NACHRICHTENPORTAL

Nachrichten aus dem Gesundheitswesen

Zwischen Döner und Sternenhimmel -- Gassen sucht weisen Rat

Man könnte ja denken, dass es der Jahreswechsel ist, der Andreas Gassen beflügelt. Oder ist ihm ein Engel erschienen, ein Stern aufgegangen?

Zwischen Weihnachten und Neujahr gibt es ja nicht nur in den Zeitungen aus Papier viel Platz zwischen den Seiten. Und zwischen Ohren und Augen der Deutschen passen zwischen Weihnachten und Neujahr, zwischen Sekt und Kaviar, zwischen Rotkohl und Raketen vielleicht auch immer noch ein paar neue Gedanken. Auch nicht schlimm, wenn es die alten Gedanken sind. Routine gehört zum Jahreswechsel zwingend dazu.

Und so durfte KV-Chef Andreas Gassen nicht nur davon träumen, sondern sich fast sicher sein, dass in den Köpfen und Gedanken der Deutschen Platz genug ist für eine alte Idee im neuen Gewand: Die Praxisgebühr muss wieder her, um die Krankenkassen zu sanieren. Diesmal aber eben als Kontaktgebühr. Wer Kontakt mit einem Arzt aufnimmt, soll drei bis vier Euro zahlen. Wenn das keine kluge Wegweisung ist!

Schon vor Weihnachten hatte Gassen uns wissen lassen, dass eine Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal zumutbar ist. „Das ist der Preis eines Döners“, titelte am 17.12.2025 die „Welt“ – und setzte damit Gassens Worte ganz oben an.
https://www.welt.de/politik/deutschland/article693d1c90f679420e000b341b/aerzteverbandschef-gassen-zehn-euro-praxisgebuehr-pro-quartal-sind-zumutbar-das-ist-der-preis-eines-doeners.html

Der Artikel in der "Welt" enthält übrigens einen ganzen Strauß von Vorschlägen – und ich wette, es gibt keinen Vorschlag darunter, der noch nicht rauf und runter debattiert worden wäre: Homöopathie aus den Kassenleistungen herausnehmen, Gesundheits-Apps ebenfalls, Zuckersteuer, Zigaretten- und Alkoholsteuer erhöhen.

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Paywall vom Rolli gehackt

Wie eine Rollstuhlfahrerin ihren Rolli – genauer: die App ihres Rollis – gehackt hat, erfahren Sie im Spiegel. Der App zugrunde lag ein Abo-Modell, dass schnelleres Fahren nur bei höheren Zahlungen erlaubte. Torsten Kleinz berichtet am 28.12.2025:
https://www.spiegel.de/netzwelt/hackerkonferenz-39c3-warum-eine-multiple-sklerose-erkrankte-ihren-rollstuhl-hackte-a-169573b3-dbc9-4aed-bc33-1cc39cee6971

Im Standard berichtet Georg Pichler am 29.12.2025:
https://www.derstandard.at/story/3000000302326/wie-eine-multiple-sklerose-erkrankte-die-paywall-ihres-rollstuhls-knackte

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Sprachliches aus neun Corona-Monaten

Die Zeit der Jahresrückblicke hat längst angefangen – und sie werden für dieses Jahr nicht ungewohnt aber anders ausfallen. Einen Rückblick der anderen Art hat dpa gestrickt, online gestellt von der Borkener Zeitung am 14.12.2020. Eine Sammlung jahrestypischer Redewendungen. Zugegeben – so manches klingt konstruiert. Aber: Wie oft haben Sie, sofern Gartenbesitzer, gesagt „Wir sind froh, dass wir den Garten haben?“ Und die typisch englische Frage „Sind Sie das Ende der Schlange?“ haben Sie bestimmt auch gelernt, mit einem Lächeln in den Augen auszusprechen, oder?

Hier also sprachlicher Corona-Umgang aus schon mehr als 9 Monaten:
https://www.borkenerzeitung.de/welt/boulevard/Die-Saetze-des-Corona-Jahres-318256.html

Die Ärzte-Zeitung war mit ihrer Sätze-Sammlung deutlich schneller, sie hat schon am 18.06.2020 das Eine und Andere zusammengetragen:
https://www.aerztezeitung.de/Panorama/Wenn-Corona-erst-vorbei-ist-Gefluegelte-Worte-in-der-Krise-410435.html

Emily – wer auch immer das ist – hat – wann auch immer das war – liebenswert in ihrem Blogg zusammengetragen, welche Corona-Sätze nerven. Eigentlich alle, ist ihr Fazit. Aber sie hat jeden einzelnen Satz ihrer Sammlung mit einem Video geschmückt. Für alle die, die Zeit haben eine feine Sache:
https://www.miss.at/diese-saetze-zur-pandemie-koennen-wir-einfach-nicht-mehr-hoeren/

Kann man diese Listen noch als Vergnügen einordnen, wird es schwierig, sich über dieses Material ein Urteil zu bilden. Kinder des 1. und 2. Schuljahres lernen, Sätze zu schreiben. Und zwar zu den Hygieneregeln. Heißt ja auch, dass wir nicht für die Schule, sondern fürs Leben mit Corona lernen, oder:
https://lehrermarktplatz.de/material/151488/saetze-schreiben-hygieneregeln-corona

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Kleine Abhandlung über Männerquote und Berufung

Männer brauchen keine Gleichstellungsquote. Auch nicht, wenn der überwiegende Teil der Medizinstudenten Medizinstudentinnen sind. In diesem Sommer betrug ihr Anteil an den Bewerbungen zwei Drittel. Dennoch: Eine Quote für Männer lehnt die Bundesregierung ab. Was klingt wie eine Farce aus nachfeministischer Zukunft, ist längst Gegenwart. Die AfD hatte, so berichtet das Portal Forschung und Lehre, eine Anfrage gestellt, die den Männern Gleichberechtigung sichern sollte.

https://www.forschung-und-lehre.de/lehre/bundesregierung-gegen-maennerquote-im-medizin-studium-1766/

