NACHRICHTENPORTAL

Nachrichten aus dem Gesundheitswesen

Mehr Schall als Rauch - Kommentar zum geplanten Rauchverbot im Auto

Der mediale Jubel ist groß: Rauchen im Auto soll unter Strafe gestellt werden, wenn Schwangere oder Minderjährige mitfahren. Im öffentlichen Nahverkehr ist das Rauchen längst verboten – und nun drohen, wenn der Entwurf aus dem Gesundheitsministerium den Bundestag passiert, dem Raucher und der Raucherin im Auto 3000 Euro Strafe, sofern Kinder oder Ungeborene mitfahren. Den Kindern im Auto drohen, laut Forschung, ganz andere Dinge, wenn sie mit rauchenden Rauchern unterwegs sind: den Ungeborenen zum Beispiel vermindertes Längenwachstum und eine eingeschränkte Lungenfunktion.

Also alles richtig, was das Bundesgesundheitsministerium nun als Referentenentwurf vorlegt.

Eine meiner schrillsten Kindheitserinnerungen, die nur im Nachhinein mit Humor zu ertragen gewesen ist, ist eine Autofahrt mit einem entfernten Onkel und drei nicht ganz so entfernten, dafür aber gewichtigen Tanten. Zwei saßen hinten – ich, klein, und ein wenig zusammengedrückt in deren Mitte. Die Sonne schien, das Wetter war schön – und Onkel Peter zündete sich eine Zigarre an. Weil das Wetter schön war und damit der Zigarrenrauch entweichen kann, öffnete er das Fenster. Ergebnis: Der Fahrtwind pustete mir einen Großteil des Zigarrenrauchs mitten ins Gesicht. Und wegen der erdrückenden Tanten blieb mir auch kein Platz, an anderer Stelle Luft zu holen. Ich war Rauch gewöhnt, die Zeiten damals anders, aber die Zigarre ist Zeit meines Lebens die schlimmste Tabakware geblieben. Sie stinkt nicht nur, sie erstickt einen förmlich.

Also hat Karl Lauterbach alles richtig gemacht.

Rauchen im Auto ist fürchterlich, erst recht, wenn Kinder im Auto sitzen. Genauso fürchterlich allerdings ist: Rauchen im Aufzug. Das stinkt noch, wenn der Verursacher längst verschwunden ist. Und auch da bleibt mir die Luft weg. Oder: Heimliches Rauchen auf der Toilette. (Der Fairness halber sollte ich jetzt vielleicht doch dazu schreiben, dass ich Ex-Raucherin bin.)

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Von der Vermeidbarkeit der Todesfälle - ein Kommentar

Da stehen sich gegenwärtig nicht nur im Internet zwei Überschriftenblöcke einander gegenüber: "Tausende vermeidbare Todesfälle in Deutschland", lautet die aktuellere von beiden. Diese Überschrift ist heute häufig, sie ist variabel, sie ist, nebenbei gesagt, auch missverständlich, denn sie suggeriert eine gewisse Schlampigkeit, mindestens aber Unzulänglichkeit, im Umgang mit den Kranken und mit dem Tod in Krankenhäusern. Die Häufigkeit dieser und ähnlicher Überschriften hat als Ursache eine Analyse der Regierungskommission zur Krankenhausversorgung. Darin wurde eben herausgefunden, dass in spezialisierten Krankenhäusern weniger Menschen an der Krankheit sterben, auf die diese Krankenhäuser spezialisiert sind, als in Krankenhäusern, die diese Kranken auch behandeln, aber nicht auf diese Krankheit spezialisiert sind. (Links am Textende)

So weit, so klar, so einleuchtend und wahrscheinlich auch ohne Gegenrecherche als völlig richtig einzuschätzen.

Der andere Überschriftenblock zieht sich durch die regionalen Fernsehsender. Die Schlüsselwörter sind hier Pleitewelle, Insolvenzwelle, Patient Krankenhaus. Diese Nachrichtengruppe ist ein bis zwei Tage älter als die vermeidbaren Todesfälle, die sich heute als Ausrufezeichen und als Forderung durch die Medien ziehen. Ihr Anlass: ein bundesweiter Protesttag der Krankenhäuser am 20. Juni. Denn das ganz große Rollout der ganz großen Krankenhausreform ist längst ins Rollen gekommen.

Dass der eine Nachrichtenblock mit dem anderen Nachrichtenblock unmittelbar zusammenhängt, liegt auf der Hand. Und dem fleißigen Beobachter des Zeitgeschehens ist dieser Konflikt auch nicht verborgen geblieben. Er schwelt seit Jahren. Der Paukenschlag als öffentlicher Auftakt war dabei sicher die Bertelsmann-Studie, die 2019 die Schließung von mehr als der Hälfte der deutschen Krankenhäuser forderte. Von insgesamt 1400 Krankenhäusern, so die Studie damals, sollten am besten nur 600 Krankenhäuser erhalten bleiben. So ließe sich die Qualität der Krankenhäuser verbessern.

Und nun, vier Jahre und Corona später, darf Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach das alles umsetzen, die Zahl der Krankenhäuser verringern und die Qualität steigern. Eine Rolle, die er sich selbst auch schon 2019 auf den Leib geschrieben hatte.

