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Die epidemische Lage und ihr fragliches Ende - Mediale Diskussionen

Der Bundesgesundheitminister hat den Stöpsel aus der Badewanne gezogen. Bildlich betrachtet. Und nun strudeln und trudeln die Medien mit und in den Nachrichten in gewisser Weise im Kreis. Bildlich gesprochen.

Spahn hingegen hatte nur die Gunst der Stunde genutzt. Der Noch-Bundesgesundheitsminister äußerte sich, so die Tagesschau, die einen Ministeriumssprecher zitiert (schon wieder so ein ungenannter Mann), in den Corona-Beratungen mit den Gesundheitsministern der Länder.

Tagesschau 18.10.2021:
https://www.tagesschau.de/inland/spahn-corona-151.html

Auch die Bildzeitung hat am 18.10.2021 die Gunst der Stunde genutzt. Nicht viel mehr Informationen habend, als die oben zitierte Tagesschau, feiert sie quasi schon das Ende aller pandemischen Maßnahmen. Laut und und groß in der Überschrift: „Corona-Notstand in Deutschland endet!“, steht da. Wenn das keine Nachricht ist, dann weiß ich’s auch nicht. Im ersten Absatz des Textes werden wir dann darüber informiert, dass die „pandemische Lage“ Grundlage „ALLER“ Corona-Beschränkungen sei – und dass sie fallen kann. Wer schnell und assoziativ liest, versteht ganz schnell und assoziativ: ALLE Corona-Beschränkungen fallen. Das allerdings hat die Bild-Zeitung wirklich nicht geschrieben. Es stimmt auch nicht. Im Gegenteil. Ganz am Ende des Artikels, hinten, unter dem Bild, Sie müssen schon noch ein bisschen scrollen, verweist auch die Bild-Zeitung darauf, dass selbst der Herr Spahn der Ansicht ist, dass mit dem Ende der epidemischen Lage 3G und AHA noch nötig sind und überhaupt die vollkommene Freiheit erst im Frühjahr winkt.

Apropos überhaupt: Die Differenzierung zwischen pandemischer und epidemischer Lage steht in diesem Bild-Artikel etwas wackelig da. Tatsache ist: Wir befinden uns in einer Pandemie und warten auf das Ende der „epidemischen Lage von nationaler Tragweite“. So der offizielle Wortlaut. Dass die Bild-Zeitung diese Worte dann gleichrangig nebeneinander einsetzt, ist ihr nun wirklich nicht vorzuwerfen. Nicht nach 20 Monaten epidemischer Pandemie oder pandemischer Epidemie.

Spahn: Corona-Notstand in Deutschland endet! - Politik Inland - Bild.de

Auf jeden Fall, um zu oben genannter Badewanne, rein bildlich gesprochen, zurückzukehren: Jetzt strudelt es gewaltig. Von nun an deswegen nur noch eine kleine, ganz willkührlich ausgewählte Linksammlung:

Die Tagesschau versucht sich am 19.10.2021 als Antwort auf Spahns Absicht in einer sachlichen Analyse der Lage. Geschrieben aus der Rechtsredaktion:
https://www.tagesschau.de/inland/epidemische-lage-101.html

Am 20.10.2021 beschreibt die Tagesschau das „Wer sagt was“ – und sammelt die Stimmen aus den Bundesländern:
https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/epidemische-lage-diskussion-103.html

Die HNA versucht am 20.10.2021 mit einem empörten Karl Lauterbach den Badewannenstöpsel wieder in die richtige Richtung zu befördern:
https://www.hna.de/politik/corona-notstand-in-deutschland-spahn-will-epidemische-lage-beenden-zr-91059915.html

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft aber begrüßt ein mögliches Ende ausdrücklich, berichtet das ZDF am 19.10.2021:
https://www.zdf.de/nachrichten/politik/corona-ende-pandemische-lage-krankenhausgesellschaft-100.html

Das RND zitiert am 20.10.2021 Michael Hallek, den Leiter der Klinik I für Innere Medizin an der Kölner Uniklinik, der die No-Covid-Bewegung gegründet hat. Hallek sieht weder Anlass noch Grund für das Auslaufen der epidemischen Lage. Auch wenn er keine großen politischen Änderungen erwarte, sei die Beendigung der epidemischen Lage „das völlig falsche Signal“:
https://www.rnd.de/politik/corona-debatte-ueber-moegliches-ende-der-epidemischen-lage-voellig-falsches-signal-ANA63Z5J2ZFQFDDTEHEHTRCPVY.html

