Von Mechthild Eissing auf Dienstag, 11. August 2026
Kategorie: Gesundheitswesen

Mediale Todesqualen

Sie wollen in den Urlaub? Vielleicht auch noch ans Meer? Vorsicht Falle! Wenn an dem einen Strand gerade die Killerbakterien ausgebrochen sind, begegnen Sie an einem anderen den Killerquallen. Hier ist der Name ja Programm: Qualen wird die Begegnung mit der Killerqualle hervorrufen. Die Rede ist von der Portugiesischen Galeere. Die tatsächlich nur selten tötet. In jedem Fall aber bei Berührung quält.

Bei Killerviren – und das ist schon eigenartig – ist die Nachrichtenlage ganz anders. Googeln Sie mal spaßeshalber alle drei: Killerviren, Killerbakterien und Killerquallen. Bei den Killerviren werden Sie, schneller als Sie lesen können, zeitlich zurückgebeamt. Zu den Coronaviren. Sie erhalten haufenweise Texte, verknüpfen damit haufenweise Erinnerung – und erhalten, Google sei Dank, kaum Infos über die in der Suchleiste von Ihnen angeforderten „Killerviren“. Es muss sich da um ein Tabuwort handeln, aber in den Suchmaschinen sind die richtigen Zusammenhänge offenbar richtig hinterlegt. Kurz: Die Killerviren haben vor Jahren Ihren Urlaub verhindert. Derzeit sind sie medial weniger aktiv. Dahinter kann nichts weiter stecken als die Rücksichtnahme auf all diejenigen, die sich an die coronaren Schrecken noch erinnern. Also: Zurück in die Gegenwart. Halt, noch nicht ganz: Die Killeralge – zumindest im Mittelmeer scheint sie der Vergangenheit anzugehören. Und trotz Klimawandel und Hitzewelle: Aktuelle Nachrichten über das Wesen und Treiben von Killeralgen sind im weltweiten Meer der Medien gerade schwer aufzutreiben.

Zieht es Sie nach Australien? An die Küste Floridas? Dann sind Sie längst informiert. Hier werden Ihnen unter Umständen Haie gefährlich, wenn Sie zu weit rausschwimmen, segeln oder surfen. Das Erstaunliche: Über Killerhaie schreibt hier niemand. Und wenn Sie tatsächlich einem Mörderhai in die Augen sehen und sich fürchten, prüfen Sie genau: Wahrscheinlich sitzen Sie gerade im Kino – und schauen einen Film an, der auch in die Vergangenheit gehört. Nein, wir leben in einer Zeit, die das Leben und das Wesen auch der Tiere achtet. Der Killerhai ist also nur noch literarisch oder cineastisch – und das ist gut so. Im Meer und in den Medien begegnen Sie allenfalls einem Mega-Hai.

Und das Mittelmeer? Haifrei ist das auch nicht. Das können Sie in der Berliner Zeitung nachlesen. Rechtzeitig zur Urlaubssaison, am 05.07.2026:
https://www.berliner-zeitung.de/article/hai-sichtungen-im-mittelmeer-diese-regionen-gelten-als-hotspots-2338833

Aber wir können uns der Gefahr auch unter Wasser nähern, wenn wir die österreichische Kronen Zeitung vom 11.08.2026 lesen. In der Toskana taucht ein Bub, fünf Jahre alt, unter Wasser – und blickt einem Hai in die Augen. In der Überschrift war von einem Riesen-Hai die Rede gewesen. Nachdem die Begegnung Kind und Hai, ein Unterwasseraugenblick, geschildert ist, erfahren wir: Der Riesen-Hai war ein toter Hai. Ein Glück für den Jungen. Aber Sie sehen: Selbst ohne mörderische Attribute droht Ihnen vom Hai auch in Europa Ungemach.
https://www.krone.at/90014205848

Attribute hin oder her: Wir Daheimgebliebenen werden ständig damit konfrontiert, wie tödlich so ein Urlaub enden kann. Doch: Seien Sie gewarnt. Die Killer lauern nämlich überall. Auch zuhause. Wenngleich zu vermuten ist, dass das Killerkommando vielleicht nicht gerade auf Sie angesetzt ist. Der Killer-App könnten Sie aber durchaus zum Opfer fallen. Der Duden erklärt sie als eine Applikation, die einer neuen Technologie zum Durchbruch verhilft. Das geschieht durch zahlreiche Käufer oder Nutzer – und kein Zweifel: Das sind tatsächlich dann wohl Sie und ich.

Das alles ist Ihnen zu wenig tierisch? Wie wäre es mit ein paar Insekten? Killerbienen zum Beispiel. Nein, die sind hier ja nicht heimisch. Die Tigermücke fängt an, sich bei uns einzuleben, muss sich aber die tötenden Attribute erst noch erarbeiten. Die Killerschnecken – nein, damit mache ich mich lächerlich. Haben Sie in diesem Jahr ohne Regen irgendwo eine größere Anzahl von Schnecken gesehen? Der Salat ist im Frühjahr ganz andere Tode gestorben. Und jetzt im Sommer: Die Schnecke ist es nicht, die das Leben und Werden des Gemüses bedroht.

Gute Nachrichten habe ich aber auch: Egal ob im Urlaub oder zuhause, die Killerzelle werden Sie nicht sehen. Denn klar, sie ist klein. Und im günstigsten Fall in Ihrem Körper im Einsatz. Dort erledigt sie dann ihren Job und zerstört Zellen, die sich verändert haben.

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