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Viele Fragezeichen und viele schwarze Stellen - Die RKI-Protokolle sind öffentlich und wohl auch Ärgernis

Die Regel fürs Schreiben von Nachrichten und anderen Texten ist so eindeutig, wie sie auch eindeutig Unfug ist. Auf Überschriften in Frageform möge man möglichst grundsätzlich verzichten. So eben die Regel, die ihre Ausnahme ja quasi schon programmiert. Möglichst. Aber: Möglich ist das nicht immer. Denn manchmal ist das Leben, der Text, die Wahrheit oder was auch immer nichts weiter als eine offene Frage.

Die Frage, die die Tagesschau am 07.04.2024 als Überschrift setzt, ist mehr als eine (offene) Frage. Sie ist auch als Provokation gemeint: „Welche Lehren zieht die Politik aus der Pandemie?“ Die innere Antwort der meisten Leser brauchen wir hier gar nicht abzufragen. Der Verdacht liegt nahe, dass auch Sie denken: Keine. Oder noch keine. Oder gar keine.

Richtiger, aber auch weniger provokativ, wäre die Frage: Welche Lehre sollte die Politik aus der Pandemie ziehen? Aber auf diese Form der Frage ist es ganz sicher geraten, mit der Überschriftenregel zu antworten: Bitte keine Fragen als Titel.

Und nun ist es ja auch nicht so, als dass die Politik keine Fehleranalyse betreiben würde. Von Lehren sprechen wir mal lieber nicht, so lange für das Satzende regulär kein Fragezeichen eingeplant ist. Die Fehleranalyse(n) sind mal mehr und mal weniger öffentlich. Da aber die RKI-Protokolle nun veröffentlicht sind, ist die Zahl der offenen Fragen und Fehleranalysen gerade rasant gestiegen.

Die Tagesschau sammelt all dies unter der fraglichen Überschrift. Antworten hat sie wenige, Nachrichten aber einige. Der ganze Text ist erstaunlich lang, wirft erstaunlich viele Fragen auf und hat ebenso erstaunlich wenige Antworten parat. Und: Es ist eine Annäherung an die „Verschwörungstheoretiker“ zu spüren, die von den Medien seit Beginn der Corona-Pandemie gern mal des Irrsinns überführt werden. Nun ist aber nicht alles, was denkbar ist und gedacht wird, gleich Irrsinn oder Verschwörung – und deshalb darf nun auch wieder zwischen und in den Zeilen gefragt werden, was gefragt werden muss. Zum Beispiel, warum in den Protokollen des RKI Namen geschwärzt sind. Klar, die Mitarbeiter sollen geschützt werden. Doch ob hinter den schwarzen Balken Mitarbeiter oder Regierungsmitglieder benannt sind, bleibt unklar. Die Tagesschau macht das ganz galant: Sie benutzt die sogenannten Verschwörungstheoretiker als Sprachrohr. Und danach könnte hinter den schwarzen Balken auch schon mal der Name der Kanzlerin gestanden haben. Zum Beispiel.

Nun will, und das berichtet die Tagesschau auch, der Bundesgesundheitsminister die RKI-Protokolle weitestgehend entschwärzen. Das Problem dabei: So wird die Glaubwürdigkeit nicht wieder hergestellt. Denn die Verschwörungstheoretiker, die sogenannten und die echten, könnten behaupten, dass vor der Entschwärzung die Namen unter dem Balken ganz anders gelautet haben.

Sie sehen: Lauter offene Fragen. Dennoch: Hangeln Sie sich einmal durch den Artikel. Und falls Sie ins Wanken kommen: Ja, die Welt ist sehr wackelig geworden.

