle, die die Finanzierungslücken der Krankenkassen füllen könnte. Die Überschriften zum Thema sind gendergerecht: Die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern bei den Krankenkassen soll gestrichen werden. Jede Wette: Die meisten davon sind Frauen. Die Koalition will jetzt also den Hausfrauen an den Kragen bzw. der Familie an den Geldbeutel. Denn wenn der nicht verdienende Ehepartner, also höchstwahrscheinlich meistens die nicht verdienende Ehepartnerin, Krankenkassengebühren zahlen muss, wird sie notgedrungen arbeiten gehen müssen. 

Das Handelsblatt berichtete heute, 23.03.2026 zuerst, allerdings hinter Bezahlschranke:
https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/gesundheitsreform-koalition-will-mitversicherung-von-ehepartnern-abschaffen/100207217.html

Der Merkur folgt dem Handelsblatt, ebenfalls am 23.03.2026, textlich: „Wie das Handelsblatt unter Berufung auf Koalitionskreise berichtet, könnten die Kosten um einen niedrigen einstelligen Milliardenbetrag pro Jahr gesenkt werden und den Anreiz erhöhen, arbeiten zu gehen. Weiter heißt es, dass künftig mindestens 225 Euro im Monat an Kranken- und Pflegekasse entrichtet werden sollen. Ausnahmen sollen für Menschen mit Kindern unter sechs Jahren oder pflegebedürftigen Angehörigen gelten. In Deutschland sind rund 16 Millionen Menschen kostenlos mitversichert, der Großteil davon sind Kinder.“
https://www.merkur.de/wirtschaft/krankenversicherung-koennte-fuer-familien-teurer-werden-bericht-ueber-heiklen-plan-merz-regierung-zr-94231706.html

Auch ntv zitiert in der Berichterstattung das Handelsblatt, 23.03.2026:
https://www.n-tv.de/politik/Kostenlose-Krankenversicherung-fuer-Ehepartner-koennte-kippen-id30500918.html

Die FAZ hat über ihren Artikel vom 23.06.2026 eine Bezahlschranke gelegt:
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/krankenkassen-ende-der-kostenlosen-partnerversicherung-rueckt-naeher-200662735.html

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Das Klima-Ei: Warum der Osterhase jetzt umschulen sollte

Der Eiermarkt ist angespannt, so erfährt der findige Googler, der sich schon jetzt um die Eierpreise bis Ostern sorgt. Seine Sorge ist berechtigt, sagen die einen. Die anderen sagen, und darin gleichen sie den Kölnern: Es ist noch immer gutgegangen. Vor allem an Ostern. Denn der wirklich auffällige Eierverbrauch – und jetzt werden Sie sich wundern – findet an Weihnachten statt. Wer sich um die ungelegten Eier kümmert, so könnte man nun spotten, der wird nie herausfinden, wo der Hase im Pfeffer liegt.

(Hier die Eierinfo für die Sorglosen, beim rbb, 19.03.2026:
https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2026/03/newcastle-krankheit-gefluegel-brandenburg-eier-umwelt.html)

Aber Moment: Noch sollte der Hase ja gar nicht im Pfeffer liegen, nicht einmal dann, wenn er zu Ostern auf den Tisch kommen soll. Zuvor sind doch die Eierpreise noch sein täglich Brot. Während ihm die Logistik in diesem Jahr wohl zur täglichen Not gereichen könnte. Woher nehmen und nicht stehlen? Denn den Eierdieb, so das Sprichwort, erkennt man an den Schalen.

Vielleicht ist es ja an der Zeit, dass der Osterhase ganz grundsätzlich umschult. Nicht zum falschen Hasen, als solcher käme er an Ostern sowieso eher nicht auf den Tisch. Der Verzehr tierischer Lebensmittel gilt ja inzwischen als Teil der Klimakatastrophe – und damit wohl auch als Vorzeichen des Weltuntergangs. Und genau hier könnte der Osterhase eine ganz entscheidende Vorreiterrolle einnehmen. Als Zeichen der Fruchtbarkeit, als Verkündiger der Auferstehung, als Sinnbild von Leben und Vergehen könnten wir ihn zum Prediger des DGE-Ernährungskreises machen. Den Kindern könnte er ein Osternest aus Bärlauch und essbaren Schlüsselblumenblüten im Beet verstecken. Den Eltern würde er ein hübsches Leporello mit der derzeit geltenden Ernährungsphilosophie in den Briefkasten werfen.

Sie wissen nicht, was der DGE-Ernährungskreis ist, oder? Die DGE kennen Sie, das ist die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Und die sorgt seit Beginn der 2020er-Jahre mit der Lehre vom Ernährungskreis – gewiss in Kenntnis von Alpha und Omega und dem Kreislauf vom Leben und Sterben – dafür, dass der Mensch auf keinen Fall nur isst, was er ist. Nein, das Ziel ist nun, dass der Mensch isst ohne der Umwelt zu schaden. Zu drei Vierteln, so das neue Dogma, soll der Speiseplan aus Pflanzlichem bestehen. Und zu höchstens einem Viertel  aus tierischen Produkten. Eier inklusive. Heißt: Ein Ei pro Woche reicht völlig. Netterweise sind nicht mitgezählt die Eier, die nicht der Hase, sondern der Koch oder Bäcker im Auflauf und im Kuchen versteckt haben.