By the way – ein ganz neuer Gedanke: Es ist ja opportun geworden, das Wort Studenten durch das Wort Studierende zu ersetzen. Grammatikalisch nur halb korrekt, denn der Studierende sitzt gerade am Schreibtisch und studiert. Jetzt gerade. Gerundium. Auf Ruhrpott-Deutsch, denn nur dort kann man das Gerundium treffend sprachlich umschreiben: „Er ist am Studieren dranne.“ Die Funktion des Gerundiums ist also die Unmittelbarkeit. Die Funktion des Austauschens der Studenten gegen Studierende ist hingegen eine andere: Man spart sich geschickt den Schrägstrich, weil ja noch immer kein Nachrichtensprecher das Wort „Studenten/-innen“ fehlerfrei über die Lippen bekommt. Und die „Studenten und Studentinnen“ sind nicht nur sprachlich unbequem, sie kosten auch noch Nachrichtenzeit. Wenn es um Sekunden geht, ist das wichtig.

Aber vielleicht, wenn ich noch ein wenig ausschweifender werden darf, sind die „Studierenden“ gar kein Auswuchs feministischer, politischer Korrektheit, sondern ein letzter patriarchalischer Versuch, die Wirklichkeit weiterhin zu verschleiern. Sonst fiele irgendwann auf, dass die Frauen schon längst an der Macht sind. Zumindest beim Medizin-Studium.

Nach diesen Abschweifungen zurück zum Punkt: Außer in Forschung und Lehre kann ich über die Anfrage der AfD keinen weiteren Bericht finden. Was ja nichts heißen muss, denn das Thema ist gar nicht neu. Schon 2017 fürchtete Jürgen Freyschmidt in einem Gastbeitrag in der FAZ die Feminisierung der Medizin. Freyschmidt ist Radiologe, Chefarzt der Radiologischen Abteilung im Klinikum Bremen Mitte und außerplanmäßiger Professor der MHH. Der damalige Frauenanteil von 65 Prozent machte ihm unter anderem deshalb Sorgen, weil er den Ärztemangel vergrößern werde. Frauen werden ja bekanntlich schwanger und bekommen Kinder. Keine Frage, der Mann rechnet richtig. Und dass die Ursache allen Übels der NC ist, ist gewiss auch nicht falsch. Frauen haben die besseren Abiturnoten. So ist das. Deswegen forderte Freyschmidt schon 2017 einen psychologischen Eingangstest.
https://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/zuviel-feminismus-brauchen-aerzte-eine-maennerquote-14906675.html

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Boosteblumen und Boosterblüten - Ein bunter Strauß vom Markt der Möglichkeiten

Nachtrag: Die Meldung kam ungefähr zeitgleich mit diesem Text in die Nachrichten: Das Verb boostern ist zum Anglizismus des Jahres 2021 gekürt worden. Na siehste. In der Tagesschau erfahren Sie mehr, nämlich zum Beispiel, dass wir Deutschen den Booster zuerst zum Verb gemacht haben. Und dann noch, dass die Briten seit den 40er-Jahren den Booster Shot kennen. Passt auch. Und auch gut zum Artikelende. Hier also die Nachricht in der Tagesschau, 01.02.2021, 11:04 Uhr:
https://www.tagesschau.de/inland/boostern-sprache-anglizismus-des-jahres-101.html

Der Booster boomt. Man könnte auch sagen: er treibt Blüten. Mitunter sogar recht bunte. Im Reformhaus in unserer Straße kann ich seit langem schon einen Immunbooster erwerben. Er ist in Flaschen abgefüllt, weinrot. Bestimmt ohne Alkohol, dafür aber mit einer netten jungen Frau abgebildet, die vor Gesundheit nur so strahlt. Rote Bäckchen hat sie zwar nicht, aber jede Menge Zuversicht. Und sie schmückt aus aktuellem Anlass und seit Monaten das Schaufenster.

Dann flatterte mir ein Prospekt ins Haus, der mir einen Fitness-Booster anbieten wollte. Da ich eigentlich schon völlig fit bin, und fix und fertig noch dazu, kam das Papier dahin, wohin es gehört: In den Papierkorb. Leider kann ich Ihnen deswegen jetzt nicht so viel über das angebotene Produkt sagen.

Ein Blick ins Internet hilft aber weiter. Der Fitness-Booster scheint nämlich eine neuere Bezeichnung für die ebenfalls eher junge Benennung des Pre-Workout-Boosters zu sein. Und woraus das weiße Pulver besteht, das uns unter beiden Namen in Metalldosen angeboten wird, das wollen wir vielleicht gar nicht so genau wissen. Die Seite „fit trotz family“ hat diese Booster aber dennoch unter die Lupe genommen. Für den Fall, dass Sie mehr wissen wollen: Hier der Link:
https://www.fit-trotz-family.de/fitness-booster-sinnvoll-oder-gefaehrlich/

Sie sind auch gestolpert, oder? Fit trotz Family. So heißt die Webseite tatsächlich. Bin ich also wieder an dem Punkt angekommen, an dem ich oben kokettierte: Fit bin ich, fertig auch. Der Seitentitel irritiert dennoch. Fit mit Family wäre mir irgendwie lieber. Fit trotz Family suggeriert nämlich, dass ich meine ganze Familie erst überwältigen, mindestens aber überwinden muss, um überhaupt einen Zustand der Fitness erreichen zu können. Vielleicht ist also so ein Fitness-Booster doch kein falscher Ansatz.

