Heißer Tee und kalter Bommerlunder
Abwarten und Tee trinken – diese Redensart ist seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts verbürgt, schreibt Lutz Röhrich in seinem Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Über die Entstehung dieser Redensart kann auch Röhrich nur spekulieren: Entweder war’s ein Arzt, der einem ungeduldigen Patienten zu Geduld und Kräutertee riet, oder aber, ein wenig aufregender, es geschah in den Salons der Biedermeierzeit, in denen der Tee erst zu späterer Stunde gereicht worden sein soll.
Nahe liegt ja, so möchte man meinen, der Arzt, der naturkundlich behandelt. Doch der, so stellen Forscher jetzt klar, sollte eigentlich deutlicher formulieren. Korrekt muss es nämlich jetzt, seit dem ersten Drittel des 21. Jahrhunderts lauten: „Abwarten beim Teetrinken“. Denn, so die Forscher, wer seinen Tee zu heiß trinkt, riskiert Speiseröhrenkrebs. Mengenangaben gibt’s auch: Wer mehr als 0,7 Liter täglich ab einer Temperatur von 60 Grad aufwärts trinkt, ist in Gefahr.
Und: Wenn ich schon dabei bin, Redensarten neu zu formulieren, dann räume ich doch gleich noch ein bisschen weiter auf: Es wird nicht so heiß gegessen, wie gekocht wird, heißt ein anderes Sprichwort. Verbesserungsvorschlag: Trinke nicht so heiß, wie gekocht wird.
Für den Alltag und das Abwarten hätte ich dann einen ganz und gar nicht ärztlichen Rat: Selbstgemachter Eistee: Viele, viele Eiswürfelsplitter, ganz heißer schwarzer Tee. Beides zusammengießen, dass es knackt. Dann noch 2 bis 3 Schlückchen Zitronensaft und 2 bis 3 Löffelchen Zucker. Wer das gut durchrührt, braucht dann auch nicht mehr abzuwarten.
Oder aber das ganz alte Rezept, bestimmt aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Bommerlunder: eisgekühlt und kalt getrunken. Wer jetzt an die Toten Hosen denkt, dem fehlt wahrscheinlich nur noch ein Schinkenbrot mit Ei.
© Mechthild Eissing
Über das zu heiße Teetrinken berichten Bild, Spiegel, Gala und gewiss noch viele andere. Hier der Link zur Bild (25.3.2019):
https://www.bild.de/ratgeber/gesundheit/gesundheit/krebs-forschung-zu-heisser-tee-kann-risiko-fuer-speiseroehrenkrebs-erhoehen-60853862.bild.html
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