Ausdrücklich aber erklärt die DGE: „Die Portionsangabe von einem Ei pro Woche beruht nicht auf einer Begrenzung aus gesundheitlichen Gründen, z. B. dem Cholesterin. Es ist eine Menge, die für die Nährstoffzufuhr und Gesundheit ausreichend ist, zugleich die Umwelt nicht stärker als nötig belastet und die den durchschnittlichen Verzehrgewohnheiten der deutschen Bevölkerung entspricht.“ Zu Ostern übrigens, das hatte die DGE ihrer Lehre vorangestellt, ist es aber völlig unproblematisch, mehr als dieses eine wöchentliche Ei zu essen.
https://www.dge.de/presse/meldungen/2024/auch-zu-ostern-eier-geniessen/

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Hundemüde und kein bisschen weise

Heimlich gähnen Sie derzeit auch manchmal, oder? Wenn keiner guckt. Weil die Sonne so schön scheint, die Vögel singen und das Frühjahr uns eigentlich nach draußen locken will. Aber ganz tief innen haben wir den Schalter doch noch gar nicht umgestellt. Frühjahrsmüdigkeit nennt man das.

Aber jetzt müssen Sie ganz stark sein: Es gibt sie gar nicht, diese Frühjahrsmüdigkeit. Forscher haben geforscht und gefragt. Zwar sagen wir Deutschen gerne, dass wir frühjahrsmüde sind, belegen können das die Forscher aber nicht. Denn die tageweise abgefragte Statistik ergibt: Da ist kein Unterschied zu anderen Jahreszeiten.

Und auch die Menschen anderer Länder, Nationen und Regionen sind von der Frühjahrsmüdigkeit nicht betroffen. Nur wir Deutschen. Die Frage ist: Wie lange eigentlich schon? Zwar hat sich die Studie (Links unter dem Text) nicht mit der Historie beschäftigt. Aber es gibt ja Hinweise. Das Grimmsche Wörterbuch zum Beispiel kennt die Frühjahrsmüdigkeit nicht. In alten Zeitungen (Zeitpunkt.NRW) taucht sie 1893 zum ersten Mal auf – und betrifft dort vor allem junge Menschen.

Die Studie, die gerade zentral und medial einschlägt, fasst das Problem so zusammen: Wer suchet, der findet. Wer glaubt, der sieht. Sozusagen. Die Frühjahrsmüdigkeit ist also, glaubt man den Studienergebnissen, nichts weiter als eine Selffulfilling Prophecy.

Gut. Aber was weiß denn schon die Wissenschaft? Vielleicht lässt sich die Frühjahrsmüdigkeit ebenso wenig grafisch darstellen wie die Heimat, die Gemütlichkeit, der Feierabend, der Weltschmerz, die Schadenfreude, die Geborgenheit und das Fernweh. Das ist der Katalog, den mir meine derzeitige Lieblings-KI zusammenstellt, wenn ich nach typisch deutschen Wörtern frage.

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Ritter, Riesen, Windmühlen und in NRW ein Alltagsheld in Hemdsärmeln

Der Elefant im Raum – dazu noch in schwebender Position! Dieses Bild, 2024 von der Krankenhausgesellschaft NRW entweder geprägt oder verbreitet, wird NRWs Gesundheitsminister Karl- Josef Laumann (CDU) nicht wieder los. Vielleicht will er es ja auch gar nicht – und vielleicht trifft es die Sache auch ganz gut. Auch wenn gemeinhin der Elefant im Raum das Thema ist, das alle geflissentlich übersehen, obwohl es unübersehbar ist.  
https://www.kgnw.de/presse/aktuelles/2024-04-26-gdw

Nun hat Laumann, der auch schon mal als Poltergeist, westfälisches Urgestein, Mann der Arbeit dargestellt wird, zumindest so elefantös den Raum betreten, dass die schreibende Zunft sich um herzhafte Beschreibungen bemüht.

Claudia Lehnen malt uns Laumann in ihrem Text im Kölner Stadt-Anzeiger als großen Bruder aus, der Taschengeld- und sonstige Freiräume für die Jüngeren miterkämpft.

Allen Bildern ist gemeinsam: Sie wollen einen Alltagshelden benennen. Einen der vielleicht ein wenig laut ist, der aber die nötigen Schritte tut.

Vielleicht ist es hier wie mit dem Licht, das seinen Schatten zurückwirft auf den, der da leuchtet. Sicher aber ist, dass diese sprachliche Suche nach hemdsärmeliger Heldenhaftigkeit auch viel mit der Sehnsucht des Schreibers zu tun hat. Und mit dem Versuch, etwas zu benennen, was aus dem Rahmen fällt.  

Und worum geht’s? Um die Termine beim Facharzt, die wohl kaum noch jemand binnen kurzer Frist bekommt. Um den Weg zum Facharzt, um den Lotsen zum Facharzt, um die freie Arztwahl geht es natürlich auch. Also im Grunde um die Quadratur des Kreises: Die freie Arztwahl soll nicht eingeschränkt werden, doch der Patient soll einen vorgeschriebenen Weg gehen. Zum Nutzen aller und zur Entlastung des überlasteten Systems. Das, was nach einer großen Gesundheitsreform klingt, die auf Bundesebene diskutiert wird, im Kleinen. Wobei das Kleine hier ja das Größte ist: NRW ist das Bundesland mit den meisten Einwohnern.

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Was will Warken mit dem Zuckerstreuer?

Da ist er schon wieder. Er versteckt sich in Überschriften, er tarnt sich mit anderen Worten, und doch, beim Lesen ist sofort klar: Wenn Warken was will oder Warken was nicht will, liegt immer ein Hauch von Spott in der Luft. Liegt es an der Alliteration? Die warme Welle weicher Ws, die der entschiedenen Kraft des Willens immer wieder unterliegen müssen?

Vielleicht – oder erinnern Sie sich an Überschriften wie: Merz will? Vorweggenommen: Es gibt sie, auch Merz will. Doch da geht meine Assoziation eher in Richtung Rösslein. Im nächsten Monat wird er sie anspannen, so das Volkslied. Die Alliteration hingegen hieße: Merz möchte … Das ist definitiv überschriftenuntauglich.

Zurück zu Warken: Sie will bei der Krankenhausreform den Vermittlungsausschuss vermeiden, sie will nicht die telefonische Krankschreibung rückabwickeln, sie will die Apothekenhonorare erhöhen – und sie will den Zuckerstreuer – Hoppla!