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Noch ein Corona-App-Abschied - diesmal mit Wehmut und Servus

Nun ist es da – das Ende der Corona-App. Und über App- und Abschiede ist auch hier eigentlich längst genug geschrieben. Doch dann, ich weiß immer noch nicht, ob ich lachen oder spotten soll, fiel mir beim Frühstück heute Morgen fast der Kitt aus der Brille: „Sag zum Abschied leise Virus“, titelt der Kölner Stadt-Anzeiger auf der Panoramaseite. Die Überschrift kommt aus der Feder des RND – Sie finden sie, samt demselben Abschiedstext, hier online:
https://www.rnd.de/panorama/corona-warn-app-wird-eingestellt-ab-1-juni-2023-im-schlafmodus-SKYNPF6ZCBEKDJ4VT4IWTDEIIQ.html

Je nach Alter haben Sie jetzt wahrscheinlich auch die Stimme oder Stimmen von Peter Alexander, Peter Kreuder oder Rudolf Schock im  Kopf. „Sag beim Abschied leise Servus, nicht Lebwohl und nicht Adieu. Diese Worte tun nur weh.“

Falls sie weder Stimme noch Stimmung im Kopf haben – und auch keinerlei Erinnerung an das Lied, seinen Text oder gar seine Entstehungsgeschichte, der BR hat die Fakten in wenigen Worten zusammengefasst und eine wirklich sehr rührende Aufnahme von Willi Forst dazugestellt:
https://www.br-klassik.de/programm/sendungen-a-z/mittagsmusik/mittagsmusik-mit-sahne-sag-beim-abschied-leise-servus-100.html#

Auch auf Youtube findet sich eine Aufnahme von Willi Forst:
https://www.youtube.com/watch?v=8K0saUuuov4

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Das letzte Geleit auf dem Weg in den "Schlafmodus" - Die Corona-App ruht

Wie fällt die Bilanz der Corona-Warn-App aus? Zwar geht sie heimlich, still und leise. Doch an ihrem Grab - nein, es ist wohl doch eher eine Warteschleife als ein Grab - stehen immerhin ein paar Medien mit ähnlicher Abschiedsrede bereit.

T-online berichtet, zusammen oder hauptsächlich mit dpa. Der Abschiedsgesang hat zwischendurch Strophen, die einer Ode gleichen. Dennoch ist der Artikel lesenswert, denn die Bewertung geht in der Perspektive weit über die Pandemie hinaus. Die App hat die Digitalisierung im Gesundheitswesen gefördert, heißt es. Wer hier die Nachtigall trappsen hört, hat vielleicht sogar recht. Das schönste Zitat kommt von Andrew Ullmann, dem Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion. Der konstatiert nämlich nach diesem Bericht, dass die Zahl der Erkrankungen, die durch die App verhindert wurden, unbekannt ist. Im Wortlaut: „Keiner kann bisher genau sagen, wie viele Erkrankungen durch sie verhindert wurden.“ Nein, das wird keiner können. Nicht nur bisher. Auch nicht nachher. Oder demnächst. Denn Ereignisse, die nicht stattgefunden haben, lassen sich nur ganz schwer zählen.

Die Stellungnahme von Bundesminister Karl Lauterbach, kurz und spöttisch zusammengefasst: Kein Weiterbetrieb der App, da kein Bedarf. Aber lassen Sie mal die App auf dem Handy – die nächste Pandemie kommt bestimmt. Wenn nicht Corona, dann eine andere. Das ist jetzt nicht wörtlich zitiert, jedoch vom Minister genauso gemeint.

Den Artikel vom 27.05.2023 finden Sie hier:
https://www.t-online.de/digital/aktuelles/id_100182674/ende-der-corona-warn-app-hat-sie-wirklich-etwas-gebracht-.html

Das ZDF berichtet am 27.05.2023 in vielem gleich bis ähnlich:
https://www.zdf.de/nachrichten/politik/corona-warn-app-pandemie-bilanz-100.html

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Die Putzfrau, die bei der OP assistierte - oder: Von der Eigenart mancher Nachrichten

Die Nachricht ist zu schön, um sie ungedruckt oder ungesendet in der Flut der Nachrichten vorbeiziehen zu lassen. Es geschah vor zweieinhalb Jahren. Einem Patienten in der Uniklinik Mainz musste ein Zeh amputiert werden, die eingeteilten OP-Ärzte mussten zu einem Notfall, der übernehmende Assistenzarzt, der auch alleine hätte operieren können, nahm, als der Patient unruhig wurde, die Putzfrau zu Hilfe. Was er selbstverständlich weder gedurft noch überhaupt gemusst hätte. Der Arzt ist längst entlassen, doch nun spült die Geschichte in einer Nachrichtenwelle ans Oberwasser. Spiegel, Stern, die Welt, RTL, die Tagesschau – kaum einer lässt sich diese Nachricht entgehen. Nebenbei: RTL berichtet von der Putzfrau, T-online auch, die Tagesschau, sprachlich korrekter, von der Reinigungskraft, Stern und Spiegel auch (Links folgen am Textende). Wie auch immer: Diese Nachricht sprudelt auf allen Kanälen.

Die Frage ist aber doch: Warum kommt diese Geschichte jetzt nach zweieinhalb Jahren an die Öffentlichkeit? Sie wäre ja auch 2020 gern gedruckt und gern gesendet worden. Die Tagesschau führt ihre Leser am Ende des Textes auf die richtige Fährte: „Die Mainzer Universitätsmedizin befindet sich schon seit längerem in unruhigem Fahrwasser“, heißt es da. Chefärzte hatten in einem Brandbrief an den Aufsichtsrat den Kaufmännischen Vorstand kritisiert.

