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Kleine Etitüde zur Wahrheit in Zeiten künstlicher Generierbarkeit enzyklischer Texte

Spötter sagen, so schrieb ich gestern, dass möglicherweise die nächsten päpstlichen Enzykliken von der KI geschrieben werden. Natürlich wusste ich, dass sich die Spötter schnell auf die gegenwärtige Enzyklika stürzen würden. Denn es ist ja auch zu schön: Wenn der Papst selbst für seine erste Enzyklika – die sich auch gegen die von der KI angerichtete Verunmenschlichung richtet – eben jene KI zur Hilfe genommen hätte, wer wollte darüber nicht lächeln können. Und richtig: Die KI-Maschinen haben längst die Enzyklika überführt. Und um den Verdacht auch ganz rund zu machen: Es muss Anthropic gewesen sein. Das passt auch deswegen super, weil Christopher Olah, Mitbegründer von Anthropic, bei der Vorstellung der Enzyklika einbezogen war. Christopher – so viel den Nicht-Christen als Übersetzungshilfe – ist der Christus-Träger. Der heilige Christoph hat nämlich einstens einem Kind übers Wasser geholfen, das Kind auf den Schultern tragend. Nicht wissend, wen er da trägt, hatte er schwer mit dessen Gewicht zu kämpfen.

Nun also kämpft Christopher Olah an der Seite des Papstes. Welche Wasser die beiden überqueren, wissen wir nicht.

Gesichert ist: Der KI-Vorwurf steht im Raum. Unverblümt bei Russia Today: Aber Vorsicht, sagt die Google-KI mir, das ist eine Desinformationskampagne. Da hat sie aber gut aufgepasst. Wenn Sie trotzdem einen Blick reinwerfen wollen in die desinformierenden Vorwürfe, 29.05.2026:
https://de-rtnews.com/international/281501-analyst-papst-nutzte-ki-um/

Konjunktivistischer und mit dem journalistisch angemessenen „Es wäre möglich, dass …“ ausgestattet, finden Sie diese Vorwürfe zusammen mit ihrer möglichen Entkräftung auf ifun.de, 28.05.2026. Die Gegenargumente: KI wertet Wahrscheinlichkeiten aus und führt nicht auf Quellen zurück.
https://www.ifun.de/papst-schreibt-ueber-ki-und-ki-koennte-mitgeschrieben-haben-280510/

Und was nun? Fragen wir doch mal jemanden, der was davon versteht. Nämlich die Google-KI, gefragt am 29.05.2026:

  • Der „Verfassungseffekt“: Studien (u.a. der Stanford University) haben gezeigt, dass KI-Detektoren historische, religiöse oder stark formalisierte menschliche Texte fast immer als „KI-generiert“ einstufen. Testet man die US-Verfassung oder die Bibel, schlagen die Detektoren regelmäßig mit Wahrscheinlichkeiten von über 90 % an. Das liegt daran, dass diese Tools auf geringe Perplexität (Wortvielfalt) und geringe Burstiness (Varianz der Satzlänge) anspringen – Merkmale, die auf Beamtendeutsch, theologische Abhandlungen und KI-Texte gleichermaßen zutreffen.
  • Der Übersetzungs-Filter: Wenn ein Text von Menschen auf Deutsch geschrieben, dann aber mit Software (wie DeepL) in andere Sprachen übersetzt wird, glättet die Software den Satzbau. Jagt man diese Übersetzung durch einen Detektor, erkennt das Tool die Spuren der Übersetzungs-KI und meldet fälschlicherweise: „Der Text wurde von einer KI geschrieben.“

Klingt plausibel. Blöd ist nur: In meinen Ohren klingelt es Sturm. Aber was sollen wir denn nun glauben? Wir leben zweifelsohne in einer Welt, in der die KI ganz ohne uns ausfechten kann, was wie von Bedeutung ist. Vielleicht sollten wir sie einfach genau das tun lassen – und uns derweil mit anderen Dingen beschäftigen.

Dem wirklichen Leben.

Einspruch für die Menschlichkeit -- Papst Leo XIV....

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