Tja – so viel zum Überschriftensalat im World Wide Web. Was Warken mit einem Zuckerstreuer wirklich will, hätte ich gerne gewusst. Aber da bleibt mir nur die Spekulation, denn die ZEIT berichtet, wie auch anders, in Wirklichkeit über die Zuckersteuer, die Warken vielleicht nun doch will.

Gut – manche Dinge muss man überzuckern. Sozusagen als Tarnung. Bei der Schluckimpfung zum Beispiel. Bis 1998 galt: Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist grausam. Der Würfelzucker wird immer noch eingesetzt, hat aber andere Aufgabenfelder gefunden. Bleibt also in Warkens Aufgabenbereich.

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64000 Ärzte – und wie wir über sie sprechen

64000 ausländische Ärzte arbeiteten 2024 in Deutschland. Diese und weitere Zahlen sind in den Medien, die faktisch und nicht fiktiv arbeiten, gleich und werden zitiert aus der Pressemitteilung Nr. N013 vom 24. Februar 2026 vom Statistische Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden.
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/02/PD26_N013_13_12.html

Die Zahlen sind überraschend und interessant – die Zusammenfassung spare ich aber mir und Ihnen. Da ist es sowieso besser, wenn Sie sie im Original lesen. Denn es gilt, und darauf will ich hinaus: Der Ton macht die Musik.

Die 64000 ausländischen Ärzte werden nämlich in der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes als Ärzte bezeichnet, die „keine deutsche Staatsangehörigkeit haben“. Es ist die Bild-Zeitung, die daraus „ausländische Ärzte“ macht. (Alle Links unten am Ende des Textes.)

Mag sein, dass Sie das im ersten Moment als latent abwertend wahrnehmen. Aber warum? Es ist ja gar nicht schlimm, „ausländisch“ zu sein. Eigentlich. Aber: Wer „keine deutsche Staatsangehörigkeit“ hat, wird der nicht über einen Mangel benannt?

Von der Bild zur Deutschen Welle. Von der Bild erwarten wir Stimmungsmache, von der Deutschen Welle Staatstragendes. Die Deutsche Welle beginnt ihre Einleitung: „Jeder achte Mediziner in Deutschland hat keinen deutschen Pass, jeder vierte ist ein Zuwanderer. Es stellt sich die Frage: Wie stünde das Gesundheitssystem ohne medizinisches Personal aus dem Ausland da?“

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Die Krankenhausreform und ihre sprachlichen Auswüchse

Das Krankenhausverbesserungsgesetz, das Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach während der vorigen Regierung durchgesetzt hat, will seine Nachfolgerin Nina Warken nun in ein Krankenhausreformanpassungsgesetz verwandeln. Die Worte sprechen an und für sich schon für sich, nicht wahr? Wir könnten auch fragen: Wie hieß doch gleich nochmal der Kapitän der Donaudampfschiffahrtsgesellschaft? Und wer die Wortspielerei einstens auf die Spitze treiben wollte, der setze darauf noch die Donaudampfschiffahrtsgesellschaftskapitänsmütze.

Nun: Papier ist geduldig, Sprache offenbar auch. Und die schier unendlich scheinende Möglichkeit der deutschen Sprache, ein Wort immer noch um ein Substantiv zu verlängern, ist legendär. Stellen Sie sich mal vor, wir wollten diesem Kapitän noch ein Wappen auf die Mütze nähen. Vielleicht den Bundesadler?

Vielleicht denken Sie nun, das mit der Donau und dem Schiff habe ich etwas weit hergeholt. Ja, habe ich. Aber immerhin habe ich uns so ans oder aufs Wasser gebracht. Und dahin wird auch das Krankenhausreformanpassungsgesetz führen, sagt Karl Lauterbach. „Die Krankenhausreform droht, verwässert zu werden, und das wäre fatal“, zitiert ihn der „Spiegel“ am 04.02.2026:
https://www.spiegel.de/wirtschaft/karl-lauterbach-und-oekonomen-warnen-vor-kosten-durch-klinikplaene-von-nina-warken-a-e5158d56-33e1-4bf3-aacc-1f4fcecb99b3

Wobei er klugerweise das Wortungeheuer auf den schlichten Sachverhalt reduziert. Ihm zur Seite steht argumentativ das Wirtschaftsforschungsinstitut RWI, das an dem Gesetz mitgeschrieben hat. Dort warnt man allerdings nicht vor einer Verwässerung des Gesetzes, sondern vor einer Verpuffung.

Sprachlich könnten wir Nina Warken nun darum bitten, sie möge doch an einem Krankenhausreformanpassungsgesetzverpuffungsschutzmechanismus arbeiten. Ähnlicher Ansicht ist wohl Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes. Sie fordert, so berichtet die Frankfurter Rundschau am 04.02.2026, dass aus dem Gesetz nicht ein „Krankenhausreform-Aufweichungsgesetz“ werden möge.
https://www.fr.de/wirtschaft/krankenhausreform-merz-regierung-experten-lauterbach-kritik-94154274.html

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Ein Bild und viele ungesagte Worte

Es könnte ein modernes Stillleben sein. Wenngleich ein fotografisches. Auf jeden Fall aber ein stilistisches. Der Tisch ist kein Tisch, sondern eine Fläche ganz in Rosa. Der Hintergrund ist keine Wand, sondern eine Fläche ganz in Türkis. Auf der Fläche, die kein Tisch ist aber rosa, steht eine Schale, vielleicht aus Keramik. Auf jeden Fall eine rustikale Schale, deren Porzellan an Keramik erinnern soll. Die Schale ist deutlich größer als ein Essteller es wäre. Man könnte sie gut als Obstschale verwenden. Für ein Stillleben hat das ja Tradition.