Über diesen „Brandbrief“ berichtete der SWR am 16.05.2023. In diesem Artikel ist dann sogar von einem „Maulkorb“ die Rede. Den hat die CDU so benannt, als bekannt wurde, dass eine Nachfrage nach den Inhalten des Brandbriefes nur von Chefärzten im Ruhestand beantwortet wurde. In der Klinik selbst herrschte Schweigen.

Und so titelt die BILD heute – vor der Bezahlschranke: „Machtkampf in Mainzer Uniklinik. Und die Dachzeile: „Es geht um Einfluss, Millionen und Sparzwänge“.

Wenn da mal nicht jemand mit Absicht die Geschichte von der Reinigungskraft mitten aus dem unruhigen Fahrwasser der Uniklinik ganz nach oben gespült hat.

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Mediale Zwietracht: Der Augeninfarkt und seine Einordnung als Nebenwirkung der Corona-Impfung

Dass der Streit darüber, ob und wenn ja, welche Nebenwirkungen mRNA-Impfstoffe im Allgemeinen, und Corona-mRNA-Impfstoffe im Besonderen, ausgefochten hat, wird wohl niemand geglaubt haben. Nicht einmal der, der irgendwann aufgehört hat, die Nachrichten über Corona-Impfstoffe zu lesen. Dass der Konflikt wieder aufflammt, wundert nicht wirklich. Allenfalls verblüfft die Heftigkeit, mit der die Diskussion gerade wieder – neu und doch gleich – geführt wird. Erstaunlicherweise allerdings offenbar nur zwischen „Welt“ und „Süddeutscher Zeitung“. Das lässt auf Hintergrundinteressen schließen, die vielleicht über die reine Faktensammlung und Information hinausgehen. Ursprung der Diskussion ist eine Studie der Stanford Universität von Anfang Mai. Wer in der Debatte welche Interessen verfolgt, wird vielleicht ein wenig mit folgender Linkliste klar. Vorweg: Die Süddeutsche Zeitung zielt in einem Kommentar mit Absicht und Spott auf die „Welt“. In einem Ausmaß, das sprachlich eher unüblich ist. Vorsichtig formuliert. Der Kommentar in der Süddeutschen Zeitung beginnt übrigens mit einem Szenario des Schreckens, das, wie immer und wo auch sonst, in den sozialen Medien verbreitet werden würde. (Oder meinte die Süddeutsche Zeitung hier eigentlich „werden sollte“??). Tatsächlich hat der Kommentar der Süddeutschen Zeitung dazu geführt, dass in den sozialen Medien jetzt die Beziehungen zwischen der Pharmaindustrie und Zeitung diskutiert werden.

Der Link zur Studie:
https://www.nature.com/articles/s41541-023-00661-7

Die Links zur Diskussion von „Welt“ und „Süddeutscher Zeitung:

Die Süddeutsche Zeitung, 19.05.2023, im Frontalkurs gegen die „Welt“. Kommentar von Christina Berndt:
https://www.nature.com/articles/s41541-023-00661-7

Die „Welt“ veröffentlichte am 11.05.2023 ein vierminütiges Video – unter der Rubrik „Investigation und Reportage“. Autorin ist Elke Bodderas:
https://www.nature.com/articles/s41541-023-00661-7

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Exkurs bis hin zu zwei eigenartigen App-Schiedsbriefen

Kurz ist er schon lange nicht mehr – auch wenn er so heißt: der Brief. Literarisch ist er so lange schon, dass wir die Anfänge gar nicht ernsthaft suchen wollen. Seneca schrieb an Lucillus – und zwar 120 Briefe, die schon seinerzeit in 20 Büchern zusammengefasst wurden. Sie waren äußerst beliebt – und lange hielt man den Empfänger Lucillus für ebenfalls fiktiv.

Auch der Apostel Paulus pflegte seine moralischen Lehreinheiten in Briefe zu packen. Gesegnet mit seinen Schriften wurden die Thessaloniker, die Galater, die Korinther, die Römer, die Philipper, die Epheser, die Hebräer.

Dann gibt’s noch Goethe, der den Brief bis hinein in die Gegenwart salon- und literaturfähig gehalten und erneuert hat. Und offenbar ist Goethe so maßgeblich für den Brief, dass Google, der/die/das jetzt neue, flexible Rubrikenköpfe den alten Buttons von News bis Video hinzufügt, für ihn eine eigene Rubrik aufmacht, wenn man „Briefe an“ in die Suchzeile gibt.

Neuer, aber auch schon wieder so alt, dass er bei Thalia gerade als feministische Wiederentdeckung angepriesen wird: Der „Brief an ein nie geborenes Kind“ von Oriana Fallaci. Und ich meine es jetzt gewiss nicht als Spott, wenn ich behaupte: Hier stimmt irgendetwas mit dem Adressaten nicht. Das nie geborene Kind wird nicht lesen können. Und klar doch, es liegt auf der Hand, die Adressatinnen waren, und das ist anders als bei Seneca und Paulus, Menschen in der gleichen Lage. Keine Predigt, keine Lehre. Es geht um Mitgefühl. Vielleicht. Vielleicht sogar um mehr.