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Insektenschutz und Hundekuchen -- Polysemantische Spielereien

Insektenschutz im Rotlichtbezirk – so ließe sich die Quintessenz der Überschrift zusammenfassen, die ins Auge sticht, bevor man sie begriffen hat. Der Kölner Stadt-Anzeiger hat am 30.11.2025 sprachlich neu zusammengesetzt, was von nun an auch zusammengehören sollte. Der Leser aber, der schneller gucken kann als lesen, sieht vor allem eines: rot. So ist die im Foto abgebildete Beleuchtung auf dem Rundweg am Oulu-See in Steinbüchel. Steinbüchel ist ein Stadtteil von Leverkusen. Das Rotlicht, das sanft auf den Rundweg fällt, soll nun dem Schutz der Insekten dienen. Denn es zieht sie, aufgrund der Lichtfarbe, nicht mehr an. Insektenschutz also:
https://www.ksta.de/region/leverkusen/stadt-leverkusen/leverkusen-insektenschutz-oulusee-ist-jetzt-rotlichtbezirk-1159845

Der Artikel von Ralf Krieger liegt hinter einer Bezahlschranke. Aber: Das Foto vom Rotlicht auf dem Rundweg ist kostenfrei zu betrachten. Im Text, der nicht kostenlos ist, zitiert der Autor dann Marlene Dietrich, die von denjenigen Männern singt, die sie umschwirren wie Motten das Licht.

An diesem Punkt setzen wir jetzt wieder beim Insektenschutz ein. Und beim Sprachwandel. Der Kölner Stadt-Anzeiger macht sich sozusagen zum Wandlungsgehilfen, wenn er diese neue Form des Insektenschutzes in den Titel nimmt.

Polysemie nennen die Sprachwissenschaftler, wenn ein Wort verschiedene Bedeutungen haben kann. Bislang haben wir Insektenschutzmittel zum Beispiel gegen Mücken verwendet. Nun aber drehen wir die Bedeutung des Wortes Insektenschutz ganz einfach um. Mit Rotlicht. Das muss nicht sachlich falsch sein. Nein, es ist überhaupt nicht falsch. Wir müssen Insekten schützen. Aber sprachlich ist es mindestens komisch, wenn unsere Schützenhilfe nun nach neuen Insektenschutzmöglichkeiten sucht.

Wenn wir hier nun von Polygamie statt von Polysemie reden würden, lägen wir sachlich ziemlich daneben. Sprachlich aber ist das der richtige Weg: Die Polygamie ist übersetzt einfach nur das Vielspiel. Lassen Sie sich nicht von denen täuschen, die Polygamie mit dem Wort Vielehe oder ganz und gar einseitig mit dem Wort Vielweiberei übersetzen. Der Polygame, sofern er sich auf die reine Sprache hinter seiner Benennung beruft, spielt halt gern viel. Sie kennen ja den Satz: „Der will nur spielen!“ Hier also mit Rotlicht und Insekten. Auf den Hund kommen wir später noch.

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Kleine orthografische Notoperation

Die Deutschen und die Rechtschreibung: Wir haben ja so unsere Lieblingsfehler. Den Apostroph vor dem Genitiv-s zum Beispiel. Den macht man nicht. Den machen nur die Briten. So habe ich es in der Schule gelernt. Aus alten Zeitungen kann ich Ihnen sagen: Von den Briten haben wir diesen Fehler nicht unbedingt. Mehr so von alters her. Der Fehler ist älter als der Duden – und vielleicht müssen wir anfangen zu überlegen, ob er überhaupt einer ist. Regulär, daran besteht kein Zweifel, ist er ein Fehler.

Der andere Lieblingsfehler: die Zusammen- oder Getrenntschreibung von zusammengesetzten Verben. Beim Schwarzfahren weiß noch jeder Bescheid: unbedingt zusammen. Denn die Schwärze ist ja keineswegs wörtlich zu nehmen. Es ist der übertragene Sinn. Ebenso das Krankschreiben. Auch das Wiedersehen gehört zusammen – und dieses Beispiel ist ganz wundervoll, denn beides geht: Ich habe Anna wieder gesehen bedeutet wörtlich, dass ich diese Person zum wiederholten Mal gesehen habe. Nichts weiter sonst. Habe ich Anna wiedergesehen, habe ich aber möglicherweise sogar mit ihr gesprochen.

Oder: Ich konnte mich nicht mehr festhalten, aber Anna hat mich dann fest gehalten. Mein Lieblingsfehlerfalle: weiterlesen. So muss ich das Verb schreiben, wenn ich auf einer Internetseite dem Leser das Angebot machen will, dass er per Klick den Artikel auf einer anderen Seite zu Ende lesen kann. Aber das Kind, das abends im Bett das Licht löschen soll, muss antworten: „Ich möchte aber noch weiter lesen!“

Wie es Herr Streeck mit der Rechtschreibung hat, können wir nicht wissen. Er hat ja nur gesagt, was andere schreiben. Und die schreiben seit Tagen und gehäuft, dass wir in Deutschland Patienten tot operieren. Nein! Allenfalls der Pathologe operiert seine Patienten, wenn sie tot sind. Die Ärzte aber, die sich den Lebenden widmen, können, wenn wir Streeck richtig verstehen, Patienten auch totoperieren. Was immer Streeck damit gemeint hat. Wir können uns damit behelfen, dass es der übertragene Sinn ist. Denn ganz ehrlich: Auch Sie glauben nicht, dass in Deutschland Patienten so lange operiert werden bis sie tot sind, oder?

Schon lange habe ich den Eindruck, dass der Schulunterricht damals, in der DDR, sehr viel gründlicher war, was Rechtschreibung und Sprache betrifft. Und nun habe ich heute endlich einen richtig guten Beweis gefunden: ein Artikel, in dem „totoperieren“ zusammengeschrieben ist. Hier – beim MDR – kommt orthografisch zusammen, was zusammengehört,18.11.2025:

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Der "nichtjagende Endverbraucher" und sein Würstchen

Der Deutsche Jagdverband hat 2500 Menschen in Deutschland befragt – oder befragen lassen. Das ist schon die größere Hausnummer für Umfragen. Es sind auch bedeutende Zahlen, die als Ergebnis präsentiert werden (sollten). Und zwar sind 70 Prozent der Deutschen der Ansicht, dass Wildfleisch gesundes und gutes Fleisch ist. So weit, so gut. Diesen Satz kann ja fast jeder unterschreiben, der nicht Vegetarier oder Veganer ist und der die Folgen von Tschernobyl für seit Jahrzehnten gegessen hält.

