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Digital Health: Her mit den Daten und app damit in die Zukunft - ein Kommentar

„34 Gesetze in 32 Monaten“ – die Überschrift im Netz prangt groß und grün auf der Web-Seite – und der Leser weiß noch nicht so recht, ob das jetzt ein Loblied auf die Regierung oder ein Verweis auf unsere preußische Tradition werden soll. Die grüne Farbe, das ist schnell erklärt, gehört zum Layout der Seite „Pharma Fakten“. Sie ist eine Initiative von Arzneimittelherstellern in Deutschland – und es gibt tatsächlich schönere Farben. Schreien tut sie aber, und darum geht’s.

Schluss mit der Geschwätzigkeit: Die Pharmazeutische Industrie schätzt sich glücklich, dass endlich Bewegung in den Produktionsstandort Deutschland kommt. Es geht (auch und vor allem) um Digital Health. Auf der Hauptversammlung des BPI (Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie) hat sich eine Expertenrunde ausgesprochen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn war für ein Grußwort digital zugeschaltet und prangt deswegen jetzt mit seinem Konterfei unter der großgrünen Überschrift. Darunter die Zusammenfassung der pharma-industriellen Expertenrunde, die der Coronakrise eben so viel Positives abgewinnen kann, als dass es jetzt endlich losgeht.

Zitat aus dem Web-Auftritt:

Man habe in der Coronakrise erlebt, „wie viel besser es wäre, das alles schon zu haben – die Vernetzung in Europa direkt von den Patientenakten, die Zusammenführung von Daten, um daraus zu lernen und noch besser zu werden“.

https://www.pharma-fakten.de/news/details/1016-digitalisierung-im-deutschen-gesundheitswesen-34-gesetze-in-32-monaten/

Ob und wie es losgeht mit der digitalen Health, ist in Deutschland Thema, seit wir nach dem Corona-Erschrecken wieder Luft holen können. Start-ups wittern ihre Chancen für Apps und Äppelchen und vieles sieht aus wie der Start in eine großangelegte kollektive Selbstüberwachung: Ab mit den medizinischen Daten zur eigenen Person ins eigene Handy. Kontrolle tut not. Und es geht dabei um deutlich mehr als unseren eigenen Blutdruck, die Zahl unserer Schritte und unsere Insulinwerte. Die Pharma-Industrie, sie lasen es gerade, ist hungrig nach Patientendaten und Zahlen aus ganz Europa, zusammengeführt zum Lernen.

Die Digi-Szene, wenn ich sie mal liebevoll so nennen darf, ist konsequent, wenn es um die Sammlung von Daten und Fakten geht, und sie hat dabei auch durchaus sich selbst im Blick:

30 Start-up-Unternehmen aus NRW haben am 30. Juli 2020 gemeinsam in NRW eine Umfrage zum Thema Digital Health gestartet. Mit dabei die AOK, das NRW Wirtschaftsministerium und digihub. Digihub, die Frage stellen sich gewiss auch Leser aus NRW, ist die Abkürzung für „Digital Innovation Hub“. Das Unternehmen sitzt in NRW und beantwortet auf eigener Webseite die selbstgestellte Frage „Was macht eigentlich der Hub?“ so:

„Wir sind Matchmaker & Digital-Accelerator. Der digihub vernetzt Mittelstand, Startups, Konzerne, Wissenschaftler & Investoren und unterstützt bei der Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle, Produkte und Lösungen.“

 

Dann mal auf ins Match – das Netz steht ja offenbar schon. Die Umfrage sollte bis August dauern – und für den September wurden in der Pressemitteilung die Ergebnisse der Öffentlichkeit versprochen.

Erhoben werden sollte die Situation von Gründerinnen und Gründern, damit man weiß, wo gefördert werden muss. Dieser Ansatz ist per se nicht falsch – wundersam ist nur, dass sich hier die Szene selbst befragt (und überwacht).

Das Ergebnis ließ etwas auf sich warten, der dpa-Bericht erschien am 1. Dezember, also mit zwei bis drei Monaten Verspätung, er schlägt im Moment pressetechnisch noch nicht wirklich durch, findet sich aber bei RTL und in ver- und bearbeiter Form als Teil eines Eigenberichts heute (04.12.2020) im Wirtschaftsteil des Kölner Stadt-Anzeiger*. Kurz zusammengefasst: 9 Gründungen bis zum Spätsommer werden hier als Boom gewertet, ob die Corona-Krise dafür der Anlass war, lässt sich aber nicht bewerten. (Alle Links und Texthinweise unten)

Dass man über die Studie aber noch deutlich mehr sagen kann, beweisen die Organisatoren selbst: Sie haben die gesamte Pressekonferenz zum Thema am 01.12.2020 online gestellt. Dauer: 58 Minuten. Ich gebe zu: Ich habe das Video nicht 58 Minuten lang angeschaut. Mir hat eine Minute gereicht. Ist wohl eher was für Insider. Wobei ich trotzdem die Frage stellen möchte, ob es nicht sinnvoll ist, seinem Leser und Zuschauer wenigstens ein Short Summary zu liefern. Nicht jeder Zuschauer ist journalistisch tätig, und so mancher hat gerade mitten in der Corona-Krise nicht die Zeit, den Match Acceleratern auf die Füße und auf den Mund zu schauen.

Und die Quintessenz dieses Textes? Alles in Bewegung, vor allem digital. Zur Unterstützung dienen dabei für uns alle die sogenannten Digihubs. Sie haben noch keinen Wiki, aber es gibt sie nicht nur in Düsseldorf, sondern auch in Aachen, in Emsdetten, in Südbaden, in Bonn, in Bremen, in Köln und ich weiß nicht, wo sonst noch. Wer das Match macht, wer den Ball in welches Netz wirft, das aber muss – wie immer - die Zukunft klären.

Pharma Fakten, 03.12.2020:
https://www.pharma-fakten.de/news/details/1016-digitalisierung-im-deutschen-gesundheitswesen-34-gesetze-in-32-monaten/

Der Aufruf zur Umfrage, 08.07.2020:
https://www.aok.de/pk/fileadmin/user_upload/36_PM_Digital_Health_Studie.pdf

Marktstudie des Digital Innovation Hub, Düsseldorf, veröffentlicht am Dienstag 01.12.2020, Bericht bei RTL:
https://www.rtl.de/cms/mehr-digitale-start-ups-im-gesundheitswesen-in-nrw-4660244.html

Der Weg zur Digital Hub, Düsseldorf:
https://www.digihub.de/

Die Presse-Konferenz als Video:
https://www.youtube.com/watch?v=rfiwbxs3zd0&trk=organization-update-content_share-embed-video_share-article_title

* Der Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger findet sich im Wirtschaftsteil der Ausgabe vom 04.12.2020. Online leider nicht. Vom Umfang her: Er ist der Aufmacher und nimmt etwa eine halbe Seite Platz ein, Rebecca Lessmann hat Umfrage, Ministerworte, Beispielunternehmen zusammengetragen und so ein Lagebild erstellt, das über die Auswertung der Pressekonferenz zur „Digital-Health-Startup-Umfrage“ (Titelbild im PK-Video) deutlich hinausgeht.

Und noch ein lächerlicher Nachtrag, aber beim Thema Rechtschreibung bin ich schon mal nachtragend: Ich pflege Start-up mit Bindestrich zu schreiben, die Autoren der Umfrage nicht. Eine Umfrage im digitalen Duden hat ergeben: Bindestrich tut not. Matcht auch einfach besser – und damit hoffe ich, dass der Ball nun im Netz ist. Wobei das beim Tennis ja gar nicht das Ziel ist.

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