Aber da ist kein Obst, da sind nur Nudeln. Die ganze Schale voll mit Nudeln. Kunstvoll geschichtete Fusilli. Beim Hingucken fühlen Sie sich unweigerlich an den Konservenstapel erinnert: Irgendwer muss hier von unten eine Nudel herausziehen, und dann gibt es den fusillischen Dominoeffekt. Von allein jedenfalls fallen die Nudeln nicht. Erstens: Es ist ein Bild. Zweitens: Die Nudeln sind gar nicht gar. Sie sind nur fast gar. Vielleicht kleben sie dann besser.

Das Bild also ist farblich anregend. Appetitlich ist es nicht. Und wer würde schon eine solche Schale voller Nudeln essen wollen. Pur und garantiert ohne Ketchup.

Aber: Das Bild ist ein Stillleben. Wir schreiben das ja jetzt mit drei „l“. Damit jeder weiß: Das Bild ist still.

Wäre die Umgebung des Bildes auch still geblieben, es hätte einen gewissen Reiz. Aber: Das Bild ist umgeben von Text. Denn es ist gar kein Bild, es ist eine Illustration. Dass Adipositas das Thema ist, hatten Sie vor lauter Bild gewiss übersehen. Die Überschrift aber ist unübersehbar: „Wie Übergewicht das Gehirn programmiert – und welche Folgen es mit sich bringt“, will uns Geo am 21.01.2026 unterrichten. Und verspricht uns: In sechs Minuten sind wir durch mit dem Text. Kann man schaffen. Ob man das muss, will ich nicht beurteilen.
https://www.geo.de/wissen/gesundheit/adipositas-veraendert-unser-gehirn-37061672.html

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Auf die Blaumacher, fertig, los!

„Jetzt geht es den Blaumachern an den Kragen“, lautet die Schlagzeile, die sofort ins Auge springt. Und es ist mir ein Vergnügen, Sie raten zu lassen, wer mit dieser Zeile in die Schlacht zieht. Nein, natürlich ist es nicht die Bild-Zeitung. Denn die hofft ja gewiss auch auf die Blaumacher als Leser. Wer hier sprachlich die Messer wetzt, ist weder auf das Abo noch auf den Einzelkauf der Blaumacher angewiesen. Natürlich ist es die FAZ. Und die titelt hier unter Zurücknahme aller Contenance, die an dieser Stelle auch journalistisch geboten wäre. Der Autor, Christian Geinitz, kommentiert in einem anderen Artikel gleich in der Überschrift: „Blaumachen ist unverantwortlich“. Stellt sich, nebenbei bemerkt, noch die Frage, ob es denn verantwortlich ist, journalistisch mit Klischees zu arbeiten, die mehr als 100 Jahre alt sind – und definitiv aus einer völlig anderen Arbeitswelt stammen.

Beide Artikel der FAZ sind vom 20.01.2026 hinter Bezahlschranke:
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/gesundheitsministerin-nina-warken-will-telefonische-krankschreibung-pruefen-200457689.html
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/telefonische-krankschreibung-blaumachen-ist-unverantwortlich-110822540.html

Gut, ohne die Bezahlschranke zu überwinden, kann ich nicht wirklich wissen, worüber sich Christian Geinitz dergestalt aufregen will, dass wir ihm zurufen möchten: „Auf in den Kampf, die Schwiegermutter naht. Stolz in der Brust, siegesbewusst.“ Doch dass die telefonische Krankschreibung der Auslöser für Artikel und Kommentar sind, daran lassen die ausführlichen URLs ja keinen Zweifel.

Aber das Thema ist ja auch zu schön. Die Liste derer, die es aufnehmen, ist lang. Und das liegt daran, dass Nina Warken, die Bundesgesundheitsministerin, auf Merzens Einwürfe reagiert hat. Zwar haben wir noch nicht einmal Februar, und erst im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt … Aber wer kanzlert, muss früh aufstehen. Sie wissen schon, der frühe Vogel fängt den Blaumacher. Oder: „Wenn früh am Morgen die Werksirene dröhnt und die Stechuhr beim Stechen lustvoll stöhnt …“

Nun stellen sich also die großen Medien hinter Merz und Warken, um der telefonischen Krankschreibung den Garaus zu machen, und wie Geier Sturzflug es 1982 so schön besungen hat, das Bruttosozialprodukt zu steigern. Hier zur Erinnerung die zweite Strophe:

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Kommentar: Die Diskussion zum Krankenstand verfehlt ihr eigenes Thema

Und? Kennen Sie den Refrain schon auswendig? Wir singen, Sie haben es schon gemerkt, wieder das Lied vom hohen Krankenstand in Deutschland. Bundeskanzler Friedrich Merz hat angestimmt. Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Bad Rappenau, der zweitgrößten Stadt im Landkreis Heidelberg im Lande Baden-Württemberg. Die Landtagswahl ist schon bald, am 8. März.

Aber halt, ich bin ungenau: Das Lied vom hohen Krankenstand wurde schon gleich nach dem Jahreswechsel gesungen – und zwar auf der Klausurtagung der CSU. Und dort wurde als Beschluss gefasst die Forderung nach Abschaffung der telefonischen Krankschreibung.

Nun ist Wahlkampf in Baden-Württemberg und Friedrich Merz singt denselben Text. KBV-Chef Andreas Gassen fällt ein und stimmt ihm zu. Die telefonische Krankschreibung lade natürlich zum Missbrauch ein, wird er in den Nachrichten gerade gerne und überall zitiert (alle Links unten am Ende des Textes).

Hängt Andreas Gassen nun sein Fähnchen in den Wind? Oder segelt er im Windschatten? Sicher ist: Gassen verfolgt seine eigenen Ziele – und die sind sehr viel grundsätzlicher. Sein Vorstoß im Oktober 2025: Die Abschaffung der AU in den ersten drei Tagen. Die nämlich produziere Abertausende von Arztbesuchen, die nicht notwendig seien. Und vielleicht könne man bei der Gelegenheit auch gleich die Dreitagepflicht zur Vier- oder Fünftagepflicht ausweiten.

