Von einer „merkwürdigen Entschädigungsklage“ erzählt die Borkener Zeitung vom 24.06.1871 auf der dritten Seite. Und zwar war in London ein Arbeiter an den Blattern, also Pocken, erkrankt. Täglich fragte die Frau nach dem Zustand des Kranken, täglich erhielt sie Auskunft über den Patienten mit der Nummer XY. Dieser Nummer geht es von Tag zu Tag schlechter – und am Ende stirbt Patient XY. Schließlich bekommt die Frau ein Schreiben, dass sie den Gestorbenen beerdigen soll. Es wird ein Sarg gekauft, Trauerkleider für Frau und Kinder, das Begräbnis geht ordnungsgemäß vonstatten. Und nach einer Woche „wird die untröstliche Wittwe plötzlich durch eine Erscheinung aus de Reiche der Todten überrascht“. Sie ahnten es wahrscheinlich gleich zu Anfang: Es ist ihr Mann. Das Hospital hatte seine Nummer mit der des Patienten XY verwechselt. Das Ehepaar forderte beim Krankenhaus schließlich die Beerdigungskosten zurück.
Nachrichten aus dem Gesundheitswesen

Eine genaue Beschreibung einer ungewöhnlichen Erscheinungsform der Kinderlähmung – und ihre genauso ungewöhnliche Behandlung – geht im Frühjahr 1889 durch die Presse. Die am besten lesbare Fassung findet sich am 09.03.1889 im Märkischen Tageblatt, 3. Seite. (Zeitungsarchiv zeitpunkt.nrw,
https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/10162045)
„Blut ist ein ganz besonderer Saft“, sagt Mephistopheles in Goethes Faust. Und dieser Satz liegt in der Zitatenschatzkiste ganz sicher irgendwo ziemlich weit oben. Vielleicht gleich neben: „Blut ist dicker als Wasser.“ Dann gibt’s das böse Blut, die Situationen, in denen Menschen Blut und Wasser schwitzen, es gibt die Dinge, die den Menschen in Fleisch und Blut übergehen. So manchem Menschen kocht sogar dann und wann das Blut in den Adern. Ein Anfänger bekommt gern die Eigenschaft „blutig“ zugesprochen, der Nachwuchs gilt gern als frisches Blut, der Adel hat blaues Blut. Blut hat geleckt, wer Gefallen an einer Sache gefunden hat. Sogar Verträge werden, sprachlich, mit Blut unter- oder geschrieben, manche Brüderschaften mit Blut geschlossen.
Und das ist gewiss nicht das Ende aller blutigen Redensarten und Lebensweisheiten. Aber: Blut ist auch ein teurer Saft. Und da die Blutspendebereitschaft sinkt, der Bedarf aber wahrscheinlich steigt, liegen alle Hoffnungen auf künstlichem Blut. Über den Stand der Forschung berichtet die Tagesschau am 08.03.2023:
https://www.tagesschau.de/wissen/gesundheit/kuenstliches-blut-blutspenden-101.html
Ob künstlich hergestelltes Blut ethisch vertretbar ist, fragt am 14.11.2022 das Domradio und interviewt dafür einen Theologen.
https://www.domradio.de/artikel/ist-kuenstlich-hergestelltes-blut-ethisch-vertretbar
Die Suche nach dem Rezept für künstliches Blut ist dabei durchaus schon älter. In den „Nachrichten des Ruhrdepartments“ heißt es am 02.11.1811 aus Preußen: „Der Doctor Grindel hat 25mal seine Versuche erneuert, um künstliches Blut hervorzubringen. Der 10te ist ihm gelungen.“ Das ist leider auch schon die ganze Nachricht. Nachlesen kann man sie hier unter zeitpunkt.nrw:
https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/8975436
Mehr als 100 Jahre später machte der Serologe Dr. Leon Normet aus Frankreich von sich reden: Er hatte ein Serum hergestellt, das menschliches Blut ersetzen sollte. Bei dreihundert Tierversuchen, so der Bericht in der „Morgen-Zeitung“ am 28.04.1929, seien nur drei Tiere gestorben. An Menschen war das Serum noch nicht getestet – bis auf einen Versuch an sich selbst.