Kurz: Briefe eignen sich nicht nur für Nachrichten. Sie eignen sich nicht nur für Kurzdarstellungen. Sie sind nicht nur längst literarische Gattung. Sie sind Ausdrucksform für Hinz und Kunz, für Gefühl, Frage, Laune, Stimmung. Auch für Meinung und Politik, natürlich. Die „Titanic“ hatte das längst alles entdeckt, als sie 1979 die „Briefe an die Leser“ erfand. Als es derer Tausend waren, gab’s beim Verlag „Zweitausendeins“ auch diese Briefe als Buch zu kaufen.

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Die Normalität der Coronatoten - oder: Lesen BILDet

Dass die Bild-Zeitung über Vieles exklusiv berichtet, ist bekannt. Auch ist bekannt, dass die Bild-Zeitung einen ganz besonderen Zugang zu Wahrheit und Wirklichkeit hat. Nicht ganz so verbreitet ist die Erkenntnis, dass das schon seine Richtigkeit hat. Denn manchmal ist halt doch die Erkenntnis von Wahrheit und Wirklichkeit dann am schönsten, wenn sie um ein bis zwei Schritte neben der Spur liegt. Will sagen: Manchmal liegt der Wert einer Geschichte darin, dass sie nicht wahr ist. Was wahrhaftig nicht dasselbe ist, als wenn sie unwahr wäre.

Doch wozu das Geplänkel? Natürlich ahnen Sie, dass es der Vorbereitung dient. Denn die wirkliche, reine und ganze Wahrheit ist: Manchmal trifft die Unmittelbarkeit von Sprache, Menschlichkeit und Wahrheit, mit der die Bild-Zeitung meint spielen zu dürfen, mitten in den großen Haufen, der mit einem großen Sch beginnt.

Leser ohne Bild+-Abo können allerdings nur die Überschrift lesen. Die reicht aber auch schon: „Nobelpreisträger über Pandemie“ lautet das, was früher Dachzeile genannt wurde. Sie steht (eigentlich) über der Überschrift und weist thematisch schon mal in die richtige Richtung. Und den hier gemeinten Nobelpreisträger weist sie ins sprachliche Unglück, denn die Haupt-Überschrift erweckt nun den Anschein, als ob sie den Nobelpreisträger zitiere. Denn sie ist in Anführungszeichen gesetzt:

„Die Menschen, die an Corona sterben, sind normal“

Ja. Das war’s schon. Wenn Sie ein Bild+-Abo haben, erfahren Sie hier vielleicht noch mehr:
https://www.bild.de/bild-plus/video/clip/news-inland/nobelpreistraeger-ueber-pandemie-die-menschen-die-an-corona-sterben-sind-normal-70891574-70895570,var=x,view=conversionToLogin.bild.html

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Forschung: Wenn's mit der Ethik schwierig wird

„Bevor soziale Robotik in der Medizin und Pflege Standard wird, müssen ethische Fragen geklärt werden.“

So lautet eine Bildunterschrift im Tagesspiegel am 14.03.2023. Sie haben’s gewiss gemerkt: Die Frage, ob soziale Robotik in Medizin und Pflege Standard wird, steht hier gar nicht wirklich zur Debatte. Vielleicht ist die kleine Konjunktion „bevor“ die Ursache. Und da wir ein Wort wohl kaum schuldig sprechen können, suchen wir die Schuld beim Texter. Vielleicht hat der einfach nicht verstanden, dass „bevor“ einfach nur nachzeitig ist. Nicht konditional. Will sagen: Die Option, dass die soziale Robotik in der Medizin und Pflege nicht Standard wird, gibt es nicht in diesem Satz. Erst werden die ethischen Fragen geklärt. Und dann geht’s los. Keine Rede davon, dass die Klärung der ethischen Fragen vielleicht Auswirkungen haben könnte, auch grundsätzliche. 

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Die USA, China und das Virus - neue Blickrichtung bei t-online

Waren’s die Chinesen, waren sie’s nicht? Ist das Virus aus Wuhan sozusagen entfleucht? Hatte Trump recht und was sagt Biden warum? Der Artikel aus Washington, den t-online veröffentlicht ist lang wie Kaugummi – und fasst zusammen, was zusammengefasst werden soll. Es geht um das Verhältnis Trump/Biden. Wenn man da von einem Verhältnis sprechen darf. Und es geht um mehr. Aber erst ganz am Ende. Es geht um die Rolle der USA. Zitat:

„Tatsächlich ist die Labor-Hypothese in den USA eng verbunden mit einer politisch ebenso heiklen Frage: Haben die USA zur Virusforschung in China und womöglich auch zur Entwicklung des Coronavirus beigetragen?“

 

Haben Sie’s gemerkt? t-online wechselt ein wenig die Blickrichtung. Text vom 03.03.2023:

https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/usa/id_100137586/corona-aus-wuhan-labor-usa-hat-china-wohl-bei-virusforschung-unterstuetzt.html

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Neues Programm in Baden-Württemberg: The Ländarzt