Dass Gassen mit diesen Vorschlägen bei Bundesgesundheitministerin Nina Warken keineswegs auf offene Ohren oder Türen stieß, ist nicht verblüffend. Und dass Gassen seine Idee weiterverfolgt, verwundert auch nicht. Denkt man sein Modell zu Ende, dann bedarf es der telefonischen Krankschreibung schlicht gar nicht: Ein kranker Arbeitnehmer mit fünf Karenztagen ist nach diesen Tagen entweder wieder gesund oder aber ernsthaft krank – und ein Gang zum Arzt ist sowieso notwendig.

Bleibt die Frage, warum Gassen Merz zur Seite springt. Oder hat er sich einfach nur medial verkalkuliert. Vielleicht hatte er gehofft, die Diskussion in seinem Sinne verschieben zu können. Und vielleicht spielt er dabei mit dem Feuer: Hinter Merzens Forderung, die natürlich auch die Forderung der CDU ist, stecken die Wirtschaftsverbände, die nicht wirklich den hohen Krankenstand meinen, wenn sie klagen. Sie suchen nur nach Wegen der Produktivitätssteigerung. Denn dass der Krankenstand auch deswegen eklatant gestiegen ist, weil die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen mittlerweile alle – und die Betonung liegt auf alle – elektronisch erfasst werden, hat sich mit Sicherheit auch bis dahin rumgesprochen.

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Debatte über Kürzungen im Gesundheitssystem: Es dampft in allen Gassen

Andreas Gassen, KV-Vorsitzender, orientiert sich offenbar nicht nur an den Sternen und den Dönerpreisen auf seiner Suche nach Rettungswegen für das Gesundheitssystem (oder wahrscheinlich genauer: für die Krankenkassen). Jetzt wandelt er, immer noch Rat suchend, auch durch die Straßen, die vor Kurzem noch Hendrik Streeck für die Diskussion geöffnet hat. Es geht um die Behandlung (nein, gemeint ist in Wirklichkeit: die Nicht- oder Geringer-Behandlung) von Schwerstkranken. Geredet hat Gassen mit der Neuen Osnabrücker Zeitung, die seit jeher den Ruf genießt, bei vielen gesellschaftlichen Themen journalistisch gern der Vorreiter zu sein. (Ebenso berühmt ist oder war die NOZ für ihre Kommentare). Im Interview, das Tobias Schmidt für die NOZ führt, sagt Gassen:

„Wir müssen uns mit der Frage beschäftigen, ob es womöglich einen gewissen Automatismus gibt, alle medizinischen und technischen Möglichkeiten maximal auszuschöpfen, auch wenn das nicht in jedem Einzelfall im Sinne der Patienten ist.“
https://www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/kassenaerztechef-gassen-mit-vorschlaegen-steuern-auf-alkohol-erhoehen-49534225

Gassens Satz in diesem Interview, der gerade die Schlagzeilen im Flug erobert:

„In England bekommen Sie mit 70 Jahren eben keine neue Hüfte mehr.“

Aber Gassen weiß, welche Wege wandelbar sind. Sein Vorschlag: Der Staat soll für die Gesundheitsversorgung der Bürgergeldempfänger zahlen, damit die Krankenkassen diese Kosten nicht stemmen müssen. Das würde ganz nebenbei natürlich die Beiträge der Versicherten entlasten (so zumindest die Andeutung im Interview).

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Zwischen Döner und Sternenhimmel -- Gassen sucht weisen Rat

Man könnte ja denken, dass es der Jahreswechsel ist, der Andreas Gassen beflügelt. Oder ist ihm ein Engel erschienen, ein Stern aufgegangen?

Zwischen Weihnachten und Neujahr gibt es ja nicht nur in den Zeitungen aus Papier viel Platz zwischen den Seiten. Und zwischen Ohren und Augen der Deutschen passen zwischen Weihnachten und Neujahr, zwischen Sekt und Kaviar, zwischen Rotkohl und Raketen vielleicht auch immer noch ein paar neue Gedanken. Auch nicht schlimm, wenn es die alten Gedanken sind. Routine gehört zum Jahreswechsel zwingend dazu.

Und so durfte KV-Chef Andreas Gassen nicht nur davon träumen, sondern sich fast sicher sein, dass in den Köpfen und Gedanken der Deutschen Platz genug ist für eine alte Idee im neuen Gewand: Die Praxisgebühr muss wieder her, um die Krankenkassen zu sanieren. Diesmal aber eben als Kontaktgebühr. Wer Kontakt mit einem Arzt aufnimmt, soll drei bis vier Euro zahlen. Wenn das keine kluge Wegweisung ist!

Schon vor Weihnachten hatte Gassen uns wissen lassen, dass eine Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal zumutbar ist. „Das ist der Preis eines Döners“, titelte am 17.12.2025 die „Welt“ – und setzte damit Gassens Worte ganz oben an.
https://www.welt.de/politik/deutschland/article693d1c90f679420e000b341b/aerzteverbandschef-gassen-zehn-euro-praxisgebuehr-pro-quartal-sind-zumutbar-das-ist-der-preis-eines-doeners.html

Der Artikel in der "Welt" enthält übrigens einen ganzen Strauß von Vorschlägen – und ich wette, es gibt keinen Vorschlag darunter, der noch nicht rauf und runter debattiert worden wäre: Homöopathie aus den Kassenleistungen herausnehmen, Gesundheits-Apps ebenfalls, Zuckersteuer, Zigaretten- und Alkoholsteuer erhöhen.

