NACHRICHTENPORTAL

Nachrichten aus dem Gesundheitswesen

Kommt sie oder kommt sie nicht? Die Impfpflicht - und ihre Geschichte

Klima- und Stimmungswandel im zweiten Corona-Sommer, vielleicht nicht plötzlich und nicht unerwartet, aber irgendwie doch eigenartig unisono: Die Impfpflicht muss her, so der Auf- und Abgesang der Medien am 28. Juli. Nicht nur seismologisch sprachempfindsame Menschen hatten diesen Stimmungswandel schon lange vorhergesehen. Spätestens seit sich die Impfmüdigkeit und die Bilder von leeren Impfzentren nicht mehr wegdiskutieren lassen, Ärzte erschrocken, verärgert oder achselzuckend berichten, dass sie den Impfstoff von Astrazeneca entsorgen müssen, weil ihn hier keiner will und weil er aus Verfallsgründen nicht in ärmere Länder gespendet werden kann, spätestens seit diese Fragezeichen nicht mehr mit Antworten zu füllen sind – oder findet jemand es nicht lächerlich, mögliche Impfkandidaten mit Geschenken zu überzeugen? – spätestens also seit Vorvorvor-Gestern ist die Drohung mit der Impfpflicht salonfähig geworden.

Und ausgerechnet der Kanzlerkandidat der CDU, der die Freiheit hochhalten wollte und sich der Impfpflicht verbal verweigert hatte, könnte den Impfpflichtbefürwortern noch Öl ins Feuer gegossen, Holz in den Schuppen und Eis in den Kühlschrank gelegt haben: Es gehört sich medial offenbar unbedingt, über den Kanzlerkandidaten, der immer so knapp neben seiner Fortune doch lieber in den Fettnapf tritt oder sein Zuhause in der Unpopularität sucht, zu lächeln, zu lästern oder fundiert zu mäkeln. Und der Kanzlerkandidat selbst kann sich noch nicht aufraffen zur Rolle des Rächers der Enterbten. Damit wird man nicht Kanzler, damit wird man höchstens Robin Hood.

Für die Impfpflicht ist es nach der Wahl aber möglicherweise zu spät. Denn dann könnte sie auf die lange Bank geraten. Vielleicht ist das auch der Grund für die laute Einstimmigkeit der Sänger von der Impfpflicht. Auch sie wissen ganz genau: Wenn Impfpflicht, dann vor der Wahl.

Um die Meinungsbildung ein wenig zu unterfüttern, mit Nachrichten und Geschichte, hier wieder eine kleine, nicht repräsentative Linksammlung:

Hier die Links:

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Medizingeschichte - Impfung mit lebenden Pockenviren

Lady Mary Wortley Montagu, 1689 bis 1762, war nicht nur englische Schriftstellerin und Lyrikerin, die durchaus auch mit spitzer Feder schreiben konnte, sie war in gewisser Weise Pionierin der Medizin. Selbst durch die Pocken entstellt, erlebte sie in der Türkei so etwas wie eine Impfparty: Es traf sich eine Gruppe von Menschen, mit einer geringen Menge lebender Pockenviren infiziert wurden. So geimpft, erkrankten diese Menschen, sofern sie nicht an einer „Überdosis“ starben, in deutlich geringerem Maße als andere.

Der Spiegel erinnert nun (14.06.2021) an die Pionierin, die die in Indien und China bekannte Methode nach Großbritannien brachte. Auch mit angespitzter Feder, aber von grundlegender Bewunderung getragen.
https://www.spiegel.de/geschichte/lady-mary-wortley-montagu-wie-die-fruehe-impfpionierin-die-pocken-bekaempfte-a-aaf5c7ef-4157-4c70-9173-0e36d77fea1a

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Lesetipp: Die Schuldfrage

Es ist ein seltsamer Artikel, den Martin Zeyn da verfasst hat. Zum einen aufgrund der Form: Kein Bericht, eher ein Essay, dafür dann wieder zu viel Ich – und doch kein Ego-Trip, schon gar kein Erlebnisbericht, auch wenn das Erlebnis „Ich hatte Corona“ deutlich zentral liegt. Wirklich zentral ist in dem Artikel aber die Frage nach der Schuld. Ist Krankheit eigenes Verschulden? Nein, natürlich nicht. Und doch ist es nicht nur die Vergangenheit, die Epidemien und Seuchen als Strafe Gottes betrachtet. Die Gegenwart ist nicht deutlich anders. Zeyn hat zusammengetragen, was Jahrhunderte und religiöse Strömungen zum Krankheitsbild und zur Schuld als Ursache oder Teil beigetragen haben, er arbeitet sich erzählerisch launig vom Hölzchen zum Stöckchen und hat doch nur den einen roten Faden, in den er vielfältige Denkanstöße oder Merksamkeiten einknotet. Schön ist auch dass der Deutschlandfunk zu anderen, ähnlich gelagerten Artikeln verlinkt, die Medizin aus historischer oder gesellschaftlicher Perspektive betrachten.