Aber die Deutschen sind nicht nur Denker. Sie sind auch Gourmets. Und so lautet die nächste Erkenntnis aus dieser Umfrage, dass die Hälfte der Deutschen mindestens einmal pro Jahr das Fleisch vom Wild essen. Auf dem Land tun’s zwei Drittel der Menschen sogar regelmäßig.

Diese Zahlen stammen von der Seite des Deutschen Jagdverbandes vom Oktober 2025 – sind also ziemlich aktuell. Und auch nachvollziehbar.
https://www.jagdverband.de/jeder-zweite-isst-regelmaessig-wild

Auch aktuell ist ein Artikel im Prisma, einer Fernsehbeilage in 250 deutschen Tageszeitungen, die nach eigenen Angaben 5,92 Millionen Leser hat.
https://www.prisma-verlag.de/prisma-gewinnt-sechs-zus%C3%A4tzliche-tr%C3%A4gertitel/?utm_source=chatgpt.com

Hier beginnt der Artikel mit denselben Zahlen: „Wildfleisch boomt! Laut Zahlen des Deutschen Jagdverbandes essen zwei Drittel der Bundesbürger regelmäßig Wild.“. Bloß: Der Jagdverband hatte von zwei Dritteln der Landbevölkerung gesprochen. Die gesamtdurchschnittsdeutsche Zahl lag da eher bei 50 Prozent und mit regelmäßig war da gemeint: einmal pro Jahr. Aber gut, in schreibender Eile oder mit eilender Schreibe kann man die Dinge schon mal durcheinanderbringen. Da steckt bestimmt keine böse Absicht hinter. Allenfalls eine gute.

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Vom Geheimnis hinter oder unter den grauen Haaren

Nichts Genaues weiß man nicht, könnte man unter den Artikel schreiben, den ich Ihnen jetzt empfehlen will. Aber: Die Erkenntnis hinter der Erkenntnis ist genauso bemerkenswert wie der Ansatz der Fragestellung. Denn: Beides steuert das Ergebnis. Und das ist: Graue Haare schützen – möglicherweise – vor Krebs. Nun forschten die japanischen Forscher, wie es sich gehört, zuerst an Mäusen. Für den Menschen ist noch nichts bestätigt. Aber: Es gibt hinreichende Verdachtsmomente. Und die Autorin bleibt vorsichtig: Vorzeitiges Ergrauen ist keine Garantiekarte. Aber der Mechanismus, der hinter dem Ergrauen steht, deutet darauf hin, dass der Körper Zellen aussortiert, die zu Krebszellen werden könnten.

Es kann also nicht falsch sein, wenn Sie sich daraufhin ein paar graue Haare wachsen lassen. Der Artikel findet sich in der Geo, 11.11.2025:
https://www.geo.de/wissen/gesundheit/graue-haare--schutzmechanismus-gegen-krebs--36300150.html?utm_source=firefox-newtab-de-de

Hinter dieser Forschung steht natürlich zuerst die Frage der Forscher. Und dass sie sich auf den Nutzen des Alters richtet, scheint mir schon erstaunlich. Wie insgesamt oder überhaupt oder vielleicht auch nur vorübergehend als Trend das Alter ganz neu betrachtet wird. Möglicherweise ist es gar nicht schlimm? Hier noch, weil sprachlich und erzählerisch schön, ein Link zur Diskussion über die „Frau in Grau“ – oder über das neue „Wow“ beim SRF am 19.10.2025:
https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/trend-zu-grauem-haar-ist-grau-das-neue-wow-wie-frauen-ihre-grauen-haare-feiern

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Schlaft schön -- oder besser nicht?

Vielleicht übertreibt Linda Leitner. Ein bisschen. Aber das macht ihren Text nur schöner. Und ja: Sie schraubt an ihren Worten. Aber auch das ist wunderschön. Denn es treibt ihren Spott auf die Spitze. Für alle, die nicht schlafen können, sich aber trotzdem von der Wohlfühl-Industrie – oder sollte ich von der Wohlfühl-Gesellschaft reden? – nicht einlullen lassen wollen. Viel Lesevergnügen also mit Annabelle. Der Artikel in der Rubrik „fashion“ ist vom 30.10.2025 – und geht weit übers Modische hinaus, wie in der Überschrift versprochen.
https://www.annabelle.ch/stil/ueber-die-mode-hinaus-wieso-schlaf-jetzt-superangesagt-ist/?utm_source=firefox-newtab-de-de

 Und weil das Thema Schlaf offensichtlich zu meinen Lieblingsthemen gehört, hier noch ein paar eigene Links zum Thema:

Wie man sich bettet - Göttliches und Hygienisches zum Thema Schlaf
Zeit für den Winterschlaf?
Vom Schlaf im Doppelbett und der Arbeit im Garten
Schlaflos im Januar - Kleine Artikelsammlung

 Und weil Günter Eichs Gedicht "Wacht auf" aus den "Träumen" von 1950 nie an Aktualität verloren hat, hier der Link zum Weiterlesen:

https://www.deutschelyrik.de/wacht-auf.html

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Am Anfang war die Wurst - bis die EU das Wort ergriff

Ohne Wurst ist das Leben Käse, oder?

Wer diesen Spruch erfunden hat, der wusste offenbar nichts von der Käsewurst. Und wer die Käsewurst für vegetarisch hält, der hat keine Ahnung von unserer Fleischkultur. Der Käse macht hier nur als Zutat die Wurst zur Spezialität.

Und der Leberkäse, bestimmt auch eine Spezialität, enthält zumeist weder Leber noch Käse. Die Gesetzeslage: Bayerischer Leberkäse darf keine Leber enthalten, muss aber nicht aus Bayern sein. Stuttgarter Leberkäse muss hingegen mindestens fünf Prozent Leber enthalten. Und weil vermutlich der Leberkäse älter ist als das deutsche Lebensmittelrecht, darf er Käse heißen, obwohl er keinerlei Bestandteile aus Milch enthält. Kein anderes Lebensmittel darf das.