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Kleine Abhandlung über Männerquote und Berufung

Männer brauchen keine Gleichstellungsquote. Auch nicht, wenn der überwiegende Teil der Medizinstudenten Medizinstudentinnen sind. In diesem Sommer betrug ihr Anteil an den Bewerbungen zwei Drittel. Dennoch: Eine Quote für Männer lehnt die Bundesregierung ab. Was klingt wie eine Farce aus nachfeministischer Zukunft, ist längst Gegenwart. Die AfD hatte, so berichtet das Portal Forschung und Lehre, eine Anfrage gestellt, die den Männern Gleichberechtigung sichern sollte.

https://www.forschung-und-lehre.de/lehre/bundesregierung-gegen-maennerquote-im-medizin-studium-1766/

By the way – ein ganz neuer Gedanke: Es ist ja opportun geworden, das Wort Studenten durch das Wort Studierende zu ersetzen. Grammatikalisch nur halb korrekt, denn der Studierende sitzt gerade am Schreibtisch und studiert. Jetzt gerade. Gerundium. Auf Ruhrpott-Deutsch, denn nur dort kann man das Gerundium treffend sprachlich umschreiben: „Er ist am Studieren dranne.“ Die Funktion des Gerundiums ist also die Unmittelbarkeit. Die Funktion des Austauschens der Studenten gegen Studierende ist hingegen eine andere: Man spart sich geschickt den Schrägstrich, weil ja noch immer kein Nachrichtensprecher das Wort „Studenten/-innen“ fehlerfrei über die Lippen bekommt. Und die „Studenten und Studentinnen“ sind nicht nur sprachlich unbequem, sie kosten auch noch Nachrichtenzeit. Wenn es um Sekunden geht, ist das wichtig.

Aber vielleicht, wenn ich noch ein wenig ausschweifender werden darf, sind die „Studierenden“ gar kein Auswuchs feministischer, politischer Korrektheit, sondern ein letzter patriarchalischer Versuch, die Wirklichkeit weiterhin zu verschleiern. Sonst fiele irgendwann auf, dass die Frauen schon längst an der Macht sind. Zumindest beim Medizin-Studium.

Nach diesen Abschweifungen zurück zum Punkt: Außer in Forschung und Lehre kann ich über die Anfrage der AfD keinen weiteren Bericht finden. Was ja nichts heißen muss, denn das Thema ist gar nicht neu. Schon 2017 fürchtete Jürgen Freyschmidt in einem Gastbeitrag in der FAZ die Feminisierung der Medizin. Freyschmidt ist Radiologe, Chefarzt der Radiologischen Abteilung im Klinikum Bremen Mitte und außerplanmäßiger Professor der MHH. Der damalige Frauenanteil von 65 Prozent machte ihm unter anderem deshalb Sorgen, weil er den Ärztemangel vergrößern werde. Frauen werden ja bekanntlich schwanger und bekommen Kinder. Keine Frage, der Mann rechnet richtig. Und dass die Ursache allen Übels der NC ist, ist gewiss auch nicht falsch. Frauen haben die besseren Abiturnoten. So ist das. Deswegen forderte Freyschmidt schon 2017 einen psychologischen Eingangstest.
https://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/zuviel-feminismus-brauchen-aerzte-eine-maennerquote-14906675.html

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Die Streeck-Debatte -- Kommentar zum Anfang

Nachtrag: Die gesamte Linkliste zum Thema habe ich nun in einen eigenen Artikel gepackt:
https://nachrichten.mednet.de/index.php/linkliste-zur-streeck-debatte

Hendrik Streeck ist Virologe und CDU-Politiker. Und aufgrund seiner Funktion als Mitglied des Corona-Expertenrates der Bundesregierung ist er uns allen seit der Pandemie bekannt. Gefühlt sogar vertraut, denn er konnte auch aussprechen, was manche nur dachten.

Genau das hat er jetzt wieder getan: Er hat in einer Talk-Sendung ausgesprochen, was manche nur denken. Nämlich: Der Nutzen teurer Medikamente für sehr alte Menschen müsse hinterfragt werden. Verknüpft hat er – und das ist perfide – diese Erkenntnis mit dem Tod seines Vaters. Dem aufgrund von Alter und Erkrankung diese teuren Medikamente nichts genutzt hätten. Wir müssen nun, von ihm öffentlich ins Vertrauen gezogen, das, was er sagt, als seine persönliche Erfahrung wahrnehmen – und achten. Und uns natürlich angesichts des Todes seines Vaters auch respektvoll zurückhalten.

Nun: Ulrich Streeck ist im April 2023 gestorben – im Alter von 79 Jahren. Zumindest was seinen Vater betrifft, spricht Streeck also nicht einmal über „sehr alte Menschen“.

Zwischeninfo: Zum Jahresende 2024 zählte Destatis in Deutschland 6,1 Millionen Menschen, die 80 Jahre oder älter sind, 14 000 Menschen mehr als im Jahr zuvor.
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/06/PD25_221_124.html

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Kleine orthografische Notoperation

Die Deutschen und die Rechtschreibung: Wir haben ja so unsere Lieblingsfehler. Den Apostroph vor dem Genitiv-s zum Beispiel. Den macht man nicht. Den machen nur die Briten. So habe ich es in der Schule gelernt. Aus alten Zeitungen kann ich Ihnen sagen: Von den Briten haben wir diesen Fehler nicht unbedingt. Mehr so von alters her. Der Fehler ist älter als der Duden – und vielleicht müssen wir anfangen zu überlegen, ob er überhaupt einer ist. Regulär, daran besteht kein Zweifel, ist er ein Fehler.

Der andere Lieblingsfehler: die Zusammen- oder Getrenntschreibung von zusammengesetzten Verben. Beim Schwarzfahren weiß noch jeder Bescheid: unbedingt zusammen. Denn die Schwärze ist ja keineswegs wörtlich zu nehmen. Es ist der übertragene Sinn. Ebenso das Krankschreiben. Auch das Wiedersehen gehört zusammen – und dieses Beispiel ist ganz wundervoll, denn beides geht: Ich habe Anna wieder gesehen bedeutet wörtlich, dass ich diese Person zum wiederholten Mal gesehen habe. Nichts weiter sonst. Habe ich Anna wiedergesehen, habe ich aber möglicherweise sogar mit ihr gesprochen.