Deutschlandfunk, 24.05.2021,
https://www.deutschlandfunk.de/medizin-und-gesellschaft-ueber-krankheit-und-schuld.1184.de.html?dram:article_id=497734

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Buchtipp: Ärzte in der Renaissance

Michael Stolberg, Universität Würzburg, hat ein Buch darüber geschrieben, wie Ärzte der Renaissance gearbeitet haben. Sein Fundus: Die Notizen des Georg Handsch, Leibarzt von Ferdinand II. von Tirol. Hier der Weg zur Rezension von Robert Emmerich:
https://idw-online.de/de/news766698

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Zurück zum Blutegel? Auf der Suche nach der Wirkung ayurvedischer Medizin

Schulmedizin und traditionelle Medizin stehen sich nicht immer nur frontal gegenüber. Dennoch werden Blutegel und Quecksilber nicht mehr nur belächelt (oder verteufelt) und dennoch und suchen Mediziner nach Wirkungsmuster in der ayurvedischen Medizin. Zwischen Indien, Mittelalter und Universität bewegt sich ein Aufsatz in National Geographic vom 01.03.2021:
https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2021/02/traditionelle-indische-medizin-blutegel-sind-als-arznei-anerkannt

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Gold, Weihrauch und Myrrhe - Heilmittel von alters her

https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15884071

Und als sie in das Haus gekommen waren, sahen sie das Kind mit Maria, seiner Mutter, und sie fielen nieder und huldigten ihm; und sie taten ihre Schätze auf und brachten ihm Gaben dar: Gold und Weihrauch und Myrrhe. Mt, 2,11

 

Die Rede ist natürlich von den Heiligen Drei Königen, die am 6. Januar ihren Feiertag haben. Die Gaben, die sie darbrachten, spielen von alters her eine bedeutende Rolle in der Medizin. Zum Feiertag hier eine kleine Linksammlung:

Der Myrrhenbaum ist Arzneipflanze des Jahres 2021. Im medizinischen Einsatz ist Myrrhe schon lange, bevor die Heiligen Drei Könige sie als Geschenk für das Christus-Kind bis nach Bethlehem getragen haben. Über die heutige Anwendung von Myrrhe berichtet eine Pressemitteilung der Cramer Gesundheits Consulting GmbH (11.12.2020):
https://www.presseportal.de/pm/7139/4788361

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War ein Coronavirus Ursache der ersten Russischen Grippe?

Die Russische Grippe könnte auch eine Corona-Pandemie sein. So wird es zumindest gerade in den Medien zitiert. Ausgangspunkt ist eine Veröffenlichung des Virologen Marc van Ranst – vor 15 Jahren:
https://jvi.asm.org/content/79/3/1595

Diesen Artikel hat Ulrike Gebhardt ausgegraben, die im „Riff-Reporter“ der Studie, der Parallele, der ZEIT und dem Sachverhalt auf der Spur ist:
https://www.riffreporter.de/immun/russische-grippe-corona-pandemie/

Der zitierte Artikel vom 22.07.2020 ist zwar nicht kostenlos, aber ein kostenloses Probeabo ist möglich:
https://www.zeit.de/2020/31/coronavirus-impstoff-versuche-brasilien

Gebhardts Fazit: Historisches Material für einen Beweis gibt es nicht mehr, aber der Parallelen sind viele.

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Medizin im alten Ägypten

Medizin im alten Ägypten ist Heilkunde, die auch religiöse und magische Rituale einschließt. Hier drei Lese-Tipps:

Einen Einblick gibt Rebecca Braun, M.A., Ägyptologisches Seminar, Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften, Freie Universität Berlin im Focus am 07.08.2020:

https://www.focus.de/wissen/mensch/geschichte/antike-heilmethoden-medizin-im-alten-aegypten-ein-besonderes-interesse-galt-der-gynaekologie-und-augenheilkunde_id_12109825.html

Das Thema in Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Medizin_im_Alten_%C3%84gypten

Im „Hausarzt digital“ war die ägyptische Medizin im März 2018 Thema. Ursula Armstrong berichtete über Kreuzkümmel und Koriander bei Blähungen und suchte die Parallelen zum heutigen Hausarzt:
https://www.hausarzt.digital/kultur/medizinhistorische-schlaglichter-die-aegypter-21794.html