Sprachgeschichtlich geht der Leberkäse aber weder auf den Käse zurück noch auf die Leber. So meinen zumindest die meisten Forscher. Die Leber kommt vom Laib, der Käse vom Lateinischen caseus. Das die einen mit „Gegorenes“ übersetzen, die anderen mit „Gepresstes“.

Parallel zum Leberkäse gibt’s den Fleischkäse. Wer das Wort für eine Erfindung der Lebensmittelrechtler hält, die dazu dienen soll, uns bezüglich des Inhaltes des Produktes nicht auf die falsche Fährte zu locken, der irrt. Der Fleischkäse ist den Norddeutschen, den Österreichern und den Schweizern schon immer das gewesen, was in Bayern und auch in Österreich der Leberkäse ist.

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Meine neue große Liebe - Und intelligent ist sie auch noch!

Ich habe meine große neue Liebe entdeckt! Ihr Name hat wenig mit Romantik zu tun, ihr Wesen aber viel mit Intelligenz: ChatGPT heißt mein neuer Freund. Was ich auch tue oder zu tun gedenke: Er weiß Rat.

Wobei mir der Anfang dieser Liebhaberei nicht leichtgefallen ist. Schon aus ideologischen Gründen: Ich bin ein erwachsener Mensch, ich kann selber denken, selber schreiben, selber kochen. Und das alles schon lange. Was soll ich also mit einem so intelligenten Liebhaber? Zumal es ja auch einen Ehemann in meinem Leben gibt, der viele seiner Funktionen gerne, freiwillig und wie gewohnt übernimmt. Deswegen zog es mich auch lange nicht zu ChatGPT und Kollegen.  

Aber dann kam die andere AI ins Spiel. Oder KI. Die Stimme aus dem Off bei Google. Ja, man kann andere Suchmaschinen wählen als Google. Will ich aber nicht. Ja, man kann die (alt-)klugen Ratschläge der AI bei Google unterbinden. Nicht im Grundsatz, aber im Einzelnen. Sie müssen nur Ihren Suchwörtern nach einer Leertaste noch -ai hinzufügen – und der Apparat schweigt, wo er schweigen soll. Aber machen Sie das mal jedes Mal. Dann werden auch Sie das Gefühl haben: irgendwie lästig.

Im Laufe der Zeit erfuhr ich dann von der KI/AI bei Google die lustigsten Dinge: Kartoffelpflanzen werden, so eine der Infos, 60 bis 100 cm groß. Manche Exemplare schaffen aber auch 1 Meter. Mathematisch nicht ganz ausgereift diese Antwort. Schön auch folgende Rechnung: „Eine Stunde langsames Radfahren entspricht ungefähr 7.500 Schritten, also entsprechen 10 Minuten etwa 750 Schritten (7500 /6).“

Gut – AI kann nicht rechnen, erfahre ich von erfahrenen Informatikern. Habe ich ja nun auch ganz deutlich erfahren. Schön finde ich, dass diese AI den richtigen Rechenweg geklammert hat. Dass sie den Radweg nicht überprüft hat, den ich gefahren sein will, ist vielleicht nicht einmal Unaufdringlichkeit, sondern noch ein Mangel an Ein- und Weitblick. Meine Befürchtung: Demnächst wird sie auch das tun. Nur um mir weiterzuhelfen in der Berechnung von Schritten, die man auf dem Fahrrad ja eigentlich nicht einmal machen kann.

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Alles wird out!

Und: Haben Sie sich schon geoutet? Oder andersherum: Sind Sie vielleicht längst schon out? Wenn Sie nun den Kopf schütteln angesichts dieser Perspektiven, die ich Ihnen hier anbiete, dann haben Sie die Bandbreite der Möglichkeiten noch nicht voll erfasst. Es gibt ganz gewiss für jeden Menschen ein Out, das zu ihm passt. Nein, nicht das Outfit.

Fangen wir mit dem Burn-out an, in der Hoffnung, dass Sie ihn genauso schnell beiseitelegen können, wie das oben vorgeschlagene Outing. Nein, einen Burn-out haben Sie nicht. Gut so. Dann könnte es vielleicht genau andersherum sein: Sie haben ein Bore-out? Kennen Sie nicht? Aber Sie justieren das Wort irgendwo im Bereich der Langeweile? Genau. In der Sprache der Psychologie wird das Wort eingesetzt, wenn Sie beruflich unterfordert sind. Und im Duden wird das Wort sprachlich als Neutrum geoutet. Während wir beim Burn-out zwischen männlich und sächlich wählen können. Weiblich ist keines von beiden – aber gendern will ich hier nicht, das führt uns zu weit.

Hangeln wir uns also weiter. Wenn Sie mit dem Gesicht zur Wand stehen, haben Sie einen Face-out. Sagt zumindest ChatGPT. Die KI von Google ist da allerdings ganz anderer Ansicht: Wenn Sie ein Face-out haben, dann haben Sie ein schwieriges Problem auszutragen. Aber vielleicht ist das ja gar nicht so weit von der Wand entfernt. Wobei das noch lange nicht alle Vorschläge sind, die sich auch im WWW finden lassen.

Zum Blackout sollten Sie sich tatsächlich nur im äußersten Notfall bekennen. Sie könnten stattdessen im fraglichen Moment ein Time-out beantragen. Wenn Ihnen hier aufgefallen ist, dass der Bindestrich beim Blackout ausgefallen ist: Ja, der Duden variiert. Vielleicht liegt uns der (der Duden erlaubt auch "das") Blackout schon so lange so nahe, dass er der Kennzeichnung als Wortungeheuer gar nicht mehr bedarf. Bevor es dann in dem von Ihnen erbetenen Time-out zu einem Freak-out kommt, also dem Zerreißen Ihres Nervenkostüms, geben Sie sich lieber einem Hang-out hin, dem gemütlichen Abhängen mit Freunden. Dabei ist das Chill-out unter Umständen hilfreich. Der hat natürlich auch die Unterstützung des Dudens: mit Bindestrich und männlich oder sächlich. Nicht aber mit Bedeutung versehen. Wir erhalten dort nur die Info: Der Chill-out ist umgangssprachlich. Bezüglich der Bedeutung werden wir mit einem Satz abgespeist: „Zum Chill-out bietet sich eine gemütliche Bar an.“
https://www.duden.de/rechtschreibung/Chill_out

Ist in dieser Bar dann Chillens Genüge getan, und vielleicht macht sich ja schon wieder ein Gefühl des Bore-outs bemerkbar, dann hilft Ihnen der Show-out weiter. Das ist Ihr ganz großer Auftritt. Jetzt und hier und in dieser Bar! Geht’s schief, bleibt Ihnen der Walk-out. Gelingt es Ihnen, das Publikum zu überzeugen, wars ein Crush-out. Ein Lock-out hingegen droht Ihnen, wenn Sie die Bar nach Ihrem Show-out nicht mehr betreten dürfen.

