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Kleine Rede wider die deutlichen Worte

„Vor Beginn ihrer Tour fand Helene Fischer deutliche Worte“, berichtet der Focus am 26.06.2026.
https://www.focus.de/kultur/stars/hitze-regeln-veranstalter-trifft-wichtige-entscheidung-fuer-helene-fischer-konzert_de1ae114-806b-497f-9801-c42b80e2c38d.html

Lassen wir mal Helene Fischer und auch den Focus links liegen – der Focus übrigens hat zu diesen deutlichen Worten der Helene Fischer nur verlinkt, also sie an Ort und Stelle selbst eigentlich aus den Augen verloren und uns aus dem Blickfeld geräumt. Es ist ja nicht nur Helene Fischer, die deutliche Worte findet. Auch Politiker tun das immer wieder. Und Journalisten weisen immer wieder darauf hin. Manchmal, und das ist dann das Lob in höchsten Tönen, finden Redner auch die richtigen Worte. Googelnd habe ich gerade herausgefunden, dass der eine oder andere Mensch dann und wann schon mal warme Worte gefunden hat.

Mir kommt der Verdacht: Das sind alles meine Worte. Mir fehlen nämlich ständig welche. Die Sprachbarriere ist es nicht, da bin ich mir sicher. Dort hat niemand einen Sack voller Wörter abgelegt. Auf der Goldwaage liegen sie auch nicht. Das sind die Diplomaten dieser Welt, die ihre Worte dort erwägen und vielleicht danach auch gleich wieder verlieren. Unterschlagen, sozusagen.

Begeben wir uns, weil es auch uns die Sprache verschlagen hat, zum Arzt. Der wird zuerst nach heilenden Worten suchen. Luther geht mit ihm, wenn er die Bibel, Sprüche 15,4, so übersetzt: „Eine heilsame Zunge ist ein Baum des Lebens; aber eine lügenhafte bringt Herzeleid.“ Jetzt wissen wir also auch, wer die sprechende Medizin erfunden hat. Wobei auch die Volksmedizin ihre Diagnosen redewendend in Sprache umsetzt. Der Frosch im Hals zum Beispiel könnte eine der Ursachen unserer Sprachlosigkeit sein. Und andererseits könnten die lügenhaften Worte, oder schlimmere noch, nicht nur Herzeleid bringen, sondern auch auf den Magen schlagen. Kalte Füße bekommt vielleicht jemand, dem die richtigen Worte nicht über die Lippen kommen wollen.

Aber verlassen wir die Bibel und die Medizin. Besser ist, wir suchen nach dem Sprachrohr. Da müssen sie doch sein, diese gefundenen Worte. Gucken Sie Helene Fischer und den Politikern dieser Welt auf dem Bildschirm mal ganz genau zu: Diese Mikrofone: Im Grunde genommen sind das ja die Sprachrohre, aus denen die deutlichen Worte in die ganze Welt hinausposaunt werden. Während wir als Zuschauer vor dem Bildschirm zwar lautstark mit der Sprache herausrücken können, und das wohl oft auch tun. Doch dann: Dann sind zwar klare Worte gefallen. Aber sie liegen eben ungenutzt vor unseren Füßen. Helene Fischer – und auch die Politiker dieser Welt – werden sie dort kaum finden. Unerhört und ungehört wird über unser Reden kein Wort mehr fallen. Man könnte das als ungehörig begreifen.

Vielleicht sollten wir also mit unserer Sprache herausrücken, den Rednern mit den deutlichen Worten ins Wort fallen, ihnen die Worte im Mund herumdrehen. Und das letzte Wort sollten wir für uns behalten. „Sie will nur das letzte Wort haben“, winkte meine Mutter manchmal ab, wenn ich als Kind beharrlich blieb. Jetzt weiß ich: Ja. Das letzte Wort ist wichtig. Stellen Sie sich mal vor, Helene Fischer oder die Politiker dieser Welt finden es! Womöglich auf der Straße, direkt an der Sprachbarriere.  

Wenn die innere Stimme verwortet wird ...
Schlank, aber krank -- Von Menschen, Mäusen und vo...

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