Fast könnte man fragen: Wann hat jemals die Enzyklika eines Papstes solche Furore gemacht? Wenn man dann über diesen emotionalen Impuls hinweg ist, lautet die Antwort wahrscheinlich: jedes Mal oder oft. Offensichtlich aber ist, dass nicht nur die Presse am päpstlichen Schreiben nicht vorbeikommt. Ein jeder Journalist zieht aus, zückt seinen Füllfederhalter und schreibt, wie es ihm gegeben ist. Nein, vielleicht doch ein wenig profaner: Der Papst veröffentlichte eine Enzyklika und die Journalisten hauten in die Tasten, was ihnen in den Sinn kam oder sie ihren Chefs schuldig waren.
Fangen wir an mit Joachim Frank. Man kann ihn sogar als Diener zweier Herren bezeichnen, denn er leugnet seinen Glauben nicht, im Gegenteil. Joachim Frank ist bekennender Katholik. Er legt den Katholizismus nur gern mal anders aus, als manch anderer, der ebenfalls berufen ist. Heute, 02.06.2026 floss ihm eine Glosse in die Tasten. Denn: Nicht nur der Papst ist mit seinem Latein am Ende. Auch seine Angestellten, die das tote Latein lebendig aktualisieren, stehen vor großen Problemen. Um die Enzyklika nämlich ins Lateinische zu übersetzen, mangelt es an Vokabular. Und die KI, die bei anderen Sprachen gern zu Rate gezogen wird, versagt beim Latein. Die Glosse ist nett, aber leider nur im E-Paper, also im Abo, lesbar. Heute, unten auf dem Titelblatt. Wer schon ein Abo hat. Eine Papier-Ausgabe würde natürlich auch ausreichen.
https://epages.ksta.de/epaper/KS-20260602-20260602.2-kc?page=1
Die Nachricht über das mangelnde Vokabular im Lateinischen finden Sie in voller Länge und lesbar am 01.06.2026 im Domradio:
https://www.domradio.de/artikel/enzyklika-uebersetzung-scheitert-fehlenden-lateinischen-worten
Im Spiegel am 02.06.2026:
https://www.spiegel.de/panorama/papst-leo-experten-muessen-sich-lateinische-worte-fuer-lehrschreiben-magnifica-humanitas-ausdenken-a-b216842c-d8be-4e4d-8a87-feffc64b09d6
Damit ist nun unser aller heimliche Schadenfreude erst einmal hinreichend bedient. Als nächstes fällt auf, wenn man die Berichterstattung durchsucht: Das Handelsblatt kümmert sich umfassend um die Enzyklika – und das aus allen möglichen Blickwinkeln. Hier nur ein Überblick:
Am 22.05.2026 – in gespannter Erwartung der angekündigten Enzyklika – veröffentlicht das Handelsblatt einen Gastkommentar vom Bischof Heiner Wilmer, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, zur Haltung der Kirche zur KI. Wer das ganze Interview lesen will, muss zahlen.
https://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/gastkommentar-der-papst-gibt-eine-antwort-auf-die-macht-der-tech-konzerne/100226846.html
Der 23.05.2026 beginnt im Handelsblatt mit einem katholischen Bekenntnis im Morning Briefing, das eigentlich nur auf die neue Enzyklika verweisen will. Aber hinter diesem „eigentlich“ versteckt sich (nein, eben nicht) ein fast religiöses Outing:
https://www.handelsblatt.com/meinung/morningbriefing/morning-briefing-plus-was-haelt-gott-von-ki/100227290.html
Virginia Kirst wertet die Enzyklika am 25.05.2026 im Handelsblatt als Versuch des Papstes die KI zu erziehen. Sie redet auch von der Seele der Chatbots. Um zu lesen ´über welche Wasser sie weiterwandeln will, muss man die Bezahlschranke überwinden:
https://www.handelsblatt.com/politik/international/magnifica-humanitas-ki-entwaffnen-papst-leo-will-ki-moralisch-erziehen/100226225.html
Am 27.05.2026 folgt im Handelsblatt, ebenfalls für Zahlende, ein Gespräch mit zwei deutschen KI-Gründern, die – das ist schön gesagt – „den Appell unterstützen“.
https://www.handelsblatt.com/technik/ki/enzyklika-gruender-zu-ki-wettrennen-wird-immer-aggressiver/100228055.html
Und ein ganz spannendes Interview gibt es am 30.05.2026 im Handelsblatt. Und zwar mit einen Ex-Banker und jetzt Ordensbruder, der Tech-Größen, so heißt es im Vorspann, mit dem Vatikan verbindet:
https://www.handelsblatt.com/technik/ki/eric-salobir-es-gibt-viel-was-das-valley-und-den-vatikan-miteinander-verbindet/100227822.html
Und klar: Auch bei heise.de bleibt die Enzyklika nicht unbearbeitet. Der Text vom 25.05.2026.
https://www.heise.de/news/Erste-Enzyklika-Papst-fordert-Richtlinien-fuer-Umgang-mit-KI-11305600.html
Spannender und sprachlich turbulenter der Kommentar auf heise.de am 31.05.2026. Hartmut Gieselmann benennt den Deus ex machina, der gegen den einzigen wahren Gott antrete und bezieht auch die Welt der Hobbits mit ein. Wenngleich nur als Streiflicht.
https://www.heise.de/meinung/Kommentar-Ein-Paladin-gegen-Sauron-11312745.html
Schön auch die offensichtlich längst geänderte Überschrift in der FR: „Silicon Valley zittert: Papst Leo XIV. fordert demokratische Kontrolle über KI“. Da hat dann wohl jemand gemerkt, dass hier die eigentliche Nachricht woanders liegt und die Überschrift anthropisch geändert: „Papst Leo XIV. fordert KI-Entwaffnung – und Anthropic feiert mit“
https://www.fr.de/wirtschaft/papst-leo-xiv-fordert-ki-entwaffnung-und-anthropic-feiert-mit-zr-94322167.html
und hier der Screenshot der alten Überschrift bei Google:
