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Von einem Mann und seiner Packung hinein in die sprachliche Zukunft: ens EPa

Sie erinnern sich: Mit dem Kürzel ePA, kleines e und großes PA, kürzelt die elektronische Patientenakte. Aber beim Lesen von Texten ist dennoch Vorsicht geboten, denn ihr Cousin, der elektronische Personalausweis kürzelt sich ebenso. Sprachlich macht das Schwierigkeiten, oder ist es Ihnen schon einmal gelungen, Groß- und Kleinbuchstaben in die Aussprache miteinzubeziehen?

Die älteren Namensrechte auf’s Kürzel hat aber die Bundeswehr mit der EPa, großes E, großes P, kleines a. Einmannpackung. Berühmt und berüchtigt vor allem wegen ihrer Hartkekse, die Generationen von jungen Männern als Mutprobe dienten – oder, aus der Kaserne verschleppt, in der Draußenwelt für anerkennende Bewunderung sorgten. Wer so etwas essen kann, der muss per se ein Held sein, so die Assoziation.

Dem EPa ging’s schon 1999 an den Kragen mit der Entwicklung des EPa leicht (nicht zu verwechseln mit light). Damals fielen die Hartkekse zusammen mit dem Dosenbrot aus der Pakung raus, nicht wegen ihrer Kalorien, sondern wegen ihres Gewichts. Zumindest aus dieser Form des EPa, denn die ganze Gattung wurde ganz enorm divers. Der Gipfel der Diversifikation:

Typ XIV EPa leicht vegetarisch:

Fertiggericht 1: Fertiggericht Gartengemüse-Sojarisotto 125 g
Fertiggericht 2: Fertiggericht Paprika-Sojaragout mit Nudeln 100 g

https://de.wikipedia.org/wiki/Einmannpackung

Nun droht der EPa, zumindest namentlich, das Ende.
https://soldat-und-technik.de/2021/06/aus-der-truppe/27652/sprachliche-gleichstellung-in-der-bundeswehr-einmannpackung-wird-umbenannt/

Sie soll nämlich gendern. Zumindest aber soll der Mann aus dem Namen verschwinden. Er ist nicht mehr zeitgemäß. Ein neuer Name ist wohl noch nicht gefunden, und da ich am Wochenende über die verpflichtende Genderei in einem deutschen Gymnasium vollständig aufgeklärt wurde - dort wird nämlich jetzt systematisch nach dem Vorschlag des Sprachwissenschaftlers Lann Hornscheidt geschrieben und gesprochen -, hätte ich da auch mal einen Vorschlag.

(Berliner Zeitung zu Hornscheidts ens):
https://www.berliner-zeitung.de/kultur-vergnuegen/lann-hornscheidt-der-staat-wird-seinen-eigenen-gesetzen-nicht-gerecht-li.135480

Hintergrund: Hornscheidt möchte den sprachlichen Zwang zur geschlechtlichen Zuordnung von Menschen, und ich glaube auch von Dingen, aufheben, zumindest aber abmildern. Seine pragmatischer Idee: Die Silbe „ens“. Von der Herkunft her ein Zwischenstück des Menschen. Und vollkommen geschlechtslos. Frei verwendbar als Endung an Substantive, die Personen benennen. Zum Beispiel: Der Käufens. Aber – und da ist Hornscheidt konsequent, wir müssen ja auch auf die Artikel und Pronomina achten. Also: Ens Käufens. Was ens Käufens alles im Laden einkauft, erspar ich mir und Ihnen, wenn ich das richtig sehe, sind wir bei der Benutzung der Verben noch ziemlich ungebunden. Sofern ich die Vorsilbe ein- beim einkaufen nicht für sächlich oder männlich halte. Sonst vielleicht enskaufen. Ens Käufens kauft ens.

Nun bin ich etwas vom Wege abgekommen, aber es ging ja um was Gutes. Es ging ums Prinzip. Und genau dasselbe Prinzip kommt jetzt zum Tragen, wenn die Bundeswehr die Einmannpackung sprachlich ins Recycling gibt. Gliedern wir mal: Ein-Mann-Packung. Die Vorsilbe „ein“ ist eindeutig sächlich oder männlich, der weibliche Artikel hieße ja „eine“. Dem Mann gäben wir mit der „Einemannpackung“ zwar zusätzliche geschlechtliche Freiheiten. Die gilt es auch zu fordern. Aber sprachlich wollen wir uns ja, wenn wir zusammen mit besagtem Gymnasium Herrn Hornscheidt folgen wollen, aufs Geschlecht gar nicht erst festlegen. Das ist ja auch richtig: Wen geht denn das etwas an, wes Geschlechts ich bin? Und bei der Einmannpackung braucht’s überhaupt kein Geschlecht, es braucht nur zwingend eine Notlage, damit die EPa gebraucht werden kann.

Machen wir’s kurz: Ens-Ens-Packung. Die Bindestrichschreibweise war jetzt nur dazu da, dass Sie sich der Entstehungsgeschichte dieses Wortes bewusst werden. Zusammengeschrieben wird daraus die Ensenspackung. Sie sehen: Schon ist jegliches Geschlecht aus dem Wort verschwunden – und das Kürzel EPa kann sogar bestehen bleiben. Niemand muss jetzt sprachlich die Soldatin ins EPa verwursten – und auch der gemeine Soldat muss nun nicht mehr zwingend ein Einmann sein.

Bleibt die Schwierigkeit mit den Groß- und Kleinbuchstaben. Man kann sie nicht nur nicht sprechen, das Korrekturprogramm ist ihnen innerhalb von Abkürzungen hilflos ausgeliefert, der Verwechslungsgefahr ist Tür und Tor geöffnet. Versuchen Sie mal das EPa oder die ePa heile durch die Autokorrektur zu kriegen, ohne zur Verbesserung greifen zu müssen!

Das schaffen Sie nur, wenn Sie die Autokorrektur lahmlegen. Das aber tut sowieso not, spätestens (=spätest + Mensch?) wenn Ihnen das ensen und gendern wie selbstverständlich über die Lippen und in die Tastatur geht. Vielleicht sollten wir dann auch die Gelegenheit nutzen zu einem Schritt, den wir seit den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts immer mal wieder tun wollten, aber uns nie ganz zu durchdringen konnten: die Durchsetzung der Kleinschreibung.

nein, korrekt: die kleinschreibung. nur sie ist in der lage, für die gleichbehandlung aller epas zu sorgen. und wenn wir dann noch die geschlechter und die menschen ensen, ist die verwechslung und uneindeutigkeit zum prinzip geworden. das aber ist wahrer sprachlicher fortschritt: niemand mehr muss sich auf inhalte festlegen. oh, entschuldigung, nicht niemand. es ist nieens, ens sich nicht festlegen muss.

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