https://zeitpunkt.nrw/ulbbn/periodical/zoom/1523173
168 583 Todesfälle hat es in Deutschland seit Beginn der Corona-Pandemie gegeben. Die Formulierung des RKI lautet „Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-29“. Die Angabe findet sich bei Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/COVID-19-Pandemie_in_Deutschland
Man muss sich schon etwas Mühe geben, um diese Gesamtzahl der Coronatoten in Deutschland googelnd aufzutreiben. Statistiken und Grafiken mit Verlaufskurven und Momentaufnahmen überwiegen. Das ist verständlich, denn jede Statistik ist zweifelhaft. Und wer wann und wo mit und neben bei oder an Corona gestorben ist, wer die Statistik verfehlert hat und welche Mängel es sonst noch so gibt, ist eine Diskussion, die so notwendig und richtig wie auch nicht endend ist.
Genauso schwierig wie die Statistik ist der Vergleich. Denn auch er fasst zusammen, was unter Umständen nicht zusammengehört, er lässt aus, übersieht und schert über einen Kamm. So dass man letztendlich doch wieder Äpfel und Birnen miteinander vergleicht.
Trotz aller Unvergleichbarkeiten habe ich in alten Zeitungen nach Zahlen vergangener Epidemien gesucht, die sich den Toten dieser Pandemie gegenüberstellen lassen. Und ja: Es gab noch kein Antibiotikum, es gab noch keinen Impfstoff.
Was bleibt ist eine Erkenntnis: Der Schrecken, dem wir in der Pandemie anheimgefallen sind, mag groß sein. Ungleich schlimmer und größer muss die Wahrnehmung der Menschen gewesen sein, die die Pockenepidemien er- und überlebt haben.
Wer mehr über seine Zeit wissen will, ist ja manchmal gut beraten, sich in anderen Zeiten gründlich umzugucken. Für diese von Zeit zu Zeit auch sehr vergnügliche Geschichtsforschung hat das Zeitungsportal zeit.PunktNRW historische Zeitungen aus Nordrhein-Westfalen online gestellt – mithilfe vieler Akteure, wie u. a. das Land NRW und die Unibibliotheken Bonn, Düsseldorf und Münster. Auch im Deutschen Zeitungsportal finden Sie viele alte Zeitungen. Das Beste: Sie können dort auch Themen- und Wörtersuche betreiben. Allerdings: Sie müssen auch Frakturschrift lesen können. Doch das übt sich.
Hier auf der MEDNET Nachrichtenseite sollen nun von Zeit zu Zeit Meldungen und Nachrichten aus alten Zeiten eingestellt werden. Medizingeschichtliches, Ärztliches, Menschliches – dabei nicht nur Vergnügliches. Heute – aus Anlass des 100. Todestages Wilhelm Conrad Röntgens geraten die Reaktionen seiner Zeitgenossen in den Blick, als er seine Entdeckung öffentlich macht.
Wer danach selbst weiterrecherchieren möchte:
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper
https://zeitpunkt.nrw/
Wer mehr über seine Zeit wissen will, ist ja manchmal gut beraten, sich in anderen Zeiten gründlich umzugucken. Für diese von Zeit zu Zeit auch sehr vergnügliche Geschichtsforschung hat das Zeitungsportal zeit.PunktNRW historische Zeitungen aus Nordrhein-Westfalen online gestellt – mithilfe vieler Akteure, wie u. a. das Land NRW und die Unibibliotheken Bonn, Düsseldorf und Münster. Auch im Deutschen Zeitungsportal finden Sie viele alte Zeitungen. Das Beste: Sie können dort auch Themen- und Wörtersuche betreiben. Allerdings: Sie müssen auch Frakturschrift lesen können. Doch das übt sich.
Hier auf der MEDNET Nachrichtenseite sollen nun von Zeit zu Zeit Meldungen und Nachrichten aus alten Zeiten eingestellt werden. Medizingeschichtliches, Ärztliches, Menschliches – dabei nicht nur Vergnügliches.
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