An Landärzten mangelt es allerorten. Und allerorts werden Programme aufgelegt, die den Landarztmangel beheben helfen sollen. Da muss man, will man sich unterscheiden, schon kreativ sein. In der Namensgebung zum Beispiel. Das Land Baden-Württemberg hat nun ein Programm in die Welt gesetzt – die Opposition kritisiert es laut –, das 75 Studenten fördert und dann aufs Landarztdasein im Lande verpflichtet. Gut: 75 Studenten, die in vielen Jahren erst fertig sein werden, lösen erst mal gar nichts. Da wird die Opposition schon recht haben. Aber das Land Baden-Württemberg löst noch etwas ganz anderes. Halt, der Satz ist unvollständig: löst auf oder löst ab. Erlöst wäre falsch. Völlig losgelöst passt aber schon wieder besser. Nun aber los – geradewegs darauf zu: Das neue Programm heißt: „The Ländarzt“. Nein, Sie haben sich nicht verguckt und ich habe mich nicht vertippt: The Ländarzt. Das sieht nicht nur reichlich komisch aus, es ist auch reichlich komisch.

Googlen Sie das Wort mal. Google schlägt – bislang zumindest noch – als Lösung vor, den Ländarzt durch den Landarzt zu ersetzen. Mit dem englischen Artikel hingegen hat Google kein Problem. Ich aber. Denn mir ist nicht klar, ob der Ländarzt die Verballhornung des Englischen ist oder eher dialektal oder vielleicht sogar dialektisch gemeint ist. Mit Fränkisch, Alemannisch und Schwäbisch kenne ich mich, ehrlich gesagt, gar nicht aus. Und so platt, wie man bei uns in Westfalen Deutsch spricht, heißt das Land einfach nur Land.

Ich hätte da aber ein paar Vorschläge, die wortbildend genauso wenig zur Klärung des Sachverhaltes beitragen dürften. Aber sprachlich deutlich stimmiger wären: der Länderarzt zum Beispiel. Google hat nichts gegen ihn einzuwenden – und bezieht wie selbstverständlich den Landarzt in die Ergebnisauswahl mit ein. Oder: The Ländle Ärztle, oder: The Länd Physician. Besser noch The Länd Füsischen. Nahegelegen hätte ja vielleicht ja auch „Das Ländärztle“.

Sie sehen – man kann es mit diesen Spielereien weit bringen.

Falls Sie aber gar nicht spielen wollen und sich schnell darum bewerben möchten, im Ländle herumdoktern zu dürfen – und dafür auch gefördert werden wollen (gefordert wurden Sie gerade schon), dann hätte ich hier auch die Links dazu:

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Ein Marshallplan also soll es sein - oder: Das Bild hängt schief

Das Bild hängt schief. Bildlich gesehen meine ich. Diesmal ist es Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek, der, bildlich gesprochen, die falsche Schublade geöffnet hat, als er in die Bilderkiste griff, um eine Reform des Gesundheitswesens in Deutschland zu fordern. Ein Marshallplan muss her, so seine Erkenntnis.

Der Marshallplan, so die Auskunft auf Wikipedia, „war ein historisch bedeutendes Wirtschaftsförderungsprogramm der USA für den Wiederaufbau der Staaten Europas nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Zeitraum von 1948 bis 1952 wurden Hilfen im Wert von ca. 13,12 Milliarden US-Dollar (entspricht 2020 rund 141,67 Milliarden Dollar) an viele, insbesondere westeuropäische Staaten geleistet.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Marshallplan

Na hoppla! Wenn da mal nicht die Schwerkraft des Bildes mehr als schwerwiegend ist!

Müssen wir jetzt davon ausgehen, dass Holetschek das Gesundheitswesen in Deutschland mit Hilfe der Amerikaner sanieren will? Wo doch das Gesundheitswesen in den USA strukturell nicht positiv von sich reden macht …

Oder sollen wir davon ausgehen, dass wir gerade so etwas Ähnliches wie den Zweiten Weltkrieg hinter uns haben? Legt Holetschek den Vergleich der Pandemie mit dem Zweiten Weltkrieg mit Absicht nahe? Ist er ihm nahezu entschlüpft? Oder ist ihm der Vergleich gar gänzlich entglitten?

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Fahruntaugliche Senioren - Verkehrsgerichtstag diskutiert Meldepflicht für Ärzte

Da ist sie wieder – die Diskussion darüber, wer wann und warum noch oder schon nicht mehr Auto fahren darf. Genauer gesagt: Ob Ärzte nicht doch Senioren und/oder Kranke, die so beeinträchtigt sind, dass sie eigentlich nicht mehr Auto fahren dürfen sollten, melden sollen müssten. Wenn Sie jetzt über die Verkettung der Hilfsverben den Kopf schütteln – schütteln Sie gleich weiter, wenn Sie den Bericht in der Tagesschau gelesen haben. Denn: Hilfe!! Wo fängt denn die Fahruntauglichkeit an? Hört sie vielleicht zwischendurch wieder auf? Geht der Senior vs. Kranke überhaupt noch zum Arzt, wenn er weiß, dass dieser ihn melden muss? Fragen über Fragen. Nicht einmal neu. Hier der Link zur Tagesschau, 25.01.2023:
https://www.tagesschau.de/wissen/gesundheit/grippe-rki-105.html

Das Thema beim NDR, 26.01.2023, Dreiminütiger Sendebeitrag und Text:
 https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Sollen-Aerzte-fahruntaugliche-Patienten-melden,fahrtauglichkeit108.html

