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Von der Verbreitung der Zoonosen

Wer jetzt in diesen Zeiten, auf die das Wort nachpandemisch eigentlich so recht nicht mehr zutrifft, Klickzahlen und Leser generieren will, der schreibt über Zoonosen. Das Hantavirus scheint zwar thematisch ausdiskutiert, ist es aber noch lange nicht, auch wenn die WHO das Erkrankungsrisiko als gering beschreibt. Wegen der derzeitigen Variation des Ebolavirus, die gerade im Kongo sich umtreibt, hat die WHO aber den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen, Nina Warken beruhigt für Deutschland und erklärt: Die WHO mache das, um für Unterstützung der vom Virus betroffenen Region zu sorgen. Ja, das nehmen wir auch an.
https://hasepost.de/gesundheitsministerin-ebola-pandemie-weltweit-nahezu-ausgeschlossen-713603/
 
https://www.tagesschau.de/ausland/afrika/ebola-who-gesundheitsnotlage-100.html

Die nächste Meldung ist nur wenige Stunden alt: Im Landkreis Regen in Bayern hat sich jemand mit dem Bornavirus infiziert und liegt auf der Intensivstation. Im vorigen Jahr sind mehrere Menschen an dieser seltenen, aber gefährlichen Infektion gestorben.
https://www.br.de/nachrichten/bayern/bornavirus-infizierter-aus-bayern-auf-intensivstation,VJz2MZm

Komisch ist das alles nicht. Zum Lachen schon gar nicht. Aber Sie können quasi zusehen, und das ist vielleicht doch komisch, wie die verschiedensten Zoonosen sich jeweils in Windeseile im Internet verbreiten. Sie brauchen nur einen aktuellen Anlass, wenige Stunden Zeit – und dann geben Sie von Zeit zu Zeit den Namen des aktuellen Virus in die Suchmaske Ihrer Wahl ein.

Ganz schnell sind Sie in der Lage, eine Zoonosen-Genese zu formulieren. Auf jeden Fall können Sie quasi live verfolgen, wie viral diese Geschichte(n) medial wirken. Wenn Sie eher der Mensch sind, der es mit einem Überblick versuchen will: Geben Sie das Wort Zoonose ein – und suchen Sie nach Nachrichten. Schnell werden sie feststellen: Die Vogelgrippe grassiert noch, die Hasenpest hat in Niedersachsen und Bremen von Jahresanfang bis Ende April drei Menschen „erwischt“ – in ganz Deutschland sind es in selben Zeitraum 33.
https://hannover.t-online.de/region/hannover/id_101224132/hannover-hasenpest-in-niedersachsen-mehrere-menschen-erkrankt.html

Die nächste Erkenntnis: Da draußen sind eine ganze Menge Zoo-Nasen unterwegs auf der Suche nach der nächsten Zoonose. Auch Medienmenschen brauchen halt den richtigen Riecher. Und im medialen Clickbattle bettelt es sich immer noch am besten mit tierisch guten Nachrichten. Das Dilemma: Wie man sich bettet, so liegt man. Und sollten Sie jetzt gerade liegen: Stehen Sie nicht auf, die nächste Info wird Sie plätten, auch wenn sie schon zehn Jahre alt ist: Das Zikavirus, für das ja eigentlich die Mücken zuständig sind, kann auch von Männern übertragen werden. Beim Sex. Kein Witz. Ich sag ja: Bleiben Sie liegen und vor allem: Lassen Sie Ihren Mann liegen. Denn er muss selbst nicht einmal Symptome haben, um das Virus weiterzugeben.
https://www.handelsblatt.com/technik/medizin/warnung-der-who-zika-virus-immer-oefter-durch-sex-uebertragen/13071884.html

Nun wollen wir hier aber nicht die Mücke zum Elefanten machen. Wobei die Mücke, zoonosologisch betrachtet, ziemlich elefantös aufgestellt ist: Sie überträgt zum Beispiel das West-Nil-Fieber, das Dengue-Fieber, das Chikungunya-Fieber, das Gelbfieber, die Zika-Virus-Infektion, Malaria, das Rifttal-Fieber, das Sindbis-Fieber, die Usutu-Virus-Infektion, das Sandmückenfieber, die Flussblindheit und die Leishmaniose.

Vielleicht ist ja damit geklärt, warum die zoonoseale Infowelle quasi in Form von Fieberschüben durch das Internet pulsiert. Die ganze journalistische Wahrheit dahinter: Tiere gehen immer. Mücken also auch.

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