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Pandemisches im medizinhistorischen Rückblick

754 pest 225x225pxCorona verändert auch die Blickwinkel, den Berichterstattung und die Geschichtsschreibung. So hat unter Journalisten die Medizingeschichte Konjunktur. Hier ein paar spannende Berichte:

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Medizingeschichte: Frühchen im Vergnügungspark

Lebende Frühchen in Brutkästen als Ausstellung – damit hat der Stern wohl eine der Geschichten aus dem Bereich der Medizin ausgegraben, die mindestens skurril ist. Ein Mann, der sich als Arzt ausgab, stellte von 1903 bis 1943 im Vergnügungpark auf Coney Island die Frühgeburten aus – und ermöglichte so ihr Überleben. Denn Brutkästen waren teuer – und die Mediziner glaubten nicht daran, dass die Frühchen überleben könnten. DerBericht von Amelie Graen erschien am 19.10.2019:

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Die Geschichte der Pest in Herne - Ausstellung des LWL

3000 Jahre Pestgeschichte in Herne: Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat 300 archäologische und kulturgeschichtliche Exponate zusammengetragen – und in 11 Themenbereiche gegliedert. Die Ausstellung wurde im September eröffnet und ist bis zum 10. Mai im LWL-Museum für Archäologie zu sehen. Größtes Exponat: Der Anker des Schiffes, das die Pest im 18. Jahrhundert nach Westeuropa gebracht hat.

Bildunterschrift: Aus dem 16. Jahrhundert ist ein Rezept für den sächsischen Kurfürsten überliefert, das eine Heilung der Pest versprach: Es bestand aus damals sehr teuren Zutaten wie z. B. Blattgold und "Einhorn" (fossiles Mammut).
Foto: LWL/. R. Piepe

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100 Jahre - die KV Hamburg hat Grund zum Jubeln

100 Jahre KV – und alles begann in Hamburg. Die KV feiert, das Hamburger Abendblatt berichtet. Zum Jubelfest ein paar Links:

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100 Jahre Frauenmilchbanken - und noch ältere Wunder der Weibermilch

Der dpa-Artikel „Frauenmilchbanken helfen Frauen mit Stillproblemen“ ist seit dem 18. Mai von den Medien gern veröffentlicht worden: Focus, Westfälische Nachrichten, Badische Neueste Nachrichten, n-tv - und gewiss noch mehr. Es geht dabei darum, dass tiefgefrorene Muttermilch vor allem für Frühchen von großem Nutzen sein kann. Die Idee ist nicht neu – vor 100 Jahren wurde sie zum ersten mal entwickelt.

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Dr. Gerhardts Einladung zum Kampf

Dr. Günter Gerhardt ist nicht nur Facharzt für Innere Medizin, Allgemeinmedizin und Psychotherapie, er ist auch Fernseh- und Medienarzt, war einstens KV-Vorsitzender, hat keinen Wikipedia-Eintrag, dafür googelt man ihn ziemlich erfolgreich – und auch bei Amazon füllt sein Namensaufruf bestimmt eine Seite. Kurz und auch gut: Dr. Günter Gerhardt ist Arzt und ganz gewiss medientauglich.

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"Charité" - der Serie zweiter Teil beginnt heute

Heute (19.2.2019) beginnt die zweite Staffel der Fernsehserie „Charité“ in der ARD. Sie spielt in Berlin 1943, hat sich also das Thema „Ärzte unterm Hakenkreuz“ vorgenommen. Der Zeitsprung macht es möglich, dass auch Neueinsteiger sich in der Serie zurechtfinden.

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Taubendreck und Medizin

Die Auflösung des Rätsels ruft noch mehr Pressewirbel hervor als die eigentliche Meldung: Am Wochenende waren unter einer Brücke in Düsseldorf herrenlose Abfalltonnen mit deutlicher biologisch-medizinischer Abfall-Kenn-Nummer gefunden worden. Naheliegender Schluss: Hier hat jemand Klinik- oder Medizin-Müll illegal entsorgt. Zugleich Entwarnung: Die...
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Lesetipp: Klostermedizin

An der Universität Würzburg gibt es eine Forschergruppe Klostermedizin. Der Bayrische Rundfunk berichtet (10.1.2019) in einem langen Textbeitrag über die Arbeit dieser Gruppe, über das Kloster, die Kräutermedizin früher und heute, über Medizin im Mittelalter. Über viele falsche Annahmen, die über das Wesen der Pflanzen immer noch im Umlauf sind. De...
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