Eine Doppelspitze fürs Gesundheitsministerium?
Das Deutsche Ärzteblatt bringt es auf den Punkt. Wenngleich wahrscheinlich unbewusst: „Mit Carsten Linnemann zieht Ende Juli ein neuer Minister in das Bundesgesundheitsministerium ein“, beginnt Rebecca Beerheide ihren Artikel in der Ausgabe 16/2026.
https://www.aerzteblatt.de/archiv/neuer-gesundheitsminister-start-auf-der-dauerbaustelle-gesundheitswesen-3be7691c-7ac2-4ebd-a056-3579c31020c7
Freudsche Fehlleistung oder Lapsus mentis? Was sich beim Einstieg in einen Artikel zum Wechsel zwischen Warken und Linnemann liest, als hätte da jemand nicht sauber nachgedacht, ist in Wirklichkeit vielleicht ein Vorschlag? Denn in dem – tatsächlich lesenswerten – Artikel wird eines klar: Da wartet viel Arbeit. Und wenn Carsten Linnemann zusammen mit dem neuen Minister ins Bundesgesundheitsministerium einzöge, dann könnten da ja zwei Menschen diese Arbeit tun.
Beerheide listet auf, was alles getan werden muss. Sie kümmert sich sozusagen textlich um den Abschied von Warken und um die künftige Arbeit von Linnemann. Als Leser haben Sie also schnell alles auf einen Blick. Auch das positive Engagement, das Warken in die Frauengesundheit gelegt hat. Ich selbst hätte da ja eher an die kostenlose Mitversicherung gedacht, die es für nicht arbeitende Frauen ab 2028 nicht mehr gibt, wenn sie nicht Kinder unter 12 Jahren oder Angehörige ab Pflegegrad 2 betreuen. Das Gleiche gilt natürlich auch für Männer, die mitversichert sind. Aber bestimmt ist es ein entscheidender Fortschritt für die Frauengesundheit, wenn die nicht arbeitende und nicht betreuende Frau sich aus dieser gesundheitsbelastenden Lage befreit und wieder arbeiten geht. Realiter dann wohl auch, um die Zusatzkosten für die Mitversicherung, die nun vom Gehalt ihres Ehepartners abgehen würden, zu vermeiden. (Wobei: Wer hat gesagt, dass da zuhause keinerlei Arbeit erledigt werden müsste).
Also ja: Wir geben Frau Beerheide recht. Frau Warken hat sich markant für die Frauengesundheit eingesetzt. Und sie weist in Beerheides Artikel darauf hin, dass sie mit „Carsten“ – also dem Mann, der mit dem neuen Minister zusammen ins Ministerium einzieht – schon gesprochen habe, dass er dieses Thema weiter voranbringe. Hier schwächelt die Autorin textlich tatsächlich noch einmal. Dem Leser ist nicht ganz klar, wann und wo Warken das gesagt hat. Vermutlich in ihrer Abschiedsrede, dort hatte Beerheide mit dem Zitieren begonnen. Danach wird’s textlich nochmal haarig. Wir sind inhaltlich dabei, dass „Carsten“ (und sein Doppel-Ich) das Thema Frauengesundheit voranbringen wird. Beerheide schreibt: „Ein Zeichen, das besonders unter den vielen Frauenverbänden im Gesundheitswesen sicher positiv wahrgenommen wird.“ Jetzt bleibt dem Leser nur das Stutzen. Wer sagt diesen Satz? Grammatikalisch Beerheide selbst. Journalistisch ist eine solche Bemerkung eher Sache eines Kommentares. Realistisch ist es sogar nicht wirklich wahrscheinlich. Oder sehen Sie die vielen Frauenverbände im Gesundheitswesen jubeln, weil sich endlich ein Mann ihrer Themen annimmt?
Also – das Fazit liegt auf der Hand. Es wäre bestimmt gut, wenn zwei Menschen Warkens Aufgaben übernähmen. Denn es sind viele Aufgaben. Bestimmt wäre es auch gut, wenn der zweite Mensch eine Frau wäre. Aber leider ist das alles Fantasie. Ausgehend von einer sprachlichen Unsauberkeit.
Ganz bestimmt ist es aber trotzdem gut, wenn Sie den Artikel im Deutschen Ärzteblatt lesen. Er bietet Hintergrundinformationen, die Sie vielleicht so gar nicht auf dem Schirm hatten, bündelt Warkens Taten während dieser kurzen Etappe, die ja nicht viel mehr als ein Jahr dauerte. Verweist auf den Berg, der nun Linnemann zu Füßen liegt – und auch darauf, dass Linnemann selbst sich das Gesundheitsministerium vor einer ganzen Weile eben nicht zugetraut hätte. Dazu gibt’s Kästen und Listen, die Infos bündeln. Sie haben also die Lage zum Wechsel noch einmal auf einen Blick. Das ist gut so. Auch für die vielen Frauenverbände im Gesundheitswesen.
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