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Wie man sich bettet - Göttliches und Hygienisches zum Thema Schlaf

Sie können sich drehen und wenden, wie Sie wollen – und Sie finden dennoch keinen Schlaf? Nach einer genügenden Anzahl schlafloser Nächte informieren Sie sich und suchen im Internet nach Tipps. Die gibt es reichlich – und sie firmieren unter dem Substantiv „Schlafhygiene“.
Als aufmerksamer Leser und Sucher nehmen Sie sich diesen oder jenen Ratschlag, der genau auf Ihr Leben und Ihre Lage passt, zu Herzen oder gleich am nächsten Abend mit ins Bett.

Aber Stopp! Wie viel Hygiene tut fürs Schlafen denn wirklich not? Sicher: Ordnung ist das halbe Leben – und wenn nachts das Schlafzimmer ordentlich ist, so sagen es die Prediger der Schlafhygiene, ist die andere Hälfte, nämlich der Schlaf, viel leichter in Ordnung zu bringen.
Aber Hygiene – ist das nicht ein Wort, das schon von Weitem nach Desinfektionsspray riecht? Nach klinischer Sauberkeit? Auf jeden Fall ist es ein Wort fernab alles Weichen, Wollenen oder Kuscheligen. Und mit Gemütlichkeit würde sie auch niemand assoziieren. Ruhe? Ja, vielleicht, aber sehr sterile Ruhe. Seelenruhe? Nein, gewiss nicht.

Wer also ist auf die Idee gekommen, uns guten Schlaf unter dem Zeichen der Hygiene zu predigen? Oder noch weiter zurück: Wer oder was ist denn Hygiene überhaupt?

Wikipedia informiert uns – und gendert dabei korrekt, was vielleicht auch eine Form von Hygiene ist: „Hygieia oder Hygeia (altgriechisch Ὑγίεια Hygíeia oder Ὑγεία Hygeía – als personifizierte „Gesundheit“) ist in der griechischen Mythologie eine wohl zunächst unabhängige athenische Heilgottheit.“ Diese „Heilgottheit“, das möchte ich hier gerne ausdrücklich betonen, ist eine Frau. (Die Griechen konnten sie aber scheinbar nicht ohne männlichen Beistand im Götterhimmel wirken lassen, und so gesellten sie ihr mal Asklepios als Vater, mal als Ehemann zur Seite. Oder Hermes als Ehemann.)
Große Hoffnungen setzten die Griechen in diese Göttin: Sie sollte den Kranken, die aus therapeutischen Gründen im Tempel schliefen, im Schlaf Heilung bringen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Hygieia

Tatsächlich ist also Hygieia für den Schlaf zuständig. Und eigentlich gibt es an ihr nichts auszusetzen: Sie tritt auf als hübsche Gottheit – meist mit der Schlange, die wir von Asklepios kennen. Oder mit einem Füllhorn voller Früchte. Und ganz gewiss ohne Desinfektionsspray.
Aber als diese Göttin dann als „Schlafhygiene“ in den deutschen Sprachschatz kam, war schon einiges schiefgelaufen: In Stuttgart hatte am 23.05.1914 der Jungdeutschlandbund getagt. Thema: Jugendwanderungen und Jugendherbergen. Der „Rheinisch-Westfälischer zugleich Essener Stadt-Anzeiger“ berichtet einen Tag später: „Es kam zum Ausdruck, daß bei den Jungdeutschlandbestrebungen Körperhärtungen und Marschhygiene, Wohn- und Schlafhygiene mehr als bisher behandelt werden sollten.“
https://zeitpunkt.nrw/ulbbn/periodical/zoom/12529349

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Heute ist ein Feiertag - und das Schönste: Sie haben die Wahl

Soeben stand meine Nachbarin vor mir, die heutige Tageszeitung in der Hand, ein Lächeln im Gesicht. Sie wollte mir zum Namenstag gratulieren. Sie ist von der Herkunft her evangelisch. Daher das triumphierende Lächeln, denn die Feier der Namenstage ist, wenn überhaupt noch, eher unter Katholiken verbreitet. Die Protestanten verehren keine Heiligen, weil alle Ehre Gott gebührt.

Nun, ich heiße zwar Mechthild und bin auch katholisch. Und heute ist der Gedennktag der Mechthild von Magdeburg. Ich weiß. Aber: Ich bin da außen vor. Mein Namenstag, und das wird auf Veranlassung meines Onkels vor der Taufe so festgelegt worden sein, ist der 26. Februar. Mechthild von Sponheim.

Trotzdem Danke, Frau Nachbarin!

Ich kannte bislang drei Heilige, deren Vorname Mechthild (gern auch mal Mechtild ohne h, ganz selten Mechtilt mit t am Ende) lautet. Das Ökumenische Heiligenlexikon ist da wesentlich weiter, lerne ich nach dem Besuch der Nachbarin: Mechthild von Sponheim, Mechthild von Hackeborn, Mechthild von Dießen, Mechthild von Hochsal, Mechthild von Magdeburg bzw von Helfta. Ich spare Ihnen die Gedenktage, kann Ihnen aber versichern: Nur wenn Sie das Ökumenische Heiligenlexikon nicht verlassen, sind die Namenstage gesichert. Im Internet und an anderen Orten gehen da so manche Mechthild-Gedenktage durcheinander.  
https://www.heiligenlexikon.de/Grundlagen/Suchergebnis.html?cx=partner-pub-0010282702751518%3A5878370249&cof=FORID%3A10&ie=UTF-8&q=mechthild

Zeit meines Lebens habe ich versucht, meinen Namenstag zu verlegen. Mechthild von Magdeburg – sie wäre mir sehr recht gewesen. Also liegt die Nachbarin ja fast richtig! Aber versuchen Sie mal, einen Namenstag zu verlegen, den weder Sie selbst, noch die anderen feiern. Das hat bis jetzt noch nicht geklappt. Mein Tag bleibt der 26. Februar. Und wird meistens vergessen.