Auslöser für die Diskussion ist der Verkehrsgerichtstag in Goslar, der heute zuende geht. Kurzbericht in der ZEIT, 27.01.2023:
https://www.zeit.de/news/2023-01/26/verkehrsgerichtstag-endet-mit-empfehlungen-an-gesetzgeber

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AOK-Studie zum Gesundheitszustand in Familien - (und dazu noch ein bisschen Besserwisserei)

Da isser wieder. Der Fehlerteufel. Unbemerkt und von hinten schleicht er sich an – und schlägt zu. Jetzt war er bei ZDF unterwegs. Dort, wo die Überschriftenzeilen gebaut werden. Dort hat er nämlich ein leichtes Spiel: Der Hang zum Plakativen, die Auslassung von Verben, der Verkürzung der Inhalte. Alles Stolperfallen. Nun ist der Schlagzeilenredakteur gehörig gestrauchelt – und ich bin lachend gestolpert: „AOK: Mehr Familien bemängeln Gesundheit“. Wunderbar. Der Duden benennt das Bedeutungsfeld von "bemängeln" mit „als Fehler oder Mangel kritisieren, rügen, beanstanden; monieren“. Da kämen wir ja noch gerade eben hin, wenn wir die Gesundheit als Mangel kritisieren. Aber nur, wenn wir gutwillig sind. Böswillig lesen wir: „Mehr Familien kritisieren Gesundheit“.

Gemeint ist natürlich, dass Familien unzufrieden sind mit ihrer Gesundheit – und die Gesundheit selbst Mangel leidet. Die sprachliche Lösung liegt gar nicht so weit weg. Bei RTL hat sie auch jemand gefunden: Es ist der Gesundheitszustand, der bemängelt wird.

So – das war nun eine Einleitung mit Umweg. Die Nachricht aber lautet: Familien in Deutschland sind mit ihrem Gesundheitszustand weniger zufrieden als bisher. Herausgefunden hat das die AOK in einer Studie. Ergebnis laut ZDF: Ein Drittel der befragten Familien (oh, oh – wer denn genau hat geantwortet?) bezeichnet demnach ihre Gesundheit als nicht gut.

Vielleicht liegt dem ZDF-Artikel ja ein grundlegender Abstraktionsfehler zugrunde? Denn selbstverständlich kann man Familien befragen. Aber sie werden kaum antworten. Es antworten Mütter, Väter und/oder Kinder. Und auch die Gesundheit kann man nicht kritisieren – man hätte sie ja gerne. Die Kritik gilt der Krankheit. Möglicherweise auch dem Gesundheitszustand.

Doch da sind wir wieder bei dem alten Lied von der AOK: Die Gesundheitskasse.

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Ausgewähltes zum Thema Ibuprofen und Co.

Der Medikamentenmangel, der sprachgeregelt nun Lieferengpass genannt wird, ist nachrichtlich nicht nur online immer wieder Thema. Meist sind es regionale Artikel, die dann auch noch hinter Bezahlschranke liegen. Deswegen hier im Moment nur ein paar interessante Links.

Es sieht so aus, als sei Ibuprofen das neue Klopapier. Nicht, dass Sie mich falsch verstehen. Selbstverständlich ist Ibuprofen nicht für den Eimer … Aber es ist immer noch Mangelware. Und das liegt, so die Tagesschau, die das Bundesinstitut für Medikamente und Arzneimittel zitiert, weder daran, dass kein Ibuprofen mehr geliefert wird, noch daran, dass es derzeit einen gestiegenen Bedarf gibt. Wobei hier das Missverständnis anfängt: Der Bedarf ist ja da. Und das Ibuprofen, so die Vermutung des Bundesinstituts, liegt bei den Apotheken und den Verbrauchern dort, wo die Hamster am Rad drehen. Oder so ähnlich. Kurz: Das Bundesinstitut streut den Verdacht, dass wir Ibuprofen horten.

So oder so – bleiben Sie sparsam. Hier der Artikel vom 28.11.2022:
https://www.tagesschau.de/inland/regional/nordrheinwestfalen/wdr-story-52103.html#

Die Deutsche Apotheker Zeitung hat schon am 04.11.2022 Ausweichstipps für Apotheker bereitgestellt:
https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2022/11/04/nicht-lieferbar-und-jetzt-diese-otc-alternativen-kommen-in-frage

Die Allgäuer Zeitung weiß, was die Union angeblich wissen will. Nämlich wer die Schuld trägt. Sie ahnen es vielleicht schon: Niemand geringerer als der Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach selbst. Der Text ist dann allerdings deutlich moderater als die Überschrift es andeutet. Nach der Erkenntnis, dass es für den Mangel viele Ursachen gibt, kommt die Nachricht, dass die Union dem Bundesgesundheitsminister eine Mitschuld vorwirft. Wer’s lesen will: Artikel vom 25.11.2022:
https://www.allgaeuer-zeitung.de/welt/politik/ibuprofen-antibiotika-blutdrucksenker-werden-knapp-union-gibt-lauterbach-die-schuld-dafuer_arid-499447

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Vom Maskenball zum Maskenfall - Das Länderspiel der Forderungen

Dass diese Forderung aus Schleswig-Holstein kommt, lässt den Leser aus Köln nur lächeln: Keine Maskenpflicht mehr in Bus und Bahn. Wunderbar – aber wer und wo fährt in Schleswig-Holstein Bus und Bahn? Der Spott mag naheliegen. Doch die Wirklichkeit ist ja immer auch anders: Busse und Bahnen in Köln sind schon lange nicht mehr so voll, wie damals, als wir Corona noch wahlweise für ein Bier oder die Krönung hielten.