Oder: Ich konnte mich nicht mehr festhalten, aber Anna hat mich dann fest gehalten. Mein Lieblingsfehlerfalle: weiterlesen. So muss ich das Verb schreiben, wenn ich auf einer Internetseite dem Leser das Angebot machen will, dass er per Klick den Artikel auf einer anderen Seite zu Ende lesen kann. Aber das Kind, das abends im Bett das Licht löschen soll, muss antworten: „Ich möchte aber noch weiter lesen!“

Wie es Herr Streeck mit der Rechtschreibung hat, können wir nicht wissen. Er hat ja nur gesagt, was andere schreiben. Und die schreiben seit Tagen und gehäuft, dass wir in Deutschland Patienten tot operieren. Nein! Allenfalls der Pathologe operiert seine Patienten, wenn sie tot sind. Die Ärzte aber, die sich den Lebenden widmen, können, wenn wir Streeck richtig verstehen, Patienten auch totoperieren. Was immer Streeck damit gemeint hat. Wir können uns damit behelfen, dass es der übertragene Sinn ist. Denn ganz ehrlich: Auch Sie glauben nicht, dass in Deutschland Patienten so lange operiert werden bis sie tot sind, oder?

Schon lange habe ich den Eindruck, dass der Schulunterricht damals, in der DDR, sehr viel gründlicher war, was Rechtschreibung und Sprache betrifft. Und nun habe ich heute endlich einen richtig guten Beweis gefunden: ein Artikel, in dem „totoperieren“ zusammengeschrieben ist. Hier – beim MDR – kommt orthografisch zusammen, was zusammengehört,18.11.2025:

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Mißfelder, Lemke, Streeck -- von der Kontinuität des Unsäglichen

Erinnern Sie sich noch an das Jahr 2003? Hitzewelle oder Mißfelder? Was fällt Ihnen zuerst ein? Der Sommer war in Deutschland und Europa der wärmste seit 500 Jahren – und der JU-Vorsitzende Philipp Mißfelder sprach in diesem Sommer den Menschen, die älter sind als 85 Jahre, das Recht auf ein künstliches Hüftgelenk ab.

Die Debatte darüber war so hitzig wie das Wetter. Und vor allem: Sie endete nur scheinbar. Oder nur in den Medien. Noch 2014 bemüht sich Bundeskanzlerin Angela Merkel Philipp Mißfelder zu einem Mittler zwischen Jung und Alt zu stilisieren. Die Hüftgelenks-Debatte bezeichnete sie dabei als „unglücklichen Start“ dieser Beziehung.
https://www.abendzeitung-muenchen.de/politik/merkel-dankt-dem-scheidenden-ju-chef-missfelder-art-252548

Dass dieser „unglückliche Start“ sich mit diesen Worten nicht wieder vom Tisch wischen lässt, dürfte Merkel klargewesen sein. Und im September dieses Jahres ploppt die Hüftgelenk-Debatte wieder auf. Diesmal heißt der Agitator Thomas Lemke. Der Vorstandsvorsitzende der Sana-Gruppe geht noch einen Schritt weiter als damals Philipp Mißfelder – und senkt die Altersgrenze. Er fragt, ob es nötig sei, Menschen, die älter als 80 Jahre sind, Hüftgelenke zuzugestehen. Nachzulesen in der Rheinischen Post, 23.09.2025:
https://rp-online.de/leben/gesundheit/keine-neue-huefte-mehr-ab-80-sana-forderung-loest-empoerung-aus_aid-135407825

Jetzt ist der Weg nicht mehr weit zu Prof. Dr. Hendrik Streeck, ebenfalls CDU, der mit seiner Medikamentendebatte in denselben Zug eingestiegen ist. Und während in der Debatte 2003 viele Stimmen laut wurden, scheint die Vielfalt der Stimmen in der Streeck-Debatte abgenommen zu haben.

Wen haben wir denn bis jetzt gehört? Ex-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat sich sofort geäußert. Und die Bundesregierung? Ja – die hat sich auch geäußert. Sogar sofort. Haben Sie nicht gemerkt? Ich auch nicht. Dabei habe ich tatsächlich lange gesucht. Aber die Sortierung der Suchmaschinen ist ein ganz anderes Thema.

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Der "nichtjagende Endverbraucher" und sein Würstchen

Der Deutsche Jagdverband hat 2500 Menschen in Deutschland befragt – oder befragen lassen. Das ist schon die größere Hausnummer für Umfragen. Es sind auch bedeutende Zahlen, die als Ergebnis präsentiert werden (sollten). Und zwar sind 70 Prozent der Deutschen der Ansicht, dass Wildfleisch gesundes und gutes Fleisch ist. So weit, so gut. Diesen Satz kann ja fast jeder unterschreiben, der nicht Vegetarier oder Veganer ist und der die Folgen von Tschernobyl für seit Jahrzehnten gegessen hält.

Aber die Deutschen sind nicht nur Denker. Sie sind auch Gourmets. Und so lautet die nächste Erkenntnis aus dieser Umfrage, dass die Hälfte der Deutschen mindestens einmal pro Jahr das Fleisch vom Wild essen. Auf dem Land tun’s zwei Drittel der Menschen sogar regelmäßig.