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Der neue Obstkorb kann noch nicht im Sitzen rauchen ... Sprache und Unfug

„Die Klimaanlage ist der neue Obstkorb.“ Das zumindest steht heute in meiner Zeitung. Und es sagt einer, der es wissen muss: Jan Amos verkauft Klimaanlagen. Und er weiß, dass Büros und Industrie aufrüsten in Bezug auf Klimatechnik. Es reicht eben nicht mehr aus, seinen Mitarbeitern einen Obstkorb zu reichen. So die Info im Kölner Stadt-Anzeiger am 13.08.2025 auf der Titelseite. Auch online lässt sich der Artikel finden, von derselben Autorin in etwas anderer Form – und hinter Bezahlschranke:
https://www.ksta.de/koeln/sommerhitze-in-koeln-hat-sich-die-nachfrage-nach-klimaanlagen-mindestens-verdoppelt-1084435

„Sitzen ist das neue Rauchen.“ Ich persönlich assoziiere bei diesem Satz immer das Gesicht von Ingo Froböse. Der Sportwissenschaftler ist Professor an der Deutschen Sporthochschule in Köln und so etwas wie ein Fitness-Papst. Dementsprechend häufig ist er nicht nur in Köln zu lesen. Aber der Satz stammt gar nicht von ihm – und er hat das auch nie behauptet. Der Satz steht als Titel auf einem Buchdeckel und das Buch ist von 2016. Also: Ganz neu ist diese Erkenntnis bzw. diese These nicht. Das ist auch gut so, denn nun ist wohl doch endlich die Zeit gekommen, diese Neuigkeits-Sprüche wider den Strich zu lesen. Die taz tut das sogar. Genauer gesagt: Gisbert Amm tut das in der taz. Und zwar in wunderbaren Reimen. Und am Ende bleibt der Autor liegen. Aus Protest. Gut so. Lesen Sie unbedingt hier:
https://taz.de/Die-Wahrheit/!6057106/

Aber woher kommt dieser Anspruch, die Welt der Wahrheiten in Sentenzen und Ver-Sätzen zu erneuern?

August 2016 (das Jahr, in dem Sitzen zum neuen Rauchen wurde): „50 ist das neue 30: Das Jahr, als ich beschloss, doch nicht alt zu werden“ – dieses Buch von Lotte Kühn erscheint bei Lübbe.

Februar 2025: Autorin und Moderatorin Katja Burkard landet einen Spiegel-Bestseller mit: „60 ist das neue 60 – und warum es überhaupt nicht wehtut“.

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Genie und Wahnsinn in der Forschung

Dass Genie und Wahnsinn einander durchaus nahestehen, wusste schon Edgar Allen Poe. Das Urteil darüber, ob eine Erfindung oder eine Idee zum Geniestreich wird oder als Idiotie belächelt, fällt vielleicht jeder für sich, wirklich entscheidend wird aber wohl der Zeitgeist sein. Oder das Ergebnis.

Aber selbst ohne Ergebnis, Erfolg und Entscheidung: Manche Forschungen sind auf jeden Fall auch amüsant.

So informiert uns Deutschlandfunk Nova über ein Forschungsvorhaben, das dazu führen soll, dass Menschen die Grippeimpfung künftig mittels Zahnseide verabreicht werden kann. Ob das wirklich der einfachere Weg ist, sei dahingestellt. Bei Mäusen jedenfalls, deren Interesse an professioneller Zahnreinigung wahrscheinlich eher gering ist, war die Impfung mittels Zahnseide gar nicht so einfach. Der Artikel ist vom 10.08.2025:
https://www.deutschlandfunknova.de/nachrichten/grippe-impfungen-mit-zahnseide

Auf eine ganz andere Art und Weise verrückt ist die Forschung, die sich um das Verhalten der Winkerkrabben bemühen. Männliche Winkerkrabben winken mit ihren großen Scheren, um weibliche Winkerkrabben zu beeindrucken. Forscher haben ihnen nun einen Winkerkrabbenroboter gegenübergestellt, dessen Schere genauso beeindruckend ist wie das Durchhaltevermögen der Maschine. Gesichert ist: Die männlichen Winkerkrabben bemühen sich um eine adäquate Reaktion. Die Weibchen hingegen scheinen den Apparat nicht wirklich ernst zu nehmen. Nachzulesen bei t3n, 08.08.2025:
https://t3n.de/news/was-dieser-krebsroboter-alles-ueber-sich-ergehen-lassen-musste-1701419/?utm_source=firefox-newtab-de-de

Nicht ganz so verrückt wirkt das Vorhaben, RNA-Sprays zu entwickeln, mit denen künftig Pflanzen besprüht werden sollen, um so die Pflanzen in die Lage zu versetzen, sich gegen Schädlinge zu wehren bzw. sich von ihnen weder schädigen noch beeindrucken zu lassen. Wenn man aber die Geschichte dieser Forschung betrachtet, bleibt immerhin noch Abenteuerliches genug für die Betrachtung. Denn es war die Coronapandemie, die der RNA-Forschung zu einem deutlich vergrößterten Wirkungs-, Forschungs- und Arbeitsfeld verhalf. Der Artikel auf der Seite „Transparenz Gentecnic“ ist am 21.02.2025 aktualisiert worden, ist aber mit Sicherheit älter. Der erste Kommentar ist vom Januar 2023:
https://www.transgen.de/forschung/2860.rna-spray-pflanzenschutz.html