Also kein Lächeln über leere Busse in Schleswig-Holstein, in denen die Maskenpflicht gefühlt mindestens so unnötig ist wie in einem Supermarkt in Köln, der tatsächlich auch nicht mehr so voll ist, wie er damals war, als wir Corona noch wahlweise für ein Bier oder die Krönung hielten.

Vielleicht ist dieser Vorstoß ja genau das: eine Krönung. Denn Schleswig-Holstein, genauer gesagt, Ministerpräsident Daniel Günther, CDU, strebt nach Höherem. Der Wegfall der Maskenpflicht in Bus und Bahn soll natürlich möglichst bundeseinheitlich beschlossen werden.

Günthers Einsatz kommt nicht von ungefähr. Vier Bundesländer, darunter auch Schleswig-Holstein, wollen die Isolationspflicht bei Corona abschaffen. Insofern ist die Abschaffung der Maskenpflicht in Bus und Bahn doch tatsächlich die Krönung – oder das Sahnehäubchen.

Im Hintergrund singt und summt die FPD die richtigen Adjektive: eigenverantwortlich, selbstständig. Man würde auch dieses Adjektiv noch erwarten: mündig. Doch das Erstaunliche ist: Vom mündigen Bürger redet grade keiner. Zumindest nicht offen. Denn dann müsste ja auch genauso offen vom entmündigten Bürger die Rede sein. Und das ist vielleicht viel zu riskant.

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Von der Schikanierung der Ungeimpften - Zwei Kommentare

Da dreht sich was. Oder da dreht wer was. Die Neue Züricher Zeitung und die „Welt“ blicken zurück. Darauf, dass der Umgang mit den Ungeimpften eine unmögliche Ausgrenzung war. Die noch dazu ungerechtfertigterweise geschah. Vielleicht ist das ja ein Anfang dazu, eine Spaltung zu überbrücken, die im Alltag nicht nur den Ungeimpften gegenüber stattgefunden hat. Abstand wird ganz schnell auch zur Abgrenzung. Und dann ist es nicht mehr weit zur Ausgrenzung. Vielleicht darf dieses Jahr Weihnachten wieder jeder zum Krippenspiel – und nur Maria und Josef müssen aufs Neue gucken, wo sie eine Bleibe finden.

Hier die bemerkenswerten Kommentare:

Benedikt Neff kommentiert in der Neuen Züricher Zeitung. Überschrift: „Die Schikanierung der Ungeimpften basierte auch auf falschen Informationen. Ein Rückblick auf eine soziale Ächtung.“
11.11.2022:
https://www.nzz.ch/meinung/corona-die-schikanierung-der-ungeimpften-ld.1711507

Die „Welt“ führt als Kategorie den Begriff „Corona-Aufarbeitung“ ein. Darunter ein Kommentar von Jakob Hayner: „Wir müssen über die ,Tyrannei der Ungeimpften‘ reden“. Hinter Bezahlschranke, 11.11.2022:
https://www.nzz.ch/meinung/corona-die-schikanierung-der-ungeimpften-ld.1711507

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Porzellankistenklügelei für, mit und gegen Kita-Kinder - Erkenntnisse im Rückblick

Ja, hinterher ist man immer klüger. Und ja, der Bundesgesundheitsminister, der die Kitas geschlossen hat, als die Pandemie unaufhaltsam uns erschien, hieß nicht Karl Lauterbach. Es war der andere. Es war Jens Spahn. Und ja, Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Das weiß wahrscheinlich auch jeder Bundesgesundheitsminister.

Und in dieser Porzellankiste – quasi die Büchse der Pandoramie – sind die allermeisten Kita-Kinder jetzt zwei Jahre lang groß geworden: Nichts umwerfen, nichts anstoßen, nichts falsch machen, nichts anfassen, nur nicht bewegen. Vorsicht. Mutter. Nein, Vorsicht: Vater Staat. Es war Vater Staat der für die Mütter (und natürlich auch für die Väter) die Lebenswelt der Kinder mit Porzellankisten ausgestattet hat.

Und nun, es ist fast zynisch, stellen Robert-Koch-Institut und die Deutsche Jugendstiftung fest, nachdem sie die nach den ersten Pandemiejahren vorliegenden Ansteckungsdaten ausgewertet haben: Die Schließungen der Kitas waren unnötig. Kitas waren kein Ort der Ansteckung. Und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach lässt diese Erkenntnis derzeit verlautbaren. (Bericht in der Tagesschau, 02.11.2022, https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/corona-studie-109.html).

Wie gesagt: Hinterher ist man immer klüger.

Aber halt! Stopp. Ganz hinten, ganz tief versteckt ist da doch noch eine Erinnerung. Hat es nicht am Anfang der Pandemie immer auch geheißen, dass das Virus die Kinder eher selten trifft? Und dann waren Theorien aus dem Nichts oder aus der Porzellankiste, vielleicht auch aus Pandoras Büchse gewachsen, nach denen die Kinder zwar nicht erkranken, aber das Virus quasi incognito weitergeben. Und dann waren die Kitas geschlossen worden und die Kinder – samt Eltern – in häuslichen Porzellankisten gefangen. (Das englische Fachwort lautet: Home-Office.)

