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Das Bild hängt schief: Weißer Rauch über dem Kanzleramt

Wir schreiben den IV. Martii anno domini MMXXI. „Erst spät stieg weißer Rauch über dem Kanzleramt in Berlin auf“, schreibt Ruhr24.de.

https://www.ruhr24.de/nrw/corona-oeffnungen-lockerungen-lockdown-verlaengert-ostern-maerz-merkel-gipfel-nrw-deutschland-90224842.html?trafficsource=idTopBox

Journalisten nennen diese Art von Textanfang einen szenischen Einstieg. Jetzt könnte ein Feature oder gar eine Reportage folgen, die das Geschehen nicht nur zur Nachricht macht, sondern die riecht, schmeckt, lauscht, hört. Sieht. Folgt aber nicht, Sie dachten’s sich schon.

Was ebenfalls folgen müsste, auch das wissen wir alle: „Habemus papam.“ Doch der Papst wird nicht im Kanzleramt gewählt. Wissen wir auch. Dennoch oder genau deswegen muss jetzt Frau Merkel herhalten als Subjekt des nächsten Satzes. Sie ist es die „gemeinsam mit Berlins regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vor die Presse“ tritt, um die Beschlüsse der Ministerkonferenz zu verkünden.

Eine Päpstin? Das kann uns nicht schrecken, literarisch ist das Thema vor Jahrzehnten schon durchdekliniert und politisch ist es als Forderung seit Maria 2.0 mindestens an der Tagesordnung. Drunter tun wirs’s nicht. Und auch nicht Ruhr24.de. Dass Michael Müller und Markus Söder als Kardinäle Päpstin Angela verkündigend und treu zur Seite stehen, ist auch nur geschlechtergerecht.

So weit, so ausgereizt das Bild. Aber fertig bin ich noch nicht.

Wie kommt es denn, dass ausgerechnet Journalisten ausgerechnet aus dem Ruhrgebiet sich mit Anbetung und Verkündigung auskennen? Wie kommt es, dass sie in Zeiten von Corona die Bundeskanzlerin zur Päpstin krönen können?

Und schließlich: Hätte es ein Kaiser nicht auch getan? Wollten wir nicht lange schon heimlich und unausgesprochen unseren Kaiser wiederhaben?

Sehen Sie – das geht nun gar nicht. Wir können den Kaiser nicht im Ruhrgebiet krönen. Das ist unpassend und auch literarisch ein schiefes Bild. Thematisch und bildlich gesehen sind wir bei den stillen und heimlichen Sehnsüchten. Denn gäbe es sie nicht, würden Journalisten keinen weißen Rauch aus dem Kanzleramt aufsteigen lassen. Da raucht nämlich nichts. Und niemand mehr.

Zurück zum Kaiser. Sehnsucht hin oder her. Das Bild wäre auch unziemlich. Der Papst passt da viel besser. So kommt die unausgesprochene Sehnsucht nach dem Regiert- und Beherrschtwerden nicht wirklich offen zur Sprache. Wir sind ja doch mehr als Stimmvieh und Fußvolk. Dass wir uns fügen wollen und das auch noch gern, dürfen wir nicht denken und nicht sagen, Journalisten auch nicht. Wo kämen wir denn da hin?

So ein Papst aber, der herrscht ja gar nicht wirklich. Und er spricht eine Seite des Menschen an, die auch im Ruhrgebiet unter die Räder gekommen ist – und das seit Langem. Die Religion. Der Mensch an sich will glauben. An das Gute im Menschen. Und an das Gute an ferneren Orten. Der Papst hat zu diesem Zweck viele Mittel – vom Dogma bis zum Erlass.

Dass das Bundeskanzleramt ein ferner Ort ist, wo man sich mit dem Guten im Menschen auskennt, glaube ich allerdings nicht. Und dass Frau Merkel der Glaube in die Wiege gelegt ist, kann zwar biographisch richtig sein, aber faktisch ist es vollkommen falsch. Frau Merkel glaubt an nichts. Schon gar nicht an einen Helfer aus der Ferne. Ihr kann die Rolle der Päpstin nur unlieb sein.

Die Rolle der Kaiserin hingegen, die per Edikt verkündet, die können wir uns alle, die wir weder an die Hoffnung noch an einen fernen Gott glauben, gut vorstellen. Und da beginnt tatsächlich so etwas wie Religion: Unser aller Glaube ist, dass Frau Merkel verkündet, wir gehorchen und Corona verschwindet. Ach wenn sich doch nur auch dieses Virus ihr unterwerfen täte!

Nur die Journalisten aus dem Ruhrgebiet haben die Rolle mit dem Herrschen noch nicht ganz verstanden. Sie lassen doch tatsächlich über dem Kanzleramt nur weißen Rauch aufsteigen. Ich glaube an dieser Stelle: Das Bild hängt gewaltig schief.

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