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Das Klima-Ei: Warum der Osterhase jetzt umschulen sollte

Der Eiermarkt ist angespannt, so erfährt der findige Googler, der sich schon jetzt um die Eierpreise bis Ostern sorgt. Seine Sorge ist berechtigt, sagen die einen. Die anderen sagen, und darin gleichen sie den Kölnern: Es ist noch immer gutgegangen. Vor allem an Ostern. Denn der wirklich auffällige Eierverbrauch – und jetzt werden Sie sich wundern – findet an Weihnachten statt. Wer sich um die ungelegten Eier kümmert, so könnte man nun spotten, der wird nie herausfinden, wo der Hase im Pfeffer liegt.

(Hier die Eierinfo für die Sorglosen, beim rbb, 19.03.2026:
https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2026/03/newcastle-krankheit-gefluegel-brandenburg-eier-umwelt.html)

Aber Moment: Noch sollte der Hase ja gar nicht im Pfeffer liegen, nicht einmal dann, wenn er zu Ostern auf den Tisch kommen soll. Zuvor sind doch die Eierpreise noch sein täglich Brot. Während ihm die Logistik in diesem Jahr wohl zur täglichen Not gereichen könnte. Woher nehmen und nicht stehlen? Denn den Eierdieb, so das Sprichwort, erkennt man an den Schalen.

Vielleicht ist es ja an der Zeit, dass der Osterhase ganz grundsätzlich umschult. Nicht zum falschen Hasen, als solcher käme er an Ostern sowieso eher nicht auf den Tisch. Der Verzehr tierischer Lebensmittel gilt ja inzwischen als Teil der Klimakatastrophe – und damit wohl auch als Vorzeichen des Weltuntergangs. Und genau hier könnte der Osterhase eine ganz entscheidende Vorreiterrolle einnehmen. Als Zeichen der Fruchtbarkeit, als Verkündiger der Auferstehung, als Sinnbild von Leben und Vergehen könnten wir ihn zum Prediger des DGE-Ernährungskreises machen. Den Kindern könnte er ein Osternest aus Bärlauch und essbaren Schlüsselblumenblüten im Beet verstecken. Den Eltern würde er ein hübsches Leporello mit der derzeit geltenden Ernährungsphilosophie in den Briefkasten werfen.

Sie wissen nicht, was der DGE-Ernährungskreis ist, oder? Die DGE kennen Sie, das ist die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Und die sorgt seit Beginn der 2020er-Jahre mit der Lehre vom Ernährungskreis – gewiss in Kenntnis von Alpha und Omega und dem Kreislauf vom Leben und Sterben – dafür, dass der Mensch auf keinen Fall nur isst, was er ist. Nein, das Ziel ist nun, dass der Mensch isst ohne der Umwelt zu schaden. Zu drei Vierteln, so das neue Dogma, soll der Speiseplan aus Pflanzlichem bestehen. Und zu höchstens einem Viertel  aus tierischen Produkten. Eier inklusive. Heißt: Ein Ei pro Woche reicht völlig. Netterweise sind nicht mitgezählt die Eier, die nicht der Hase, sondern der Koch oder Bäcker im Auflauf und im Kuchen versteckt haben.

Ausdrücklich aber erklärt die DGE: „Die Portionsangabe von einem Ei pro Woche beruht nicht auf einer Begrenzung aus gesundheitlichen Gründen, z. B. dem Cholesterin. Es ist eine Menge, die für die Nährstoffzufuhr und Gesundheit ausreichend ist, zugleich die Umwelt nicht stärker als nötig belastet und die den durchschnittlichen Verzehrgewohnheiten der deutschen Bevölkerung entspricht.“ Zu Ostern übrigens, das hatte die DGE ihrer Lehre vorangestellt, ist es aber völlig unproblematisch, mehr als dieses eine wöchentliche Ei zu essen.
https://www.dge.de/presse/meldungen/2024/auch-zu-ostern-eier-geniessen/

Was die „durchschnittlichen Verzehrgewohnheiten der deutschen Bevölkerung“ betrifft, war die DGE 2024 nicht ganz auf dem Laufenden: Der Eierkonsum der Deutschen steigt seit 2022. 2024 haben wir 248 Eier pro Kopf und Jahr verzehrt, 2025 waren es schon 252 Eier. Also hat der Durchschnittsdeutsche 2024 tatsächlich täglich 0,68 Eier verzehrt. Oder andersherum: Jeder Deutsche hat 2024 alle drei Tage zwei Eier gegessen. Gewiss waren die nicht alle im Kuchen oder Auflauf versteckt.

Hier könnten wir jetzt unseren falschen Osterhasen, den Hasenberater, einsetzen. Als Aufklärer, denn erstens: Es gibt ja gar keine Osterhasen – und der Osterfuchs, ein früherer Kollege oder auch ein Vorläufer, ist längst ausgestorben. Und zweitens, auch wenn der ökologische Fußabdruck des Eierliebhabers deutlich kleiner ist, als der ökologische Fußabdruck des Fleischessers oder des Käsegenießers: Kleinvieh macht auch Mist, heißt es schon von alters her. Und nun seien Sie zu Ostern kein Hasenfuß und essen Sie zehn hartgekochte Eier. Anschließend ist es Ihnen völlig egal, dass der Schwefelwasserstoff, der geräuschvoll oder geräuschlos ihrer rückwärtigen Seite entfleucht, überhaupt gar kein Treibhausgas ist. Wie überhaupt der Mensch Treibhausgase eher aus pflanzlicher Nahrung produziert. Der Geruch mag sich aufs Raumklima auswirken, klimaschädlich ist er eher nicht.

Hätte der Hasenberater Ihnen rechtzeitig statt irgendwelcher Eier die Information des DGE ins Nest oder in den Briefkasten gelegt, Sie wären klüger gewesen:

„Eine unbegrenzte Menge an Eiern ist im Rahmen einer pflanzenbetonten Ernährung dennoch nicht zu empfehlen. Eier können als tierische Lebensmittel den Speiseplan ergänzen und Bestandteil einer vollwertigen Ernährung sein. Weniger tierische Lebensmittel zu essen hat nicht nur gesundheitliche Vorteile, sondern vermindert auch die negativen Einflüsse auf Umwelt und Klima. Bei der Produktion tierischer Lebensmittel ist der Verbrauch von Ressourcen und der Ausstoß schädlicher Treibhausgase höher als bei der Produktion pflanzlicher Lebensmittel.“
https://www.dge.de/presse/meldungen/2020/eierverzehr-fokus-auf-gesamtqualitaet-der-ernaehrung-legen/

Damit mutiert die DGE vom medizinischen Vormund zum planetaren Buchhalter. Wenn die Empfehlung für den sonntäglichen oder österlichen Eierverzehr nicht mehr im Cholesterinspiegel, sondern in der CO2-Bilanz begründet liegt, verlässt die Wissenschaft ihr Labor und betritt die politische Bühne. Sie sagt uns nicht mehr, was uns guttut, sondern was uns zusteht. Sie orientiert sich nicht mehr am Optimum oder am Bedarf, sondern am Minimum.

Ja, sagen Sie jetzt: Da hat Ihnen der Hase wohl ein Kuckucksei ins Nest gelegt. Nun sitzen Sie da und können darüber brüten. Denn es gleicht ja bekanntlich ein Ei dem anderen. Ob die Treibhausgase vor dem Verzehr der Lebensmittel oder nach ihrem Verzehr entstehen, das ist am Ende vielleicht sogar Ei-nerl-ei.

Apotheken-Protesttag am 23. März

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