Der Text der Tagesschau, 07.04.2024:
https://www.tagesschau.de/inland/corona-pandemie-aufarbeitung-102.html

 

Aktuelle Texte zu den RKI-Protokollen:

Die „Junge Freiheit“ textet hinter Leseschranke unter der Überschrift: „Die Corona-Protokolle: Schwarz auf Schwarz“, 06.04.2024. (Kostenloses Lesen bei Registrierung möglich):
https://www.tagesschau.de/inland/corona-pandemie-aufarbeitung-102.html

Die „Welt“ nimmt sich am 04.04.2024 kommentarisch – und hinter Bezahlschranke –den Bundesgesundheitsminister zur Brust: Er nämlich greife zur Verteidigung zu Verschwörungstheorien.
https://www.welt.de/debatte/kommentare/plus250763178/RKI-Protokolle-In-der-Not-fluechtet-sich-Gesundheitsminister-Lauterbach-in-Verschwoerungstheorien.html

Die Frankfurter Rundschau nimmt die RKI-Protokolle zum Anlass, darauf zu verweisen, dass in Bayern die FFP-2-Maskenpflicht angeordnet wurde, als sie laut RKI-Protokollen noch nicht für grundsätzlich erforderlich gehalten wurden:
https://www.fr.de/politik/robert-koch-institut-ffp2-maskenpflicht-covid-maske-bayern-markus-soeder-rki-corona-protokolle-92921564.html

 

Die ganze Debatte über die RKI-Protokolle begann auf breiter Fläche vor zwei Wochen. Vielleicht kann man da auch tatsächlich vom Flächenbrand sprechen. Hier eine kleine Link-Auswahl. Wer das Thema googelt, findet noch erheblich mehr Texte:

Das ZDF fragt (ja, auch hier ist die Überschrift eine Frage) am 28.03.2024, wie weit die Entschwärzungen wohl gehen werden. Mit Foto einer geschwärzten Seite aus den RKI-Protokollen:
https://www.zdf.de/nachrichten/politik/deutschland/rki-protokolle-freigabe-schwaerzungen-lauterbach-100.html

n-tv berichtet am 28.03.2024 von den Entschwärzungsabsichten der Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach:
https://www.n-tv.de/politik/Lauterbach-ordnet-Entschwaerzen-der-RKI-Protokolle-an-article24837693.html

Die ZEIT berichtet am 28.03.2024 über die Vizepräsidentin den Deutschen Bundestages, Katrin Göring-Eckhardt, die davor warnt, die RKI-Protokolle und die Auseinandersetzung um die Corona-Aufarbeitung zu „missbrauchen“ (sic), „um Handelnde in Politik, Ärzteschaft, Wissenschaft zu diffamieren“.
https://www.zeit.de/politik/deutschland/2024-03/katrin-goering-eckardt-aufarbeitung-corona-pandemie

Prof. Dr. Oliver Hirsch und Dr. Kai Kisielinski kamen am 27.03.2024 im Magazin Cicero zu Wort. Sie knöpfen sich die Maskenpflicht vor, deren Zweifelhaftigkeit bekannt gewesen sei:
https://www.cicero.de/kultur/rki-protokolle-corona-nichtevidenz-masken

Der Faktenfuchs vom BR hingegen bemängelt: Sätze des RKI seien aus ihren Zusammenhängen gerissen worden und alles in allem seien die RKI-Protokolle weniger brisant als behauptet. 26.03.2024:
https://www.br.de/nachrichten/wissen/rki-protokolle-wie-saetze-aus-dem-zusammenhang-gerissen-werden-ein-faktenfuchs,U87sXeW

Die Berliner Zeitung geht am 24.03.2024 hart mit Lothar Wieler und mit der Tagesschau ins Gericht:
https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/corona-die-rki-protokolle-und-die-arroganz-des-lothar-wieler-li.2199680

t-online verspricht am 26.03.2024, dass die RKI-Protokolle „tiefe Einblicke“ in interne Besprechungen liefere. Dazu ein Foto von Lothar Wieler, der tatsächlich gerade sehr tief blickt. Das Wohin ist fotografisch unwesentlich und bleibt unklar:
https://www.t-online.de/gesundheit/aktuelles/id_100371200/rki-files-vertrauliche-corona-protokolle-enthuellen-brisante-details.html

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