Und selbst hat das RND sich ebenfalls kommentierend geübt: Jens Spahn stellt sich das alles zu einfach vor. Es gibt keinen Ausschalter, den man betätigt – und dann ist das Virus weg. Sachlich richtig, aber so etwas hatte Jens Spahn nachweislich nicht angenommen oder behauptet. Wer’s trotzdem lesen will, auch vom 20.10.2021:
https://www.rnd.de/politik/gibt-es-den-aus-schalter-fuer-die-pandemie-KGU7CAPOAVBT5MZ5QX2PJPPA4A.html

In Bayern fordern Städte und Gemeinden ein Ende der pandemischen Lage (auch hier beim BR sind pandemische und epidemische Lage so gut wie dasselbe, 20.10.2021):
https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/ende-der-corona-notlage-bundeslaender-mahnen-zur-vorsicht,SmLoK1X

Aber auch bundesweit fordern die Kommunen ein Ende: Oldenburger Online-Zeitung, 20.10.2021:
https://www.oldenburger-onlinezeitung.de/nachrichten/kommunen-fuer-ende-der-pandemischen-lage-73194.html

Der WDR kümmert sich am 19.10.2021 darum, wer, wenn die epidemische Lage ausläuft, wo und wie das sagen hat und wie sich die Zeit danach, epi- und pandemisch betrachtet, dann gestalten könnte:
https://www1.wdr.de/nachrichten/themen/coronavirus/ende-epidemische-lage-corona-nrw-100.html

Und natürlich sind die gesammelten Links nur ein Ausschnitt aus der Berichterstattung. Denn kein Medium kann und will es sich leisten, das Ende der Pandemie außer Acht zu lassen. Einen kleinen Abschiedslink habe ich noch für Sie. Auf DocCheck habe ich nämlich gerade gelernt: Die Pandemie könnte als Endemie auslaufen (13.10.2021).

https://www.doccheck.com/de/detail/articles/35673-pandemie-ende-in-sicht

In diesem Sinne: Vorsicht, wenn Sie den Stöpsel aus der Badewanne ziehen. Das Wasser könnte dann auslaufen. Strudelnd.

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Kommentare 1

Mechthild Eissing am Mittwoch, 27. Oktober 2021 16:43

Volker Finthammer hat beim Deutschlandfunk einen wunderbaren Kommentar zu Jens Spahn und seiner Forderung nach dem Ende der epidemischen Lage formuliert. Seinen (und Spahns) Gegnern nimmt er gleich den Wind aus den Segeln, indem er ihnen recht gibt. Zumindest als Möglichkeit. Um dann deutlich zu konstatieren:

„Aber rein sachlich gibt es keinen Grund, an der fortdauernden Ausnahmesituation festzuhalten.“ Die da die Ermächtigung des Gesundheitsministers bedeutet, ohne Bundestag und Bundesrat Regeln zu treffen.

Der Rest des Textes ist Argumentation, wie es sich natürlich gehört. 25.10.2021:
https://www.deutschlandfunk.de/jens-spahn-und-das-ende-des-corona-notstands-der-grund-fuer.720.de.html?dram:article_id=504720

Volker Finthammer hat beim Deutschlandfunk einen wunderbaren Kommentar zu Jens Spahn und seiner Forderung nach dem Ende der epidemischen Lage formuliert. Seinen (und Spahns) Gegnern nimmt er gleich den Wind aus den Segeln, indem er ihnen recht gibt. Zumindest als Möglichkeit. Um dann deutlich zu konstatieren: „Aber rein sachlich gibt es keinen Grund, an der fortdauernden Ausnahmesituation festzuhalten.“ Die da die Ermächtigung des Gesundheitsministers bedeutet, ohne Bundestag und Bundesrat Regeln zu treffen. Der Rest des Textes ist Argumentation, wie es sich natürlich gehört. 25.10.2021: https://www.deutschlandfunk.de/jens-spahn-und-das-ende-des-corona-notstands-der-grund-fuer.720.de.html?dram:article_id=504720
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