Kostenlose Kranken-Mitversicherung von Ehepartnern abschaffen?
Sie haben sie gefunden: Die Geldquelle, die die Finanzierungslücken der Krankenkassen füllen könnte. Die Überschriften zum Thema sind gendergerecht: Die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern bei den Krankenkassen soll gestrichen werden. Jede Wette: Die meisten davon sind Frauen. Die Koalition will jetzt also den Hausfrauen an den Kragen bzw. der Familie an den Geldbeutel. Denn wenn der nicht verdienende Ehepartner, also höchstwahrscheinlich meistens die nicht verdienende Ehepartnerin, Krankenkassengebühren zahlen muss, wird sie notgedrungen arbeiten gehen müssen.
Das Handelsblatt berichtete heute, 23.03.2026 zuerst, allerdings hinter Bezahlschranke:
https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/gesundheitsreform-koalition-will-mitversicherung-von-ehepartnern-abschaffen/100207217.html
Der Merkur folgt dem Handelsblatt, ebenfalls am 23.03.2026, textlich: „Wie das Handelsblatt unter Berufung auf Koalitionskreise berichtet, könnten die Kosten um einen niedrigen einstelligen Milliardenbetrag pro Jahr gesenkt werden und den Anreiz erhöhen, arbeiten zu gehen. Weiter heißt es, dass künftig mindestens 225 Euro im Monat an Kranken- und Pflegekasse entrichtet werden sollen. Ausnahmen sollen für Menschen mit Kindern unter sechs Jahren oder pflegebedürftigen Angehörigen gelten. In Deutschland sind rund 16 Millionen Menschen kostenlos mitversichert, der Großteil davon sind Kinder.“
https://www.merkur.de/wirtschaft/krankenversicherung-koennte-fuer-familien-teurer-werden-bericht-ueber-heiklen-plan-merz-regierung-zr-94231706.html
Auch ntv zitiert in der Berichterstattung das Handelsblatt, 23.03.2026:
https://www.n-tv.de/politik/Kostenlose-Krankenversicherung-fuer-Ehepartner-koennte-kippen-id30500918.html
Die FAZ hat über ihren Artikel vom 23.06.2026 eine Bezahlschranke gelegt:
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/krankenkassen-ende-der-kostenlosen-partnerversicherung-rueckt-naeher-200662735.html
Hier die Statistik zu den Familienangehörigen, die in der Allgemeinen Krankenversicherung kostenlos mitversichert sind. Sie finden die Zahlen in einem PDF des Bundesgesundheitsministeriums, es sind die Werte von Januar und Februar 2026:
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Statistiken/GKV/Mitglieder_Versicherte/KM1_Januar_bis_Februar_2026.pdf
|
Kennziffer |
Beschreibung |
Männer (Mä.) |
Frauen (Fr.) |
Gesamt (Zu.) |
|
11010 |
Mitversicherte Angehörige gesamt |
6.805.167 |
8.223.241 |
15.028.408 |
|
11015 |
./. Mitversicherte Kinder |
6.549.047 |
5.542.128 |
12.091.175 |
|
Ergebnis |
Mitversicherte Ehepartner |
256.120 |
2.681.113 |
2.937.233 |
Nach dieser Statistik liegt also die Zahl der kostenlos mitversicherten Ehefrauen aus der Gesamtzahl der kostenlos mitversicherten Ehepartner bei über 90 Prozent.
Über die möglichen Einsparungen, Gewinne, Geldumleitungen aus dem Bundeshaushalt zu spekulieren oder zu diskutieren, ist vielleicht erst dann sinnvoll, wenn die Debatte zu einem konkreten Plan oder Ergebnis geführt hat.
Klar aber ist eines: Bei den Frauen liegt der Schatz vergraben. Und klar ist noch etwas anderes: Die Hausfrau und Mutter, die bislang keinen Arbeitgeber hat, wird sich einen suchen müssen. Das ist kein Abschied von einem scheinbar veralteten Familienmodell. Das ist mehr: Es wird sich die gesamte Gesellschaftsstruktur ändern müssen, um die Arbeit, die diese Frauen leisten, ersetzen zu können. Denn dass all diese Frauen nicht arbeiten gehen, hat ja seinen Grund mit Sicherheit in Notwendigkeiten: Familienbetriebe, Familien mit behinderten Kindern, Familien mit zu versorgenden älteren Menschen – da liegt reichlich Versorgungsarbeit. Unbezahlte Versorgungsarbeit.
Nicht nur, dass dies ein grundsätzlicher Angriff auf die Familie ist. Die dann wegfallende Care-Arbeit muss ja anschließend teuer eingekauft werden. Da wo die Familienstruktur die schwachen Mitglieder unserer Gesellschaft, also die Kinder, die Behinderten, die Alten nicht mehr mitnehmen kann, müssen neue Strukturen geschaffen werden, in denen diese Menschen im schlimmsten Fall für viel Geld nur aufbewahrt werden. Am Ende steht eine Rechnung, die nicht aufgehen kann.
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