Diese Zahlen stammen von der Seite des Deutschen Jagdverbandes vom Oktober 2025 – sind also ziemlich aktuell. Und auch nachvollziehbar.
https://www.jagdverband.de/jeder-zweite-isst-regelmaessig-wild

Auch aktuell ist ein Artikel im Prisma, einer Fernsehbeilage in 250 deutschen Tageszeitungen, die nach eigenen Angaben 5,92 Millionen Leser hat.
https://www.prisma-verlag.de/prisma-gewinnt-sechs-zus%C3%A4tzliche-tr%C3%A4gertitel/?utm_source=chatgpt.com

Hier beginnt der Artikel mit denselben Zahlen: „Wildfleisch boomt! Laut Zahlen des Deutschen Jagdverbandes essen zwei Drittel der Bundesbürger regelmäßig Wild.“. Bloß: Der Jagdverband hatte von zwei Dritteln der Landbevölkerung gesprochen. Die gesamtdurchschnittsdeutsche Zahl lag da eher bei 50 Prozent und mit regelmäßig war da gemeint: einmal pro Jahr. Aber gut, in schreibender Eile oder mit eilender Schreibe kann man die Dinge schon mal durcheinanderbringen. Da steckt bestimmt keine böse Absicht hinter. Allenfalls eine gute.

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Vom Geheimnis hinter oder unter den grauen Haaren

Nichts Genaues weiß man nicht, könnte man unter den Artikel schreiben, den ich Ihnen jetzt empfehlen will. Aber: Die Erkenntnis hinter der Erkenntnis ist genauso bemerkenswert wie der Ansatz der Fragestellung. Denn: Beides steuert das Ergebnis. Und das ist: Graue Haare schützen – möglicherweise – vor Krebs. Nun forschten die japanischen Forscher, wie es sich gehört, zuerst an Mäusen. Für den Menschen ist noch nichts bestätigt. Aber: Es gibt hinreichende Verdachtsmomente. Und die Autorin bleibt vorsichtig: Vorzeitiges Ergrauen ist keine Garantiekarte. Aber der Mechanismus, der hinter dem Ergrauen steht, deutet darauf hin, dass der Körper Zellen aussortiert, die zu Krebszellen werden könnten.

Es kann also nicht falsch sein, wenn Sie sich daraufhin ein paar graue Haare wachsen lassen. Der Artikel findet sich in der Geo, 11.11.2025:
https://www.geo.de/wissen/gesundheit/graue-haare--schutzmechanismus-gegen-krebs--36300150.html?utm_source=firefox-newtab-de-de

Hinter dieser Forschung steht natürlich zuerst die Frage der Forscher. Und dass sie sich auf den Nutzen des Alters richtet, scheint mir schon erstaunlich. Wie insgesamt oder überhaupt oder vielleicht auch nur vorübergehend als Trend das Alter ganz neu betrachtet wird. Möglicherweise ist es gar nicht schlimm? Hier noch, weil sprachlich und erzählerisch schön, ein Link zur Diskussion über die „Frau in Grau“ – oder über das neue „Wow“ beim SRF am 19.10.2025:
https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/trend-zu-grauem-haar-ist-grau-das-neue-wow-wie-frauen-ihre-grauen-haare-feiern

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Medizin im Wandel des Handels

Bestimmt hatten Sie diese Nachricht am Freitag auch auf irgendeinem Schirm – und bestimmt ist sie Ihnen auch ins Auge gesprungen: „Kaufland eröffnet erste Arztpraxis in der Filiale“ titelte die Bild. In der Zwischenzeit hat sich die Überschrift geändert. Der „Kaufland“ wurde durch die allgemeinere Bezeichnung „Discounter“ ersetzt. Warum auch immer.  Die Bilder in der Bild von Wartezimmer und „Arzt aus der Box“ sind (bei Erscheinen des Artikels) exklusiv. Auch die wichtigsten Infos sind alle beisammen. Hier der Link, 07.11.2025:
https://www.bild.de/leben-wissen/mein-recht-verbraucherportal/kaufland-eroeffnet-erste-arztpraxis-in-der-filiale-690da4395d012ee169d9b1ac

Apropos Wartezimmer: Beim Versuch, die Möbel stilistisch in der richtigen Epoche zu verankern, habe ich ChatGPT zu Rate gezogen. Das macht man ja jetzt so – und es ist auch oft sehr nützlich. Ich konnte mich nicht entscheiden: Ist das abgebildete Wartezimmer nun ein Zitat der 50er-Jahre? Oder sind hier Reminiszenzen an die 70er-Jahre eingeflochten? Und wenn ja, warum? Und warum wirkt das Modernistische gleichzeitig so altmodisch? Sie müssen sich die Bilder tatsächlich angucken, dann verstehen Sie meine Verwunderung. ChatGPT bringt es dann in seiner Stil-Analyse ganz wunderbar auf den Punkt und spricht von dem „merkwürdigen Versuch, Retro-Gemütlichkeit und Digitalisierung in einem Wartezimmer zu vereinen“. Genau.

Noch umfangreicher – und ohne exklusive Fotos – berichtet ntv. Hier gibt’s aber noch die Nachricht (zitiert aus dem Handelsblatt), dass die Schwarz-Gruppe überlege, ins Geschäft des Medikamenten-Versandhandels einzusteigen – wie auch dm das derzeit plant. 07.11.2025:
https://www.n-tv.de/wirtschaft/Kaufland-startet-aerztliche-Behandlungen-in-den-Filialen-article26148816.html

Das Handelsblatt berichtete bereits am 24.10.2025 von den Plänen bei dm – und den Plänen von Rossmann und Lidl:
https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/apotheken-lidl-rossmann-und-dm-planen-einstieg-in-den-medikamentenversand/100162999.html

Zurück zum Medical Room im Kaufland: In Apotheke adhoc hat sich am 07.11.2025 umfassend mit den Möglichkeiten und Unmöglichkeiten eines solchen Unterfangens beschäftigt, hat die Geschäftsstruktur beschrieben. Will sagen: Nach diesem Artikel hat man als Leser schnell und einfach einen Überblick und auch Einblicke in die Hintergründe erhalten:
https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/markt/telemedizin-ekg-und-blutabnahme-bei-kaufland/

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