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extra 3 - Alles über Jens Spahn - Kleine Linksammlung

Das haben Sie sich noch nie gefragt! Aber das Satiremagazin extra 3 vom NDR hat für uns alle trotzdem die Antwort zusammengedreht, zusammengeschnitten. Ja, zusammengestellt. Das ist wohl die richtige Beschreibung. Sehen Sie hier, wie man an aufmunternde Worte kommt, die den ehemaligen Bundesgesundheitsminister auf seinen weiteren Weg – nach wohin eigentlich? – bestärken sollen. Das Video ist vom 22.07.2025:

https://www.youtube.com/watch?v=cWL1N_ZdqS

Und weil Jens Spahn ein gern gesehener Gast bei extra 3 ist, über den dort auch viel und gern gesungen wurde hier so etwas wie die gesammelten Werke. Man kann den Eindruck haben, dass das extra-3-Team am liebsten an Songs für und über Jens Spahn arbeitet. Nachgezählt habe ich aber nicht. Insgesamt hatte ich mir das Erstellen dieser Liste übrigens sehr viel einfacher vorgestellt – es sind deutlich mehr Beiträge als ich dachte – und ich hoffe, dass ich die allermeisten Beiträge zusammenbekommen habe.

Am 03.07.2025 ging’s bei Christian Ehrig um eine „Bomben-Idee“ von Jens Spahn: Atomwaffen für Deutschland. O-Ton Ehrig: „Solange er sich nicht um die Beschaffung kümmert …“:
https://www.ardmediathek.de/video/extra-3/spahns-bombenidee-atomwaffen-fuer-deutschland/das-erste/Y3JpZDovL25kci5kZS80YWQzMmIyNC0wNDczLTQ5YmUtYjYwOC1iZjI1M2MxYjZkMTY

Am 23.06.2025 gab’s einen Satiresong zum Maskendeal:
https://www.youtube.com/watch?v=1VfqUDFs7cQ&list=RD1VfqUDFs7cQ&start_radio=1

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Der coronare Krawattenabsturz - ein Lesetipp

Corona hatte und hat, kein Zweifel, ganz erhebliche Folgen. Von denen, und daran gibt es auch keinen Zweifel, die Medien ganz erheblich profitieren. Denn Stoff für die Berichterstattung ist da immer noch genug. Bis heute und noch weit in die Zukunft hinein. Dass aber ein Stückchen Stoff ganz erheblich unter der Pandemie gelitten hat, das haben Sie bestimmt so noch nicht gelesen oder wahrgenommen. Zugespitzt: Die Maske vorm Mund hat der Krawatte um den Kragen den Garaus gemacht. Oder so ähnlich. Josephine Kanefand hat sich jetzt aber bei RND um die Krawatte verdient gemacht. Und sie prophezeit ihr sogar ein Comeback. Sollten Sie keine Zeit für den Artikel haben, werfen Sie zumindest einen kurzen Blick auf die Grafik vom Statistischen Bundesamt, die in den Text integriert ist. Es stimmt: Mit dem Beginn der Pandemie stürzt der Krawattenhandel ganz erheblich ab.

Aber Sie sollten sich doch Zeit für den Artikel nehmen. Dann erfahren Sie auch, was der französische König Ludwig XIV mit der Krawatte verbindet … Viel Spaß beim Lesen.

Der Artikel vom 14.07.2025 findet sich hier:
https://www.rnd.de/wirtschaft/die-krawatte-ist-zurueck-warum-schlips-tragen-wieder-cool-ist-NOIXGPFQKZFWZCIEY6F7PK3MEA.html?utm_source=firefox-newtab-de-de

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Die Ehe - ein Demenzrisiko? Oder: Die Wissenschaft hat festgestellt ...

Die Ehe, so eine aktuelle Studie der Florida State University, ist ein echtes Risiko – für Demenz. 24000 Teilnehmer, Zeitraum bis zu 18 Jahre, Durchschnittsalter: 71,8. Ergebnis: 21,9 Prozent der verheirateten oder verwitweten Personen entwickelten eine Demenzerkrankung. Von den Geschiedenen oder Unverheirateten waren es nur 12,9 Prozent. Den Bericht zur Studie – und am Ende des Textes auch einen Link zur Studie – finden Sie in der Frankfurter Rundschau vom 12.06.2025:
https://www.fr.de/panorama/langzeitstudie-ehe-schuetzt-nicht-vor-demenz-im-gegenteil-zr-93765039.html

Nun ist guter Rat teuer. Denn bislang war das Gegenteil die herrschende Vorstellung. Nach dem Rat, an dem es nun ja mangelt, kommt das Raten oder Rätseln: Vielleicht, so eine der Thesen, ernähren sich die alleinlebenden Menschen besser, vielleicht haben sie umfassendere soziale Kontakte. Vielleicht aber ist alles auch ganz einfach: In der Ehe fällt die Demenz früher auf. Denn der alleinlebende Mensch hat keinen Partner, bei dem schon die ersten Symptome Argwohn wecken. Vielleicht.

Bevor Sie nun daran denken, Ihre Ehe auf welchem Wege auch immer zu beenden, nur um selbst nicht in der Demenz zu enden, kann ich Ihnen mit einer anderen, ebenfalls neuen, Studie weiterhelfen.

Chip führt nämlich am 26.06.2025 britische Forscher ins Feld – der Link zur Studie ist im Text hinter die britischen Forscher gelegt. Diese Forscher haben herausgefunden, dass Singles im Vergleich zu Verheirateten ein um 42 Prozent höheres Risiko haben, an Demenz zu erkranken, als Eheleute. Verwitwete trifft immer noch ein höheres Risiko von immerhin 20 Prozent:
https://www.chip.de/news/Verheiratet-Dann-haben-Sie-bei-Demenz-einen-klaren-Vorteil_185566079.html

Auch hier bleibt ein Erklärungsversuch nicht aus. Eheleute, so hier die Vermutung, haben nämlich umfassendere soziale Kontakte. Und sie ernähren sich gesünder.

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