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Unverbesserliche Deutsche - coroni, oblada und es kütt, wie es kütt ...

Die Menschen sind unverbesserlich, unvernünftig, unbelehrbar. Das weiß ja jeder. Aber wer hätte das gedacht: Nach gut zweieinhalb Jahren Abstand halten, Maske tragen, ins Testcenter rennen, Selbsttests im Supermarkt kaufen, Hygienespray in der Manteltasche tragen, Einkäufe reduzieren, Krankenhäuser meiden und vielen, vielen anderen sinnvollen und unsinnigen Maßnahmen, sind die Deutschen auf ihre alten Unsitten zurückgefallen: Sie gehen krank zur Arbeit. Auch dann, wenn sie coronapositiv sind. Nein, natürlich nicht alle Deutschen: Aber fast jeder Zehnte! Eine Krankenkasse hat’s festgestellt, die Tagesschau hat’s hinausposaunt (17.10.2022):
https://www.tagesschau.de/inland/krankenkasse-umfrage-krank-zur-arbeit-101.html

Aber hoppla Nummer 1: Wieso nennt die Tagesschau den Namen der Krankenkasse nicht. Doch, tut sie. Und zwar im dritten oder vierten Satz, nicht ohne vorher einzugestehen, dass sie den Bericht der Krankenkasse Pronova BKK aus der Funke Mediengruppe zitiert. Gut, manchmal ist ja Schnelligkeit wichtiger als die Originalquelle. Jedoch: Die Studie ist zwar aktuell, aber nicht brandneu. Die Pronova BKK wirbt natürlich selbst auf eigener Webseite mit ihren Erkenntnissen aus der Studie.

Aber hoppla Nummer 2: Wieso nennt die Pronova BKK in ihrem Eigenbericht über ihre Studie „Arbeiten 2022“ nicht an vorderster Stelle, dass jeder zehnte Deutsche coronakrank zur Arbeit geht? Unzweifelhaft ist doch, dass dieser Nachricht ein hoher Nachrichtenwert zukommt. Doch nein, bei der Pronova BKK selbst erfahren wir, wie viele Deutsche am Arbeitsplatz Maske tragen möchten, wer welche Coronasorgen für den und am Arbeitsplatz hegt – und dass das Homeoffice entzaubert ist. Kein Sehnsuchtsort mehr. Auch eine Nachricht ersten Ranges, sicher (11.10.2022).
https://www.pronovabkk.de/presse/pressemitteilungen/corona-herbst-berufstaetige-wuenschen-erneute-maskenpflicht-und-tests-aber-kaum-homeoffice.html

Die Nachricht, dass jeder zehnte Deutsche sich mit milden Corona-Symptomen zur Arbeit begibt, verbreitet sich natürlich dennoch und erwartungsgemäß wie ein Lauffeuer. Die Kommentare fallen auch genauso aus, wie Sie es erwarten würden. Deswegen zur Übersicht nur eine kleine Linkliste, aber unkommentiert. Sie finden aber deutlich mehr Kommentare und Nachrichten dazu im WWW.

Der WDR sammelt Stimmen von DGB bis zu Krankenhäusern und Seniorenheimen, 17.10.2022:
https://www1.wdr.de/nachrichten/trotz-corona-krank-zur-arbeit-100.html

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Prognostisches: Von der Twindemie bis zur schönen Bescherung

Sie macht’s hinter Bezahlschranke. Aber nicht heimlich, mehr so unheimlich, denn die Überschrift dürfen wir kostenlos lesen. „Warten auf die Twindemie“ titelt ZEIT online am 20.10.2022.
https://www.zeit.de/gesundheit/2022-10/corona-winter-grippewelle-impfung-rki?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

Wer hat’s erfunden? Das Wort natürlich. Unklar. Schon der WDR winkte am 12.10.2022 mit der sprachlich hübschen Neuschöpfung.
https://www1.wdr.de/nachrichten/corona-und-grippe-kommt-die-twindemie-100.html

Noch früher, nämlich am 09.10.2022 wollte die FAZ Schluss machen. Mit der neuen Leichtigkeit. Die kleine Dachzeile über der Titelzeile erklärt’s schon: Virengefahr in der Twindemie.
https://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/influenza-und-corona-wie-gross-wird-die-virengefahr-im-winter-18369938.html

Die FR bleibt sprachlich eher solide aufgestellt: Sie spricht von der drohenden Grippewelle und den möglichen Doppelinfektionen. An der Twindemie kommt aber auch sie nicht vorbei. Zu schön die Wortschöpfung, um sie ungenutzt vorbeiziehen zu lassen. (19.10.2022)
https://www.fr.de/wissen/grippewelle-grippe-corona-doppelinfektionen-deutschland-winter-schwer-fachleute-impfung-91850721.html

Die Frauenzeitschrift Brigitte stellt sich gleich auf Seite ihrer Klientel. Hier warten nämlich die Expert-Doppelpunk-innen auf die Twindemie. Und Brigitte will’s ganz genau wissen und schiebt gleich in der Überschrift die richtige Frage nach: „Was ist das eigentlich“.
https://www.brigitte.de/aktuell/gesellschaft/corona-im-herbst--expert-innen-warnen-vor-der-twindemie---was-ist-das-eigentlich--13404476.html

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